Ausstellung: Westfälischer Kunstverein präsentiert Jahresgaben
MÜNSTER Der Westfälische Kunstverein zeigt seine Jahresgaben, doch das originellste Werk ist nicht dabei. Es existiert nämlich gar nicht. Künstlerin Kerstin Stoll wollte ein Weltraum-Molekül zigtausendfach vergrößert aus Zucker nachbauen lassen, doch der einzige Konditor, der sich das zutraut, verlangt 3000 Euro.
Diese Bilder benutzt die Werbung ständig: Erdige Hände suggerieren ursprünglichen Kaffee, makellose Schönheit hilft beim Anpreisen von Pflegeprodukten. Künstler Timur Si-Quin hat solche ikonenhaften Motive auf Leinwand gedruckt. (Foto: Sabine Müller)
Die Jahresgaben sind Editionen von Künstlern, die im vergangenen Jahr im Kunstverein ausgestellt haben oder die Katja Schroeder so spannend findet, dass sie sie bekannt machen will. Neun Künstler sind es diesmal, alle Werke sind käuflich, ab 500 Euro geht es los. Einzige Bedingung: Man muss Mitglied sein oder werden.
Leuchtender Schmetterling
Was wird sich als Renner erweisen? Michael Pfisterers Foto eines leuchtenden Schmetterlings im dunklen Blattwerk, von dem man nicht so recht weiß, ob er echt oder künstlich ist? Oder die langen Aluminiumbarren mit Regenbogenschimmer von David Jablonowski? Der Schmetterling ist zumindest wohnzimmertauglicher.
Andrea Büttner mag Moose. Ein Archiv ihrer Moos-Bilder zeigte sie in einer Diashow auf der 13. Documenta. Auf ihrem Siebdruck für den Kunstverein glänzen die Pflanzen wie glitschige grüne Würmer. Das sieht künstlich aus, ist aber echt. Bei Timur Si-Qin ist es genau umgekehrt. Er bediente sich aus einem kommerziellen Bildarchiv, auf das auch Werbeagenturen zugreifen. Pralle Tomaten, glitzerndes Wasser, Kaffeebohnen in erdigen Händen, ein halbes, makelloses Gesicht. Diese schon ikonenhaften Motive bringt Si-Qin auf Leinwände – und damit zurück zur Kunst. Diese Motive, so sagt er, verdienen das auch: Sie haben sich ökonomisch durchgesetzt.
Odyssee auf der Ostsee
Yorgos Sapountzis hat aus Stoffen, Rohren, Bändern und gefärbtem Zeitungspapier eine blau-grüne, sehr ansprechende Skulptur-Collage für die Wand gearbeitet. Ihr Titel speist sich aus einer Zeitungsmeldung, die sich im Kunstwerk versteckt: „Odyssee auf der Ostsee“. Für diese Irrfahrt muss man schon eine vierstellige Summe ausgeben.
Schroeder hat sich aber auch im Archiv umgeschaut und ältere – auch günstige – Jahresgaben ausgepackt, darunter Schätze von Katharina Fritsch und Jeremy Deller.
Ende Dezember verabschiedet sich Schroeder nach Hamburg. Ihre Nachfolgerin Kristina Scepanski wird es einfacher haben als sie, denn bald hat die Heimatlosigkeit des Kunstvereins ein Ende. Die Jahresgaben präsentieren sich noch in einem alten Ladenlokal an der Hüfferstraße in Münster, im März 2013 kann der Kunstverein die Räume im neuen Landesmuseum beziehen.




