Yin Xiuzhen in Düsseldorf: Verborgene Botschaften aus dem Kleidermüll
"Brötchen" nennen Chinesen liebevoll den Kleinbus, den man sich schon mit kleinem Einkommen leisten kann. In der Kunsthalle Düsseldorf steht das Gefährt mit aufgeblendeten Scheinwerfern, als ob es gerade starte. In China gilt es als Symbol für kleine Fluchten aus beklemmenden Verhältnissen.
Die chinesische Künstlerin vor ihrem Objekt "Collective Subconscious". (Foto: dpa)
Mit dieser Botschaft lädt es Yin Xiuzhen auch auf. Die 49-jährige Künstlerin aus Peking hat das "Brötchen" in der Mitte auseinandergeschnitten und es mit Textilien aus dem Kleidermüll zu einer begehbaren Raupe verlängert, um möglichst viele Menschen mit auf die Reise zu nehmen.
Einzige deutsche Station
Die Kunsthalle Düsseldorf ist die einzige deutsche Station ersten großen Werkschau Yin Xiuzhens in Europa. Und sie bestätigt mit raffiniert durch Textilien verfremdeten Objekten und Installationen, dass sie laut Kunsthallen-Chef Gregor Jansen "seit langem die Aufmerksamkeit verdient, die ihr nun zuteil wird".
Die Unrast des heutigen Menschen, der angesichts rasanter Veränderungen nicht mehr zur Ruhe findet, spiegelt die seit 2001 als work in progress entstehende Installation "Portable Cities". Gelbe Schnüre verbinden über Eck die Metropolen der globalen Welt.
Häuser aus alten Klamotten
Und in aufgeklappten Koffern sind aus alten Klamotten Haus für Haus die Zentren von Peking, New York und natürlich der Weltstadt Düsseldorf nachgebildet.
Der Peking-Koffer weist auf ein weiteres Thema der Chinesin hin: den drohenden Verlust einer großen kulturellen Tradition in Zeiten des entfesselten Turbo-Kapitalismus. Yin Xiuzhen ist eine Verpackungskünstlerin, die lieber enthüllt als kaschiert.
Messerscharfe Kanten
Am Eingang steht kopfüber ein mächtiges, mit schwarzem Kleidermüll umhülltes Flugzeug-Fahrwerk, das nirgendwo mehr landen wird. Und die stählernen "Wellen" daneben sind an den Kanten messerscharf geschliffen. Man sollte die zierliche Künstlerin nicht unterschätzen.




