Miss Bala im Kino: Mexiko leidet an einem Krebsgeschwür
Ein Dokumentarfilm würde wahrscheinlich zunächst die Fakten nennen: 50.000 Tote sind seit 2006 im Drogenkrieg in Mexiko zu beklagen. Dem stehen weit mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz gegenüber, die in diesem Land jedes Jahr mit dem Handel mit illegalen Betäubungsmitteln gemacht werden. Ein Zahlenverhältnis, das einen nur schwer an ein Ende von Mord und Totschlag glauben lässt. Der sehenswerte mexikanische Spielfilm nennt diese Fakten am Schluss.
Schönheitskönigin Laura (Stephanie Sigman) bringt sich vor einem Überfallkommando in Sicherheit. (Foto: 20th Century Fox)
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Zum Beispiel Laura, eine 23-jährige Frau, die nichts anderes im Kopf hat als den kommenden Schönheitswettbewerb in ihrer Provinz. Auf einer Party der örtlichen Polizei will sie mit ihrer Freundin Kontakte knüpfen, die ihnen helfen sollen, am Contest teilzunehmen. Die Party wird von einer Drogengang überfallen.
Fahrerin, Kurier und Lockvogel
Es gibt zahlreiche Tote. Der Anführer der Bande lässt Laura am Leben. Der Preis dafür ist hoch. Die junge Frau wird gezwungen, sich in den Dienst der Gangster zu stellen – als Fahrerin, Kurier und Lockvogel.
Regisseur Gerardo Naranjo ist kein Freund der Analyse. Dafür ist der Drogenkrieg inzwischen zu komplex. Und Genre-Kino à la „Savages“ liegt ihm auch nicht am Herzen. Dafür fehlt der klare Frontverlauf und das notwendige Gut-Böse-Schema. Naranjo ist ein Fachmann der Diagnose. Und die sieht düster aus.
Die Drogenkartelle sind nicht nur für den gewaltsamen Tod Tausender von Menschen verantwortlich, sie sind dabei, Mexiko zu einem unregierbaren und letztlich zu einem unbewohnbaren Land zu machen. Kein anderer Spielfilm hat das bisher so eindrucksvoll und erschreckend glaubhaft geschildert wie „Miss Bala“.






