In der Walhalla ist (fast) kein Platz mehr frei

Donaustauf (dpa) Jedes Jahr steigen Massen von Touristen den Hügel zur Walhalla im Donautal bei Regensburg hinauf. Ihr Ziel: Das Innere des Säulentempels mit Büsten deutscher Persönlichkeiten. Nach 170 Jahren wird es aber nun eng in der Ruhmeshalle.

  • Die Büsten deutscher Persönlichkeiten müssen zusammenrücken. Foto: Armin Weigel

    Die Büsten deutscher Persönlichkeiten müssen zusammenrücken. Foto: Armin Weigel Foto: dpa

Eindrucksvoll thront die Walhalla über dem Donautal. Der Säulentempel in Donaustauf bei Regensburg - im griechischen Stil erbaut - zählt zu den bekannten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Der Bauherr, der bayerische König Ludwig I., wollte damit eine Ruhmeshalle für «bedeutende Persönlichkeiten teutscher Zunge» errichten. Seitdem erinnern 130 Büsten und 65 Gedenktafeln an Geistesgrößen der Vergangenheit. 170 Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerks wird es nun jedoch eng im Inneren der Walhalla. Es sind nur noch wenige Büstenplätze frei.

«Einen Anbau wird es sicherlich nicht geben», betont der Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg, Hans Weber. Schließlich handele es sich bei der Walhalla um ein außergewöhnliches, denkmalgeschütztes Gebäude. «Noch sind aber auch drei oder vier Plätze frei. Und die Büsten können auf dem Sims auch noch etwas zusammengeschoben werden, um Platz zu schaffen.»

Zuletzt entschied der bayerische Ministerrat 2006 über die Ehrung von drei Persönlichkeiten: Carl Friedrich Gauß, Edith Stein und Heinrich Heine. «Normalerweise kommt ein solches Verfahren alle fünf bis sieben Jahre in Gang. Es könnte also bald wieder so weit sein», sagt Ellen Latzin von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Ein neues Verfahren ist zwar noch nicht eingeleitet worden, eine Vorschlagliste mit mehr als 100 Persönlichkeiten gibt es nach Angaben des Wissenschaftsministeriums aber bereits. Bekannte Namen stehen drauf, etwa der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der Schriftsteller Franz Kafka, die preußische Königin Luise, die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Nietzsche oder die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Hatte zu Lebzeiten des Königs nur Ludwig I. selbst das Recht, eine Person zu bestimmen, so darf nun jeder einen Vorschlag machen. Die Kosten für die Büste muss der Antragsteller allerdings selbst übernehmen.

Bei der Auswahl hilft die Akademie der Wissenschaften. «Eine Arbeitsgruppe von Geistes- und Naturwissenschaftlern bewertet die Kandidaten und macht Vorschläge», erklärt Latzin. Nach Vorgaben König Ludwigs I. muss der Kandidat der germanisch-deutschen Sprachfamilie angehören und Herausragendes geleistet haben. Zudem wird eine zu ehrende Persönlichkeit frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod aufgenommen.

Außerdem soll die bisherige Dominanz der Männer in der Ruhmeshalle ausgeglichen werden. Derzeit sind unter den insgesamt 195 Büsten und Gedenktafeln lediglich zwölf für Frauen. Daher berücksichtigte der bayerische Ministerrat in der jüngeren Vergangenheit vermehrt weibliche Persönlichkeiten.

Nicht jeder übrigens wollte in die Walhalla: Heinrich Heine etwa, dessen Büste 2010 aufgestellt wurde, hatte zu Lebzeiten für die Ruhmeshalle nur Spott und Häme übrig. Niemals wollte der Dichter in die «marmorne Schädelstätte». Geholfen hat es nichts.

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Autor
André Jahnke, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    1. Januar 2013, 11:56 Uhr
    Aktualisiert:
    4. Februar 2014, 15:56 Uhr