Historiendrama "Ludwig II.": Seine Majestät bittet ins Kino
Der König ist tot, es lebe der König. Wenigstens im Kino. 143 Minuten lang. Bis zu jener Szene, wo Ludwig II. ins Wasser geht. Schlusspunkt eines an Schwärmereien, Leidenschaften und politischen Visionen reichen Lebens. Ausgangspunkt für Mutmaßungen, Mythen und Märchen, die noch bis heute ausreichend Stoff für Fantasie-gesättigte Geschichten liefern können.
Sabin Tambrea ist der »neue« Ludwig II. von Bayern. (Foto: Daniel Mayer/Warner)
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Helmut Käutner legte einem majestätisch dreinblickenden und Heimatfilm-verbundenen O.W. Fischer 1955 den Königsmantel um. 1972 hatte sich der homosexuelle Italiener Luchino Visconti dafür Helmut Berger ausgesucht. Nicht ohne Hintergedanken. Und nicht ohne geharnischte Proteste aus dem Freistaat Bayern.
Im selben Jahr schlüpfte auch Harry Baer in die Rolle – unter der Regie von Hans-Jürgen Syberberg, dem Richard Wagner des neuen deutschen Films. Und nun soll der (noch) unbekannte Sabin Tambrea Licht ins Dämmerreich der Vermutungen, Halbwahrheiten und Dokumente bringen.
Schöner Hauptdarsteller in großer Oper
Das Regie-Paar Peter Sehr („Kaspar Hauser“) und Marie Noëlle strebt mit seinem schönen Hauptdarsteller große Oper an – jedenfalls auf den ersten Blick: originalgetreue Kostüme, Originalschauplätze, Ausstattungsorgien, es glänzt und glitzert, dazu die „programmatische“ Musik von Richard Wagner.
Wuchtige Panoramen, blendende Präzision und opulente Pracht. Aufgemotzt mit namhaften Darstellern. Zur Vorbereitung wurden Geschichtsbücher gewälzt und Geschichtsprofessoren befragt. Statt im Dienste der Kunst die Deutungshoheit über eine der schillerndsten Figuren der deutschen Geschichte bei sich zu behalten, suchte man die Kooperation mit den Graslhütern der Wittelsbacher. Alles historisch belegbar. Aber wenig unterhaltsam.
Zwischen Operette und Schulfernsehen
Da kommt nicht mehr als eine Mischung aus Operette und Schulfernsehen heraus. Die Bruchstück-Biografie als Stationendrama der Geschichte. Am Anfang der Vater-Sohn-Konflikt, dann die Überforderung als homo politicus, dann der Übergang in den Wahn, schließlich Macht- und Realitätsverlust.
Dazwischen Auftritte und Abgänge historischer Begleitfiguren: Sisi, Prinz Otto, Sophie Herzogin in Bayern, Prinz Luitpold, Napoleon III., Otto von Bismarck und so weiter und so weiter. Dramaturgisch holprig. Bieder im Ton. Mutlos in der Interpretation. Und die Homosexualität Ludwigs wird so lustlos angedeutet, als sei man noch immer dem prüden Kino der 50er-Jahre verhaftet. Ein Rückschritt.






