Gesellschaftlicher Aufstieg und moralischer Fall

Gehörte "The Christmas Carol" nicht zum Weihnachtsgeschäft und wäre die aktuelle Verfilmung von "Great Expectations" ein paar Wochen später ins Kino gekommen, der 200. Geburtstag von Charles Dickens (1812-1870) wäre hierzulande fast vergessen worden.

  • Pip (Jeremy Irvine) wirbt um die attraktive, vor allem aber reiche Erbin Estella (Holliday Grainger).

    Pip (Jeremy Irvine) wirbt um die attraktive, vor allem aber reiche Erbin Estella (Holliday Grainger). Foto: Senator

Zur Ehrenrettung des großen englischen Moralisten nun also die wiederholte Verfilmung des Romans, den Literaturwissenschaftler als seinen "reifsten" und "komplexesten" einschätzen.

Ein Ziel: Raus aus dem Milieu

Im Mittelpunkt der Waisenjunge Pip, der als Ziehsohn eines Schmieds aufwächst und nur ein Ziel kennt: Er will raus aus dem Milieu, er will Ansehen gewinnen, und er will vermögend werden - um die Aristokraten-Göre Estella heiraten zu können, die er im Haus der versponnenen, exzentrischen, reichen Miss Havisham kennen gelernt hat.

Mike Newell, der schon in "Harry Potter und der Feuerkelch" mit kraftvoller Bildsprache auf sich aufmerksam gemacht hat, gewinnt dem klassischen Bildungsroman vor allem neue große Schauwerte ab: Landschaften wie in Öl gemalt, ein sichtbar stinkendes Schmuddel-London. Das 19. Jahrhundert als visuelle Attraktion mit Schaudereffekten.

Spiegelbild menschlicher Niedertracht

Gleichzeitig als Spiegelbild menschlicher Niedertracht. Denn auf der Standesleiter nach oben helfen dem Jungen und später dem jungen Burschen nicht nur Menschen, die es ehrlich mit ihm meinen. Das ist allerdings reichlich mysteriös arrangiert.

Dickens - das ist die kritische Auseinandersetzung mit Stolz und Vorurteil, mit Standesdünkeln und Gesellschaftsschranken, das ist der Kampf von Gut gegen Böse, das ist der Wunsch, Grenzen zu überwinden, vor allem die eigenen.

Blutleerer Jeremy Irvine

Jeremy Irvine spielt Pip mitunter jedoch so blutleer, dass sich die Sympathien für ihn in engeren Grenzen halten. Ein Hochgenuss allerdings die Auftritte von Helena Bonham-Carter als liebeskranke Adoptivmutter, Ralph Fiennes als krimineller Gönner und Robbie Coltrane als durchtriebener Rechtsanwalt.

 

 

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