12.12.2012 18:56 Uhr
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Bilder zum Weltuntergang: Entzückende Endzeit in der Galerie FB69
MÜNSTER Eigentlich läuft die Ausstellung in Münsters Galerie FB69 nur noch kurz – bis zum 21. Dezember. „Aber“, sagt Galerist Kolja Steinrötter, „wenn die Welt dann nicht untergeht, verlängern wir bis Mitte Februar.“
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Ana Bagayans kleine Erdgöttin ist so süß wie ein Monchichi. (Foto: Manuel Jennen)
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Das Ende des Maya-Kalenders inspirierte die jungen Künstlerinnen des Hauses zu allerletzten Gedanken. Die sind aber erstaunlich unernst. Der Weltuntergang ist in Münster eine genüssliche Pop-Art-Angelegenheit.
Malerin Anarkitty schuf eine Pony-Apokalypse, die Pferdefreunden das Herz höher schlagen lässt: Eine blaue Zentaurin mit arrogantem Gesicht, entblößter Brust und buschigem Pferdeschweif schreitet zum letzten Gericht, flankiert von niedlichen blauen Ponys. Nur die Totenkopfkrone der Tiergöttin weist auf das Ende hin. Verurteilt werden die Sünder vermutlich zu ewigem Barbie-Spiel.
Süße Milchstraßen-Herrscherin
Noch reizender ist die Endzeit-Botin in Ana Bagayans Bild „Eine Nachricht aus dem Inneren der Erde. Ein sonnenhelles Licht gleißt aus der Stirn des Mädchens, in den Händen hält es einen goldenen Globus und um sein blondes Haar kreist die Milchstraße. Doch trotz dieser kosmischen Machtfülle ist die Kleine so süß wie eine Mischung aus Hobbit und Monchichi.
Seriöser geht die Welt bei Lena von Gödeke unter. Für einen großen Scherenschnitt wählte sie ein weltberühmtes Vorbild, eine der zentralen Apokalypsedarstellungen des 19. Jahrhunderts: „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich.
Der romantische Maler verarbeitete in diesem Bild sein Gefühl der Depression und des Scheiterns. Kolossal aufgetürmte, schmutzig-braune Eisschollen begraben das Wrack eines Segelschiffes. Der schier endlose, stahlblaue Horizont mit weiteren Eisbergen symbolisiert die Ewigkeit dieser Hölle.
Das Eismeer im Scherenschnitt
Lena von Gödeke hat Friedrichs Schollen penibel in ihren Scherenschnitt übertragen, das Bild aber entscheidend modernisiert: Das Segelschiff ist gestrichen, stattdessen erinnern einige Trümmer eher an die Lamellenfassade des World Trade Centers. Vor allem aber ist aus dem grandiosen Firmament ein geschlossener Raum mit gestreifter Rückwand und Fliesenboden geworden. Es wirkt, als hätte man Friedrichs Bild digitalisiert und in den virtuellen Raster-Raum eines Computerprogramms gepackt.
Ein Spiel mit dem Altmeisterlichen ist auch Slava Shevelenkos Bild „Melancholia“. Der 60-jährige Petersburger Maler ist der einzige Mann in der Schau. Er ließ sich von Lars von Triers Film „Melancholia“ über den Zusammenprall der Erde mit einem anderen Planeten inspirieren.
Unheilvolles Luftschiff
Auf seiner Collage prallt ein kaiserliches Luftschiff auf einen antiken Tempel. Während der Zeppelin etwas unscharf ins Bild geklebt ist, hat Shevelenko den Tempel mit atemberaubender Exaktheit gezeichnet, schärfer und kunstvoller als eine barocke Radierung.
Erstaunlich an dem Bild ist, wie stark das Luftschiff als Symbol des Unglücks wirkt. Seit der „Hindenburg“-Katastrophe ist das Image der fliegenden Riesen restlos ruiniert.
Dennoch: All diese Werke sind auch nach dem Weltuntergang noch schön. Für die Winterferien ist die Galerie FB69 ein heißer Tipp.
The End of the World, Galerie FB69, mindestens bis 21. Dezember, Hüfferstraße 18, Di bis Sa 11 - 18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon (02 51) 2 60 78 99.
Malerin Anarkitty schuf eine Pony-Apokalypse, die Pferdefreunden das Herz höher schlagen lässt: Eine blaue Zentaurin mit arrogantem Gesicht, entblößter Brust und buschigem Pferdeschweif schreitet zum letzten Gericht, flankiert von niedlichen blauen Ponys. Nur die Totenkopfkrone der Tiergöttin weist auf das Ende hin. Verurteilt werden die Sünder vermutlich zu ewigem Barbie-Spiel.
Süße Milchstraßen-Herrscherin
Noch reizender ist die Endzeit-Botin in Ana Bagayans Bild „Eine Nachricht aus dem Inneren der Erde. Ein sonnenhelles Licht gleißt aus der Stirn des Mädchens, in den Händen hält es einen goldenen Globus und um sein blondes Haar kreist die Milchstraße. Doch trotz dieser kosmischen Machtfülle ist die Kleine so süß wie eine Mischung aus Hobbit und Monchichi.
Seriöser geht die Welt bei Lena von Gödeke unter. Für einen großen Scherenschnitt wählte sie ein weltberühmtes Vorbild, eine der zentralen Apokalypsedarstellungen des 19. Jahrhunderts: „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich.
Der romantische Maler verarbeitete in diesem Bild sein Gefühl der Depression und des Scheiterns. Kolossal aufgetürmte, schmutzig-braune Eisschollen begraben das Wrack eines Segelschiffes. Der schier endlose, stahlblaue Horizont mit weiteren Eisbergen symbolisiert die Ewigkeit dieser Hölle.
Das Eismeer im Scherenschnitt
Lena von Gödeke hat Friedrichs Schollen penibel in ihren Scherenschnitt übertragen, das Bild aber entscheidend modernisiert: Das Segelschiff ist gestrichen, stattdessen erinnern einige Trümmer eher an die Lamellenfassade des World Trade Centers. Vor allem aber ist aus dem grandiosen Firmament ein geschlossener Raum mit gestreifter Rückwand und Fliesenboden geworden. Es wirkt, als hätte man Friedrichs Bild digitalisiert und in den virtuellen Raster-Raum eines Computerprogramms gepackt.
Ein Spiel mit dem Altmeisterlichen ist auch Slava Shevelenkos Bild „Melancholia“. Der 60-jährige Petersburger Maler ist der einzige Mann in der Schau. Er ließ sich von Lars von Triers Film „Melancholia“ über den Zusammenprall der Erde mit einem anderen Planeten inspirieren.
Unheilvolles Luftschiff
Auf seiner Collage prallt ein kaiserliches Luftschiff auf einen antiken Tempel. Während der Zeppelin etwas unscharf ins Bild geklebt ist, hat Shevelenko den Tempel mit atemberaubender Exaktheit gezeichnet, schärfer und kunstvoller als eine barocke Radierung.
Erstaunlich an dem Bild ist, wie stark das Luftschiff als Symbol des Unglücks wirkt. Seit der „Hindenburg“-Katastrophe ist das Image der fliegenden Riesen restlos ruiniert.
Dennoch: All diese Werke sind auch nach dem Weltuntergang noch schön. Für die Winterferien ist die Galerie FB69 ein heißer Tipp.
The End of the World, Galerie FB69, mindestens bis 21. Dezember, Hüfferstraße 18, Di bis Sa 11 - 18 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon (02 51) 2 60 78 99.
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