Ausstellung Kunsthalle: Münsters Kunstsammler zeigen, was sie haben

MÜNSTER In den Wohnzimmern Münsters hängen nicht nur Picasso-Poster, hinter westfälischen Mauern wird wertvolle und bedeutende zeitgenössische Kunst gehortet. Zwölf Sammler haben ihre Privaträume für Kunsthallen-Leiterin Gail Kirkpatrick geöffnet. Sie wählte 45 Lieblingsstücke aus und zeigt sie in der Ausstellung „Private Kunstsammlungen Münster – Director’s Choice“. Die Bedingung: Die Namen der Sammler bleiben geheim.

  • Surasi Kusolwong aus Thailand inszeniert bunten Plastik-Plunder zu einem farbenfrohen Basar. Im Hintergrund ist Markus Willekes Bild "Nuts" zu sehen, eine Schwimmbadansicht.

    Surasi Kusolwong aus Thailand inszeniert bunten Plastik-Plunder zu einem farbenfrohen Basar. Im Hintergrund ist Markus Willekes Bild "Nuts" zu sehen, eine Schwimmbadansicht. Foto: Sabine Müller

Noch nie habe sie so viel über die Auswahl von Kunstwerken nachgedacht, erzählt Gail Kirkpatrick. Denn was sich ihr in den Büros, Wohnungen und Lagerräumen offenbarte, übertraf ihre kühnsten Träume: „Es sind fantastische Sammlungen von internationaler Qualität und extremer Breite.“ Sie konnte aus einem reichen Schatz schöpfen: Mit Werken von international berühmten Künstlern wie Ai Weiwei, Candida Höfer, Ilya Kabakov, Per Kirkeby und Jonathan Meese müsse sich die Sammlerszene keinesfalls hinter Köln, Düsseldorf, New York oder Berlin verstecken.

Zudem hätten die münsterschen Sammler Mut zum Risiko. Sie kauften auch unbekannte Kunst, Hauptsache, sie gefällt. Die Sammler gehen auf Entdeckungstour, etwa beim jährlichen Rundgang der Akademie, sie fördern lokale Größen, lassen sich dabei von Ausstellungen in der Stadt inspirieren, manche haben die Künstler durch die Kunsthalle kennen gelernt.

Bunter Plastik-Basar

Dass der üppig bunte Plastik-Plunder von Surasi Kusolwong tatsächlich in einem münsterschen Wohnzimmer steht, ist schwer zu glauben, aber wahr. Die Installation „1-Euro-Market für Blinky Palermo“ vereint dutzende billige Plastikteile vom aufblasbaren Männchen bis zur Wäscheklammer-Spinne. Allerdings habe es schon eine Intervention der Ehefrau des Sammlers gegeben, verriet Kirkpatrick. Verständlich: Der pastellige Kitsch-Basar ist toll, aber man erträgt ihn wohl nicht 24 Stunden am Tag.

Ein Foto von Künstler Phil Collins löste gar eine Familienkrise aus. Kein Wunder: Es ist furchteinflößend und brutal. Es zeigt den iranisch-kurdischen Dichter Abbas Amini mit zugenähten Augen, Mund und Ohren. Mit dieser Selbstverstümmelung protestierte er im Jahr 2003 gegen die Abschiebung aus Großbritannien. Ein wichtiges, aber auch unerträgliches Zeugnis des Leidens.

Erotik vor dem Bildschirm

Es ist leichter zu verstehen, dass ein Sammler Johannes Hüppis „Frau vor Bildschirm“ immer bei sich haben will. Die schöne Nackte hat eine enorme erotische Ausstrahlung, ihr Blick über die Schulter Richtung Betrachter macht die Szene intim, der leere blaue Bildschirm weckt die Fantasie. Davor steht ein Stuhl, ein Readymade von Ai Weiwei, ein paar Meter weiter liegt eine Bronzekugel, die laut Künstler Kris Martin Sprengstoff enthält. Eine Frage des Glaubens. Alle halbe Stunde fährt eine U-Bahn durch die Kunsthalle, eine Soundinstallation von Suchan Kinoshita, die der Besitzer für gewöhnlich in einem Bunker abspielen lässt.

Auf Münsters Sammler darf man neidisch sein. Sie haben Geschmack, wählen nicht nur nach kühler finanzieller Strategie, sondern nach Passion. Sie schauen sich jeden Tag die Werke an, sagt Kirkpatrick. Bis Februar sind ihre Wände jetzt leer. Die Chance sollte man nutzen.

Eröffnung der Ausstellung „Private Kunstsammlungen Münster – Director’s Choice“: Freitag, 16. November, um 19.30 Uhr. Zu sehen bis 24. Februar 2013, Kunsthalle Münster, Speicher II, Hafenweg 28, Di bis Fr 14-19 Uhr, Sa/So 12-18 Uhr.
Jeden Sonntag von 16 bis 18 Uhr gibt es Kunstgespräche. Führungen am 2. Dezember und am 3. Februar, jeweils 15 Uhr.
Zur Ausstellung und rund um das Thema „Sammeln, (m)eine Leidenschaft“ gibt es ein Schulprogramm für alle Altersstufen über zwei Schulstunden mit Ute Bachmann. Infos unter Telefon (0251) 59 42 38 oder per Email: ute.bachmann@gmx.de
 www.kunsthalle.muenster.de
Autor
Sabine Müller
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    14. November 2012, 18:48 Uhr
    Aktualisiert:
    14. November 2012, 19:07 Uhr
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