Ausstellung "Won Ocean": Komponierte Bilderwelten
Gladbeck "Man darf seinen Augen nicht mehr trauen", warnte der französische Philosoph Paul Virilio schon 1986 in seiner "Ästhetik des Verschwindens". Damals begann der Siegeszug der digitalen Bildbearbeitung.
Junger Afrikaner in tropischer Natur: Die Kulisse schuf Ruud van Empel am Computer. (Foto: Galerie/ Brückner)
Künstler erprobten die neue Technik für inszenierte Lichtbilder. Mit ihnen nähert sich die künstlerische Fotografie erneut der Malerei. Dieser spannenden Entwicklung widmete sich die Neue Galerie Gladbeck vor zwölf Jahren noch im Altbau zum ersten Mal. Der Titel "Haben wir den Ozean verloren?" spielte auf drohende Verluste im digitalen Zeitalter an.
Lichtbild-Inszenierung
Nun zeigt Kurator Gerd Weggelt in der Ausstellung "Won Ocean" ("Der gewonnene Ozean") im Neubau am Beispiel von acht internationalen Künstlern zu welchen Höhenflügen sich die Lichtbild-Inszenierung aufgeschwungen hat. Der vermeintliche Verlust hat sich als immenser Gewinn erwiesen.
Die Ausstellung bietet nicht nur ästhetischen Hochgenuss. Sie ermuntert auch zu geschärfter kritischer Wahrnehmung. Denn real im naiven Sinne ist in diesen konstruierten Bildvisionen nur das Detail, aber nicht mehr das Ganze.
Grenzen zerfließen
Wie stark die inszenierte Fotografie mit der Malerei kokettiert, zeigt am faszinierendsten die Niederländerin Desiree Dolron in ihren auf Altmeister Pieter de Hooch verweisenden, diffus ausgeleuchteten, dunkelgrundigen Raumfluchten der Serie "Xteriors". Da scheinen die Grenzen zwischen beiden Sparten zu zerfließen. Ihr Landsmann Erwin Olaf zitiert in seinen Interieurs die kühlen amerikanischen Bildwelten eines Edward Hopper.
Der langjährige Modefotograf Izima Kaoru hat ein Model und, reichlich makaber, die danach verstorbene Schauspielerin Barbara Rudnik in schicker Robe im fiktiven Moment des Todes abgelichtet.
Wildnis aus dem Rechner
Der Niederländer Ruud van Empel stellt junge Afrikaner mit hellwachem, offenem Blick in eigens komponierter tropischer Wildnis vor. Und die Amerikanerin Carla Gannis setzt in ihrer Serie "Jezebel", die sie nach einer alttestamentarischen Verführerin benannt hat, Frauen irritierenden Situationen aus.
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