Bilder von Aafke Steenhuis: Ausstellung erzählt das Lied von der Ems
MÜNSTER Sie ist an der Ems geboren, doch der Fluss war ihr als Kind gar nicht bewusst. In dem niederländischen Ort Delfzijl an der Nordsee war er nicht präsent. Vor drei Jahren radelte Aafke Steenhuis mit ihrem Mann die Ems entlang, von der Insel Borkum bis zur Quelle im Teutoburger Wald. Die Geschichten des Flusses hat sie aufgeschrieben und gemalt: „Das Lied von der Ems“.
Der Musikpavillon auf Borkum, gemalt von Aafke Steenhuis. (Foto: Sabine Müller)
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Goldene Giebel
Der Nordseestrand glimmt gelb, zwei Kähne dümpeln im tiefen Türkis, das Dach des Falkenhofes in Rheine strahlt knallrot, und über den goldenen Giebeln des Prinzipal-marktes dämmert dunkelblau der Sternenhimmel. Die Motive malt Steenhuis mit Aquarellfarben, die Konturen zeichnet sie mit Ölmalkreide: geriffelte Linien, die alles brüchiger machen.
Fotostrecke Ausstellung: Bilder von der Ems
„Die Ems ist ein verborgener Fluss“, sagt Aafke Steenhuis. „Malerisch, mit so vielen Gesichtern.“ Rätselhaft und geheimnisvoll sei er, seine Ufer bergen unzählige Geschichten. Der Norden kam ihr wie eine „Zwischengegend“ vor. Öde, leer, kaum bewohnt. Auf den ersten Blick scheint es eine arme Region zu sein, doch weit gefehlt: Es gibt Gas, Erdöl und Salz. Raffinerien und Tankschiffe prägen die Landschaft, Frachter verschiffen das Salz für die chemische Industrie. Reichtum residiert an den Ufern: In Papenburg ist es die Meyer Werft, in Mettingen begann die Geschichte des Textilgroßhandels „C&A“, in Gütersloh sitzt Bertelsmann.Bei den Mapuche-Indianern
Aafke Steenhuis interessieren Menschen und Geschichten, der Alltag. Sie verbrachte lange Zeit in Südamerika, lebte ein halbes Jahr mit ihrem Mann, einem Soziologen, bei den Mapuche-Indianern in Chile, um zu erforschen, wie sie die Diktatur überlebt haben. Das nächste Projekt führt sie in die großen Welthäfen, nach Singapur, Hongkong und Shanghai. Überall hat sie ihre Skizzenbücher dabei, ihre malerischen Tagebücher.
Konzentrationslager im Emsland
Die Malerin, die heute in Amsterdam wohnt, schaut immer mit einem historischen, erzählerischen Blick auf die Landschaft. In Münster sieht sie den Friesen Liudger auf einer Brücke stehen, wie er sich überlegt, auf dem Hügel ein Kloster zu bauen, das „Monasterium“, das der Stadt ihren Namen geben wird. Sie sieht Dinge, die nicht mehr da sind. Und sucht Spuren: Im Emsland hat es an der Grenze zu den Niederlanden 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager gegeben. „In der Ödnis, wo es keiner sieht.“ Dieselbe landschaftliche Leere heute in Ter Apel: Hier liegt eines der größten Asylbewerberheime der Niederlande.
Aafke Steenhuis wünscht sich, dass ihr Emsbuch ins Deutsche übersetzt und verfilmt wird. Damit die Geschichten des Flusses nicht untergehen.
Aafke Steenhuis: Das Lied von der Ems, bis 6. Januar, Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7, Münster, Mo bis Fr 12-18 Uhr, Sa/So 10-16 Uhr. www.hausderniederlande.de







