Haus Opherdicke: Die große Blumenschau des Christian Rohlfs
HOLZWICKEDE Darf man da überhaupt von einer Blumenschau sprechen? Es soll ja nicht abwertend klingen. Aber Tatsache ist, dass die Ausstellung "Christian Rohlfs - Magie der Farbe" gleich zwei Säle voller herrlicher Blumenbilder auf Haus Opherdicke präsentiert.
Der "Rote Blütenzweig" von Christian Rohlfs entstand 1933. (Foto: Sammlung Karsch/Nierendorf)
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Damit dürften Thomas Hengstenberg, Leiter des Fachbereichs Kultur im Kreis Unna, und Kulturreferentin Sigrid Zielke wieder einen Coup gelandet haben. Die Schau mit 100 Kunstwerken - darunter 55 Bilder und Grafiken von Christian Rohlfs - passt erneut sehr schön in das historische Herrenhaus am Rand von Holzwickede.
Erfolgreichstes Ausstellungs-Jahr
"Wir haben das erfolgreichste Ausstellungsjahr in der Geschichte des Kreises Unna hinter uns", sagte Hengstenberg gestern. Zwischen 80 000 und 90 000 Besucher werden zusammengerechnet die Kunst-Schauen auf Schloss Cappenberg in Selm und in Haus Operherdicke besucht haben - ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Besucher für die gezeigten Klassiker der Moderne begeistern. Aber sie scheinen auch bereit zu sein, die weniger bekannten Maler der "verschollenen Generation", deren Karrieren von den Nazis gestoppt wurden, zu entdecken.
Von den Nazis verfemt
Christian Rohlfs gehörte zu denen, die von den Nazis als "entartet" beschimpft wurden. Der Künstler, der schon als Jugendlicher durch schwere Krankheit ein Bein verloren hatte, starb anno 1938 im Alter von 89 Jahren in Hagen - nur einen Tag, nachdem man ihn aus der Akademie der Künste geworfen hatte. Da war er allerdings längst einer der "ganz großen deutschen Expressionisten", wie Jürgen Doppelstein von der Ernst Barlach Museumsgesellschaft als Kurator der Schau sagte. Aus der berühmten Sammlung der Berliner Galeristenfamilie Karsch/Nierendorf stammen die späten Blumenstillleben. Rohlfs malte mit Tempera auf Papier.
Extrem empfindliche Werke auf Papier
Die extrem empfindlichen Werke leuchten im (konservatorisch notwendigen) Halbdunkel: weiße Magnolien, das rote indische Blumenrohr, gelbe Narzissen und Tulpen, die sich bis zum Geht-nicht-mehr spreizen. Religiöse Motive wie der händeringende "Prophet" und Landschaften wie der "Blaue Mondschein am Lago Maggiore", dessen verblüffende Effekte durchs Aufkratzen der frischen Farbe entstanden, zeigen die anderen Schwerpunktes des Rohlfschen Werkes. Bilder der Künstler der verschollenen Generation aus der Sammlung Frank Brabant, die hier "Stammgäste" sind, sowie einige qualitätvolle Neuwerbungen des Sammlers stellen das Werk in den Kontext seiner Zeit.




