Spektakel im Sommer 2013: Ai Weiwei bringt 1000 Zelte an die Emscher
ESSEN Die ersten Zelte werden in Peking schon genäht. Bis zu 1000 Stück schickt Ai Weiwei im neuen Jahr ins Emschertal. Der Chinese ist der Top-Star unter den namhaften Künstlern, die der Münchner Kurator Florian Matzner für die Neuauflage der Emscherkunst-Triennale im kommenden Sommer gewonnen hat.
Emscherkunst-Kurator Florian Matzner. (Foto: Emschergenossenschaft)
Zwölf Zeltstädte lässt der weltbekannte Bildhauer und Konzeptkünstler während des spektakulärsten Ausstellungsereignisses der Ruhrregion vom 22. Juni bis zum 6. Oktober zwischen Gelsenkirchen und Dinslaken anlegen. Anders als bei seinem Übernachtungsprojekt "Fairytale" auf der vorletzten Kasseler documenta werden diesmal keine Chinesen eingeflogen. Doch auf überraschende Begegnungen zielt auch Ai Weiweis Einladung zur Camping-Tour entlang der Emscher. Das Vorhaben des chinesischen Regimekritikers trägt den Arbeitstitel "The Dragon's Tail". In der deutschen Übersetzung ist damit nicht nur der Schwanz, sondern auch das Ende des Drachens gemeint. Dieser Titel kann sich laut Simone Timmerhaus vom Emscherkunst-Ausstellungsbüro durchaus noch ändern.
Die Bevölkerung animieren
Die Zelte sind von schlichter Machart. Sie bieten ein bis drei Besuchern Platz. Kurator Matzner: "Weiwei will mit diesem Projekt die Bevölkerung im Revier animieren, bei der Emscherkunst mitzumachen." Matzner schwebt eine Lotterie vor, bei der Camper am Ende der Ausstellung Weiweis Zelte zum Produktionspreis erwerben können.
Wahrscheinlich kann der Künstler nicht kommen
Ob sich seine Hoffnung erfüllt, den weltbekannten 55-jährigen Künstler persönlich ins Emschertal zu holen, bleibt fraglich. Ai Weiwei wird voraussichtlich auch nicht zu seinem Beitrag zur Biennale in Venedig im deutschen Pavillon anreisen - aus Sorge, dass ihm das chinesische Regime die Rückkehr nach Peking verweigert.
Leider wenig Interesse der Sponsoren
Anders als im Kulturhauptstadt-Jahr 2010, als für die Emscherkunst elf Millionen Euro flossen, steht diesmal allenfalls die Hälfte zur Verfügung. Matzner: "Die großen Millionen sind nicht geflossen, weil sich die Unternehmen in der Krise als Sponsoren zurückhalten. Es scheint fast peinlich, in Kultur zu investieren. Aber wir mussten keinem Künstler absagen." Stattdessen wurden laut Simone Timmerhaus groß dimensionierte Projekte wie ein riesiges Ballonbündel des Argentiniers Tomás Saraceno an die knappen Mittel "angepasst".




