Ausstellung in Herne: Schädelkult ist reine Kopfsache

HERNE Einige der Exponate sind nichts für zarte Gemüter. Die Münder der Schädelaufsatzmasken sind zu schrecklichen Grimassen geöffnet, eine undefinierbare Masse tritt aus den Augenhöhlen hervor. Der Kristallschädel ist dagegen höchst ästhetisch, als Dekoration im Wandschrank ohne weiteres vorstellbar. Das LWL-Museum für Archäologie zeigt ab Samstag die Sonderausstellung "Schädelkult".

  • Weltweit gibt es nur wenige dieser besonders aufwendig verzierten Mosaik-Schädel aus Zentralmexiko.

    Weltweit gibt es nur wenige dieser besonders aufwendig verzierten Mosaik-Schädel aus Zentralmexiko. Foto: Pitsios

Mythos und Kult rund um das Haupt des Menschen sind Thema der Schau, die auf 800 Quadratmetern mehr als 300 Exponate zeigt. Diese sind geordnet nach Erdteilen und geben Einblick in die Kulturen Afrikas, Asiens, Amerikas, Ozeaniens und Europas.

Denn überall in der Welt haftet dem Schädel etwas Mystisches an, wie LWL-Chefarchäologe Michael Rind erläutert: "Zwei Schädelexponate aus dem Kreis Höxter zeigen uns, dass auch in Westfalen der Schädelkult existierte."

Reliquie mit hoher religiöser Bedeutung

Einer der Schädel ist eine Reliquie mit wahrscheinlich hoher religiöser Bedeutung, er ist mit Stoffresten aus unterschiedlichen Jahrhunderten umwickelt.

    

"Es gibt zwei Grundmuster bei der Präparation: die Ahnenschädelmodellierung, um geliebte Menschen bei sich zu behalten, und die Trophäenschädel, mit denen man die Kraft der Besiegten in die eigenen Reihen nehmen wollte", sagt Wilfried Rosendahl von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, mit denen das LWL-Museum kooperiert.

Kopf als Siegestrophäe

Martialisch mutet ein Schädel an, den ein massiver, etwa 20 Zentimeter langer Nagel durchbohrt. Die Kelten schlugen ihren Gegnern die Kopfe ab und nagelten sie als Trophäen ans eigene Haus.

"Für verschiedene Völker galt das Abschneiden des Kopfes als ein Zeichen des Triumphs über den Gegner", sagt Projektleiterin Constanze Döhrer. Unter die Kategorie Trophäenschädel fallen auch die Schrumpfköpfe aus Südamerika.

Garant für Gesundheit und Fruchtbarkeit

Sie sind nur faustgroß und sehen mit ihren deformierten Gesichtern aus wie sonderbare Puppenköpfe. Jivaro-Gruppen fertigten die Trophäen nach einem strengen Ritual: Erst zogen sie die Kopfhaut vom Schädel ab, dann kochten sie sie und füllten sie immer wieder mit heißem Sand. Die Schrumpfköpfe galten als Garant für Gesundheit und Fruchtbarkeit.

Der älteste Schädel in der Ausstellung gehört einem Neanderthaler und ist etwa 170 000 Jahre alt. Eines der seltensten Objekte ist ein mit Türkissteinchen verzierter Schädel aus Mexiko "Weltweit gibt es davon nur neun", sagt Rosendahl.

Kristallschädel aus Idar-Oberstein

Ein Kristallschädel wie im Film „Indiana Jones 4“ ist ebenfalls zu sehen. Er gehört aber nicht zu den legendären Kunstwerken der Maya, sondern wurde in Idar-Oberstein eigens für die Ausstellung gefertigt.

„Die Maya-Schädel sind wahrscheinlich Fälschungen und stammen auch aus Idar-Oberstein“, sagte Rosendahl.

"Da-Vinci-Schädel" aus Alabaster

Das kleinste Exponat ist der "Da-Vinci-Schädel" aus Alabaster, dessen Urheber Leonardo da Vinci sein soll. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Ein Blickfang ist die Persiflage auf die aus Platin gegossenen und mit Diamanten besetzten Schädel-Skupltur von Damien Hirst, die unter dem Titel "For the Love of God" für die irrsinnige Summe von 75 Millionen verkauft wurde. Ein polnischer Straßenkünstler hat stattdessen einen Schädel mit Strasssteinchen besetzt, ihm fehlt zudem ein Zahn. Titel des Werks: "For the Laugh of God".

 

LWL-Museum für Archäologie Herne: "Schädelkult", 17.11.2012 (Eröffnung 11 Uhr) - 14.4.2013, Europaplatz 1, Di/Mi/Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Katalog 19,90 Euro.

 

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