Kulturhauptstadt Kosice präsentiert sich multikulturell

Kosice (Kaschau) an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union will als Kulturhauptstadt Europas 2013 die ganze Ostslowakei als multikulturelle Region präsentieren. Die ethnischen Minderheiten spielen im Konzept eine Schlüsselrolle.

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  • Das Roma-Theater «Divadlo Romathan» (Theater Romathan) in Kosice. Foto: Christoph Thanei

    Das Roma-Theater «Divadlo Romathan» (Theater Romathan) in Kosice. Foto: Christoph Thanei Foto: dpa

  • Der aus der deutschen Minderheit stammende Künstler Helmut Bistika vor seinen Gemälden in Kosice. Foto: Christoph Thanei

    Der aus der deutschen Minderheit stammende Künstler Helmut Bistika vor seinen Gemälden in Kosice. Foto: Christoph Thanei Foto: dpa

Kosice (dpa) - «Kulturhauptstadt Europas 2013 zu sein, ist eine großartige Chance für uns», sagt der aus der deutschen Minderheit stammende Maler Helmut Bistika. Die mit 240 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Slowakei hat im September 2008 den Wettbewerb um diesen Titel mit einem betont multikulturellen Konzept gewonnen. Neben der vom Überaltern und Aussterben bedrohten deutschen Minderheit ist es vor allem die wachsende Minderheit der Roma, die Kosice 2013 als stolze Kulturträger vorzeigen will.

«Gerade wir als Minderheitentheater haben besondere Möglichkeiten, da wir bei unseren temperamentvollen Auftritten Musik, Tanz und Schauspiel in einer auch für ein fremdsprachiges Publikum verstehbaren Weise verbinden», freut sich Karel Adam. Er ist Direktor des «Divadlo Romathan», des einzigen professionellen Roma-Theaters der Slowakei.

«Unsere traditionelle Multikulturalität zu zeigen, ist ein Schwerpunkt unserer Planung», sagt Vladimir Beskid, der künstlerische Leiter des Projekts Kulturhauptstadt. Schließlich sei die ostslowakische Region Kosice (deutsch Kaschau) an der Grenze zu Ungarn und der Ukraine mit ihren Minderheiten - neben Deutschen und Roma auch Ruthenen, Ungarn und Juden - in der Vergangenheit stets ein «kleines Europa» voller Vielfalt gewesen.

Berühmtester Spross der ruthenischen Minderheit war übrigens Popart-Künstler Andy Warhol, dessen Eltern aus dem ostslowakischen Dorf Mikova nach Amerika auswanderten. An ihn erinnert deshalb ein Museum in der Kleinstadt Medzilaborce. Und der aus der deutschen Minderheit stammende Rudolf Schuster brachte es immerhin bis zum slowakischen Staatsoberhaupt (1999-2004). Davor hatte er als langjähriger Oberbürgermeister von Kosice die wunderschöne, aber im Realsozialismus verwahrloste Altstadt um den gotischen Dom renovieren lassen.

Durch Künstleraustausch mit großen Städten Europas will sich Kosice nun ein internationales Netzwerk aufbauen, das noch lange nach 2013 bestehenbleibt. «Wir wollen aber auch eine Balance schaffen zwischen Internationalität und Regionalität», erklärt Beskid. Die lokale Bevölkerung soll das Projekt «Spots» ansprechen: Der Fortschritt der Heizungstechnik hat die noch aus realsozialistischer Zeit über die ganze Stadt verteilten Fernwärme-Verteilerstationen überflüssig gemacht. Jetzt bekommen sie eine neue Funktion als lokale Kulturzentren für die einzelnen Stadtviertel.

«Wir haben für die Kulturhauptstadt nichts Neues gebaut, sondern nur bereits Bestehendem eine neue Funktion gegeben», erklärt Tomas Cizmarik, der PR-Verantwortliche des Projekts Kulturhauptstadt. Die Kosten sind für die Armenregion der Slowakei dennoch hoch. Obwohl rund 60 Millionen Euro aus EU-Fonds genützt werden können, muss die Stadt Kosice zusätzlich zehn Millionen kofinanzieren, dazu kommen 3,3 Millionen vom slowakischen Kulturministerium und Subventionen von großen Firmen wie dem örtlichen Stahlwerk.

In einer Region mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit ruft das natürlich auch Kritik hervor. «Die Stadt war schon vorher fast pleite und hat zu wenig Geld für die nötigsten Investitionen in öffentliche Verkehrsmitttel, Wohnungen und Sicherheit. Da gefällt natürlich vielen nicht, dass jetzt plötzlich so viel Geld in dieses Prestige-Event gesteckt wird», erzählt der Journalist Jaroslav Vrabel vom «Kosicky Korzar», der in Kosice angesiedelten größten Regionalzeitung der Slowakei.

Helmut Bistika bleibt trotzdem Optimist: «Die Kultur der Massen besteht fast nur daraus, vor dem Fernseher zu sitzen. Jetzt aber haben wir die einmalige Gelegenheit, auch die einfachen Leute zum aktiven Mitmachen zu animieren!»

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Autor
Christoph Thanei, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. Dezember 2012, 16:48 Uhr
    Aktualisiert:
    30. Dezember 2012, 16:49 Uhr
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