"Libelle und Nashorn": Mario Adorf mit Fritzi Haberlandt im Film-Bett
ESSEN Nichts gegen Fritzi Haberlandt. Aber es war Mario Adorf, der die Premiere von "Die Libelle und das Nashorn" in der Essener Lichtburg mit der großen Star-Aura veredelte. Foto- und Autogrammjäger belagerten seinetwegen am Dienstag den roten Teppich.
Nachwuchsautorin Ada (Fritzi Haberlandt) und der alternde Leinwandstar Nino (Mario Adorf) sitzen unfreiwillig in einem luxuriösen Hotel fest. Um die Zeit tot zu schlagen, lassen sie sich auf amüsante und bizarre Rollenspiele ein. (Foto: NFP)
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Wie der Silberscheitel sich milde lächelnd dem Eingang zum Kino nähert, wirkt er Zoll für Zoll wie der Typ des Patriarchen und Herrn Konsul, den er so oft im Film verkörpert.
Schwer zu sagen, wer den Grandseigneur in Lola Randls Film hätte spielen sollen, wäre Adorf nicht verfügbar gewesen.
Gedreht in Dortmund
Er war es, weil er sich der Regisseurin verpflichtet fühlte, wie er sagt. Denn ein anderes gemeinsames Projekt fand sein Ende, als die Darstellerin Maria Kwiatkowsky während des Drehs verstarb.
Adorf vertraute auf Randls "Gescheitheit", sagte blind sein Mitwirken bei "Libelle und Nashorn" zu - und lag richtig.
Blitzgescheiter Film
Es ist ein blitzgescheiter Film geworden. Ein konzentriertes, kleines Kammerspiel mit zwei großartigen Darstellern, Haberlandt und Adorf.
Adorf gibt den Schriftsteller und Schauspieler Nino Winter, der in Dortmund seine Autobiografie vorstellt, "Ich kam, sah und liebte". Nachwuchsautorin Ada (Fritzi Haberlandt) ist auch auf Lesereise und sitzt mit Winter im selben Taxi.
Alter Herr und junge Dame
Sie tauschen höflich bemühten Smalltalk. Weil Winter den Heimflug nach Italien verschieben muss ("Die Italiener streiken mal wieder"), kreuzen sich Adas und Ninos Wege im Hotel. Sie plaudern an der Bar, aus Reserviertheit wird Vertraulichkeit. Menschen im Hotel, alter Herr und junge Dame.
Fragen zu Leben, Liebe, Sex und Tod
Ada treibt gern Spiele. Sie löchert den Alten mit Fragen zu Leben, Liebe, Sex und Tod; Nino lässt sich nach und nach darauf ein. Das ist ein bisschen kokett von Ada, nie aber plump oder peinlich.
In ihrer kindlichen Neugier steckt eine schwebende Leichtigkeit, die die Figuren durch die Nacht trägt und den Zuschauer durch den Film.
Sympathische Charaktere
Die Dialoge klingen ungekünstelt, als seien sie improvisiert. Was für das Talent von Lola Randl (auch Drehbuch) spricht. Mit dem Melancholiker und der Wissbegierigen hat Randl sympathische Charaktere erfunden, die Adorf und Haberlandt auf den Leib geschrieben scheinen.
Ein sehenswertes Duett: Schönes Menschen-Kino mit Herz und Humor.






