Ausstellung: Fotorealistische Kunst in Emsdetten
EMSDETTEN. Das Bild sieht aus wie eine Fotografie und ist doch akribisch gemalt, dabei erotisch aufgeladen, obwohl die Szene durchaus „anständig“ ist. „Der Morgen“ heißt das Ölgemälde von Annika Morsch, entstanden 2011, noch bis zum 9. Dezember zu sehen in der Ausstellung „Bis in die Poren“ in der Galerie Münsterland in Emsdetten.
Erotisch aufgeladene Alltagsszene: das Ölgemälde »Der Morgen« von Annika Morsch. (Foto: Elvira Meisel-Kemper)
- Emscherkunst Ai Weiweis Zelte sind auch Regimekritik
- Ausstellung "The look behind" rüttelt auf, verletzt und verstört
- Spektakuläre Kunst Wasser-Installation "bit.fall" am Dortmunder U-Turm
- Ausstellung Entwicklung der Videokunst im Düsseldorfer Kunstpalast
- Ausstellung Kunstmuseum Bochum Hartmann enttäuscht positiv
Es ist eines von vielen Gemälden in der Schau des Emsdettener Kunstvereins, die mit einer vollkommen alltäglichen Situation auffällt und vielleicht gerade deshalb unter die Haut geht.
Morsch ist eine von insgesamt 24 Studierenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, die zusammen mit ihrem Professor Andreas Orosz diese malerischen, alltäglichen Ansichten präsentieren.
2010 malte Andreas Orosz das Acrylgemälde „Brot und Gold“: In der linken Bildhälfte sind von einer Straße aus die Auslagen einer Bäckerei zu sehen. Rechts nebenan die Fensterzeile eines Juweliergeschäftes mit seiner funkelnden Ware. Zu diesem Bild passt das Acrylbild „Der Lampenladen“ von Carina Klein, ein in den letzten beiden Jahren entstandenes Stillleben. Altmodische Kristall-Lüster sowie dicht gestellte Hänge- und Stehlampen strahlen um die Wette.
Auf Augenhöhe
Annekathrin Kemper und Simone Albert nähern sich in ihren Kunstwerken der Natur. Kemper nimmt sie zum Vorbild, um sie zu abstrahieren. Albert zeigt einen fokussierten Blick auf „Augenhöhe“ mit den Pflanzen einer Wildblumenwiese – Vordergrund scharf, Mittel- und Hintergrund stark unscharf gemalt.
Eine „fotografische Technik“ wendet auch Anne Klodt an. Sie wählt als Perspektive die Aufsicht, die wie bei einem Weitwinkelobjektiv stark verzerrt ist: Vor ihr sitzt ein junger Mann in Badehose am Beckenrand eines Swimmingpools, die Füße im Wasser. Ein besonderer Gag des Bildes: In der Sonnenbrille des bärtigen Jünglings spiegeln sich die Beine des imaginären Betrachters.
Abstrakte Kunst ist out, gegenständliche Malerei ist in – vor allem das scheint die Ausstellung zu dokumentieren. Und wenn die jungen Künstler es schaffen, sich noch etwas mehr von ihrem großen Vorbild Orosz zu lösen, werden sie sich in der Szene etablieren können. Sehenswert ist das, was sie vorzeigen, schon jetzt.Bis 9. Dezember, Do/Fr 16-20 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-18 Uhr.




