Im Kino: The Sessions: Offenherziger Film über ein intimes Thema

Wo die Arbeit „normaler“ Therapeuten aufhört, beginnt Cheryls Tätigkeit: Die Enddreißigerin, mit wagemutiger Offenheit von Helen Hunt gespielt, ist „Sex Surrogate“ – eine Frau, die Männern bei sexuellen Problemen hilft. Nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Taten.

  • Helen Hunt und John Hawkes bei einer der Sex-Sessions.

    Helen Hunt und John Hawkes bei einer der Sex-Sessions. Foto: Fox

Mark O’Brien (John Hawkes) ist Cheryls neuer Patient. Ein besonderer Fall. Der 38-Jährige ist als kleiner Junge an Kinderlähmung erkrankt und seitdem, vom Hals bis zu den Fußsohlen unbeweglich, auf eine „Eiserne Lunge“ angewiesen. Nur drei Stunden lang kann er frei atmen.

Die übrige Zeit steckt er in diesem lebensrettenden Monstrum aus Stahl, Glas und Mechanik. Sex mit einer Frau hat Mark noch nie gehabt. Das soll sich ändern. Innerhalb von sechs speziellen „Sessions“.
 
Freizügigkeit und Respekt
 
Ben Lewin hat sich dieser auf Tatsachen beruhenden Geschichte angenommen. In einem zu Herzen gehenden Film, der nie rührselig, einem humorvollen Film, der nie lustig, und einem freizügigen Film, der nie peinlich ist. Ein Balanceakt aus Feingefühl und Wagemut, Freizügigkeit und Respekt. Nicht immer ist das in „Ziemlich beste Freunde“ gelungen. Hier gelingt es perfekt.
 
Zunächst holt sich Mark, der als Journalist und Dichter sein Geld verdient und auf Ganztagsbetreuung angewiesen ist, Rat bei einem katholischen Geistlichen ein. Priester Brendan (William H. Macy) ist zunächst gar nicht so angetan von Marks Plan, seine Jungfräulichkeit zu beenden. Erst nach einigen „Beichtstunden“ gibt ihm der Geistliche den Segen. Und wird ihm bald ein Freund fürs Leben.
 
Nicht ohne Witz
 
Sex in Verbindung mit körperlicher Behinderung ist kein Kino-Tabu mehr. Und das ist gut so, solange dabei solche Filme entstehen. Ben Lewin lässt nichts unausgesprochen. Besser noch: Er lässt nichts ungezeigt. Im Rahmen der Möglichkeiten. Die „Zusammenarbeit“ zwischen Hawkes und Hunt ist von großer erotischer Spannung. Und nicht ohne Witz.

Mit grimmigem Humor erzählt Mark aus dem Off von seinen Ängsten und Nöten. Mit großer Zuneigung versucht Cheryl, ihm diese zu nehmen – und ihm etwas zu geben, was dieser Mann noch nie gespürt hat. Ein Lehrstück selbst für körperlich gesunde Partner.
 
Cheryl Cohen-Greene ist heute 68 Jahre alt, Großmutter, seit 33 Jahren glücklich verheiratet. In dieser Zeit hat sie als „Sex Surrogate“ mit rund 900 Männern geschlafen. Mark war einer von ihnen.
Autor
Klaus-Peter Heß
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Januar 2013, 10:28 Uhr
    Aktualisiert:
    8. Januar 2013, 13:15 Uhr
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