"Anna Karenina": Die Welt ist eine Bühne - und Keira Knightley ihr Star

Tolstois Klassiker als großes Theater: Joe Wright erteilt in seinem Kinofilm „Anna Karenina“ dem Naturalismus eine Absage.

  • In der Titelrolle: die stets zerbrechlich und ebenso zickig wirkende Keira Knightley.

    In der Titelrolle: die stets zerbrechlich und ebenso zickig wirkende Keira Knightley. Foto: dpa

Eben waren wir in der Oper, da geht eine Tür auf, wir stehen auf einer Wiese. Oder auf dem Bahnhof. Das Leben ist Theater, die Welt eine Bühne – Wright nimmt das wörtlich. Der Kniff kommt einem zu Anfang wie eine Marotte vor. Aber je länger der Film läuft, desto mehr kippt irritierende Künstlichkeit in eine imponierende Kunstfertigkeit. Weil Wright und Tom Stoppard (Drehbuch) den nahtlosen Übergang – Tür auf, wir sind woanders –, virtuos und schwungvoll handhaben. Mit anderen Worten: Der Film kommt zur Sache, lässt manch Ballast des 1000-seitigen Romans hinter sich.

Die Titelheldin ist eine Augenweide

Keira Knightley spielt die Anna. Eine Augenweide. Jude Law (kontrolliert und gut) ist als ihr Mann zu sehen. Neun Jahre sind sie verheiratet, leben im Luxus. Alles in Butter. Bis sich Anna in den jungen Offizier Vronsky (Aaron Taylor-Johnson) verguckt. Der Magnetismus ist wechselseitig, nimmt hier doch eine der großen Ehebruchsgeschichten der Weltliteratur ihren Lauf.

Händchen für literarische Stoffe

Joe Wright hat ein Händchen für literarische Stoffe, „Stolz und Vorurteil“ hat er auch verfilmt. Psychologisches umreißt er sehr geschickt. Annas und Vronskys Annäherung passiert über Blicke. Keira Knightley zeigt in der Sekunde zwischen Schreck und Verlangen, dass sie mehr ist als ein fotogenes Magermodel. Und die Ball-Sequenz ist nicht nur erotisch aufgeladen, sondern auch elegant choreografiert und von Seamus McGarvey wunderbar „musikalisch“ fotografiert.

Kostüme und knisternde Leidenschaft

Kostüme, Bewegung, süffige Musik, knisternde Leidenschaft: ein Schmankerl für Ästheten. Dass die Tragik verbotener Liebe nicht voll durchschlägt, mag an der fehlenden Chemie zwischen Knightley und dem blassen Taylor-Johnson liegen. Zum Glück rührt ein anderes Paar zu Tränen: Kitty (Alicia Vikander) und Levin (Domhnall Gleeson). Intelligentes Welttheater und bilderpralles Kino. 
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