Faszination Troja: Mythos und Wirklichkeit?

Tübingen (dpa) Ein großer Krieg in Troja - Alix Hänsel, Kuratorin der Schliemannsammlung im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, glaubt nicht, dass er tatsächlich wie vom Dichter Homer beschrieben stattgefunden hat.

Schließlich sei die Geschichte erst drei Jahrhunderte, nachdem sie stattgefunden haben soll, aufgeschrieben worden, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

«Homer, der aus Kleinasien gestammt haben soll, hat vielleicht die Ruinen des spätbronzezeitlichen Troja gesehen, war fasziniert von der gewaltigen Stadtmauer und hat seinen Epos dann an diesem Ort spielen lassen.» Vergleichbar wäre eine solche Legendenbildung etwa mit den Heldensagen, die sich um die Burgen im Rheintal spannen.

Die trojanische Heldensage habe Troja zu einem unsterblichen Mythos werden klassen, der Menschen auf der ganzen Welt fasziniert. Homer habe mit Liebe, Krieg und Eroberung durch eine List in der Ilias viele Themen verarbeitet, die auch in der Mythologie anderer antiker Völker behandelt wurden. «Dass der Troja-Mythos bis heute fasziniert, hat vor allem mit der Identifikation ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten und Reiche mit diesem Geschehen zu tun», sagt Hänsel. «Die Griechen sahen in den angreifenden Achaiern ihre heroischen Vorfahren, die Römer, und, neben vielen anderen, später auch die Habsburger, leiteten ihre Herkunft von den Trojanern ab. Sogar die muslimischen Eroberer Konstantinopels sahen sich als Rächer der Jahrtausende zuvor besiegten Trojaner.»

Zerstört wurde Troja ihrer Überzeugung nach aber nicht durch einen gewaltigen Krieg, sondern durch Brandkatastrophen und Erdbeben. Es hätten zwar auch Kriege in Troja stattgefunden. «Das waren aber wohl eher lokale Auseinandersetzungen und Kleinkriege, während ein Überfall eines im entfernten Griechenland aufgestellten Heeres, wie ihn Homer schildert, eher unrealistisch sein dürfte», sagt Hänsel.

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  • Erstellt:
    26. Dezember 2012, 09:27 Uhr
    Aktualisiert:
    26. Dezember 2012, 09:29 Uhr
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