Kino: "Beasts of the Southern Wild": Vom Überleben in der "Badewanne"

Barack Obama war von ihm begeistert. Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey widmete ihm eine Sondersendung. Beim Sundance Film Fest wurde er zum Sieger gekürt. In Cannes erhielt er die „Goldene Kamera“. Über elf Millionen Amerikaner haben den absolut starfreien und preiswert produzierten Independent-Film „Beasts of the Southern Wild“ bisher gesehen.

  • Hushpuppy (Quenzhané Wallis) versperrt den Monstern den Weg zu ihrer Gemeinde.

    Hushpuppy (Quenzhané Wallis) versperrt den Monstern den Weg zu ihrer Gemeinde. Foto: MFA

So viel Vorschusslorbeeren müssen sein, um auf eine der ungewöhnlichsten, erstaunlichsten und zauberhaftesten Kino-Produktionen der letzten Zeit aufmerksam zu machen.

„Beasts of the Southern Wild“ spielt an der Küste von Louisiana, dort, wo das Land vor den hohen Dämmen schutzlos Sturm und Wellen ausgesetzt ist. Bayou-Country ist Hurricane-Futter. Katrina hat eine gehörige Portion verschlungen. Klima- und Öl-Katastrophen werden weiter Tribut fordern. Und dennoch leben im „Bathtub“ Menschen.

Angst vor dem Tod wird weggesoffen

In selbst gezimmerten Hütten, die wie bizarre Sperrmüll-Plastiken in der Landschaft stehen. Menschen mit eigener Musik, eigenem Slang, eigenem Charakter, eigenen Mythen. Der nächste Sturm wird mit einer wilden Party begrüßt. Flüchtlinge werden als Feiglinge tituliert. Die Angst vor dem Tod wird weggesoffen.

Der „Bathtub“ als Fantasialand der amerikanischen Subkultur. Ein versumpfter Restposten der Zivilisation. Von Fäulnis befallen und komplett idyllefrei – und doch faszinierend. Magischer Realismus über eine eingeschworene Gemeinschaft.

Weiblicher Forrest Gump

Hushpuppy, ein sechsjähriges Mädchen, erzählt von ihrem Zuhause und wie es die Welt sieht. Ein weiblicher Forrest Gump. Ihre Mutter sei irgendwann einmal „davongeschwommen“; irgendwann wird ihr Vater an Krebs krepieren; irgendwann werden die Monster, die aus dem Eis der Pole herausschmilzen, übers Land ziehen.

Aber an Hushpuppy kommen sie nicht vorbei. Eine der schönsten Szenen des Films, der bisweilen wie ein Sturm über die Leinwand fegt. Dann knallt und dröhnt es wie bei einem Feuerwerk, und die Kamera weiß kaum, wohin sie zuerst schauen soll. Touristentaugliche Folklore sieht anders aus, hier wird das Leben gefeiert – im Angesicht des Untergangs. Herausragend!
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