Kunstaktion in Münster: Ein Museum wird verkauft

MÜNSTER Häuser werden verkauft, Versicherungen. Wer aber verkauft ein Museum? Drei niederländische Künstlerinnen bieten eins an. In der Bahnhofstraße 1 haben sie es gerade eröffnet – und wollen es schon wieder veräußern. Ein aufregender Kunstakt, der um Fragen kreist wie: Was ist ein Museum, was ist Kunst – und was sind sie uns wert?

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  • Wollen ein Museum verkaufen (v.l.): Jojanneke Postma, Debbie van Berkel und Cathalijne Postma. Die drei niederländischen Künstlerinnen bieten es in der Bahnhofstraße 1 zwei Wochen lang an.

    Wollen ein Museum verkaufen (v.l.): Jojanneke Postma, Debbie van Berkel und Cathalijne Postma. Die drei niederländischen Künstlerinnen bieten es in der Bahnhofstraße 1 zwei Wochen lang an. Foto: Sabine Müller

  • Die Dosen mit der Aufschrift »Museum zu verkaufen« kann man kaufen. Wer eine erwirbt, drückt den Gesamtpreis des Museums nach unten.

    Die Dosen mit der Aufschrift »Museum zu verkaufen« kann man kaufen. Wer eine erwirbt, drückt den Gesamtpreis des Museums nach unten. Foto: Sabine Müller

In dem kleinen Laden zeichnet ein Hygrometer die Luftfeuchtigkeit auf Papier – wie in einem Museum. Es gibt Bilder an der Wand, eine Überwachungskamera – wie in einem Museum. Es gibt aber auch bunte Stifte und farbenfroh bemalte Regenschirme – und schon bohrt der Zweifel. Ist das jetzt Kunst oder befindet man sich im Museumsshop? Und wenn man genau ist: Wenn das alles eine Kunstaktion ist, dann sind auch die Überwachungskamera und das Hygrometer Kunstwerke. Oder nicht?

Künstlerkollektiv Kassenbuch

Das sind die Momente, in denen die Schwestern Jojanneke und Cathalijne Postma sowie ihre Künstlerkollegin Debbie van Berkel lächeln. Die drei gehören zum Künstlerkollektiv „Kasboek“. Zu deutsch: Kassenbuch. Und das Kassenbuch gibt es wirklich. Denn in ihrem Museum ist alles zu verkaufen.

Die Kasse steht direkt auf dem Tisch am Eingang. Doch darf man Kunst aus einem Museum überhaupt verkaufen? Oder, noch provokanter: Darf man sie profitabel verkaufen? In Zeiten klammer öffentlicher Kassen gar keine so utopische Frage.

Den Basiswert des Museums haben die drei bei 50 000 Euro angesetzt. Doch es ist wie an der Börse: Je mehr Besucher kommen, desto teurer wird es. Der Stand gestern Morgen: 50 006 Euro. Sechs Besucher waren schon da. Doch wer etwas aus dem Museum kauft, drückt den Preis auch wieder um den Kaufwert. Das Hygrometer zum Beispiel kostet 750 Euro. Eine Dose mit der Aufschrift „Museum zu verkaufen“ gibt es aber schon deutlich billiger.

Originelle Arbeit

Es ist bereits das elfte „Kasboek“-Projekt des Kollektivs, entstanden in Zusammenarbeit mit dem deutsch-niederländischen Kunstprojekt „Grenswerte“. Eine kluge, wunderbare, sehr detailverliebte Arbeit, die vom Dialog der Besucher mit den drei Künstlerinnen lebt. Sie sind während der Ausstellungszeit in „ihrem“ Museum präsent und bieten originelle Führungen an – auf deutsch, englisch und niederländisch. Auch wer nicht solvent ist, sollte einen Blick riskieren.
 
Bis 16. 12., Di bis So 11 bis 17 Uhr, Bahnhofstraße 1/Ecke Wolbecker Straße (im „Fairsicherungsladen“). 
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