Fotos im Netz nicht für alle Welt sichtbar machen

Berlin (dpa/tmn) Der Fotodienst Instagram hat mit neuen Regeln den Eindruck erweckt, Nutzer-Fotos verkaufen zu wollen. Zwar war die Aufregung darüber wohl unbegründet. Der Fall zeigt aber einmal mehr: Daten sind die Netz-Währung. Das sollte den Nutzern bewusst sein.

  • Instagram gehört zum Unternehmen Facebook. Von Nutzern geschossene Bilder darf der Fotodienst aber nicht einfach verkaufen. Foto: Rolf Vennenbernd

    Instagram gehört zum Unternehmen Facebook. Von Nutzern geschossene Bilder darf der Fotodienst aber nicht einfach verkaufen. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: dpa

Private Fotos sollten Hobbyfotografen nur in Maßen ins Netz stellen und immer nur für Freunde sichtbar machen. Das gilt unabhängig davon, was der Betreiber einer Internetplattform damit machen will, rät Till Kreutzer vom Onlineportal «irights.info»: «Ich muss nicht alles, was ich über mein Privatleben dokumentiere, auch gleich hochladen.»

Der Fotodienst Instagram hatte aktuell für Aufregung im Netz gesorgt. Ein Satz in der neuen Nutzungsbedingungen konnte so interpretiert werden, als wolle Instagram die Bilder seiner Nutzer Werbetreibenden künftig gegen Geld zur Verfügung stellen. Inzwischen hat die Firma Änderungen an der umstrittenen Passage angekündigt. Sie beabsichtige nicht, Fotos von Nutzern zu verkaufen.

Für Till Kreutzer ist das aber noch lange kein Grund, jetzt wieder sorglos mit Fotos oder privaten Informationen umzugehen - ob bei Instagram oder anderswo. «Solche kostenlosen Dienste sind für den Betreiber wahnsinnig teuer», erklärt der Rechtsexperte. «Daten sind die neue Währung, mit denen der Nutzer dafür bezahlt.» Das müsse man sich beim Hochladen von Fotos, aber auch beim Teilen von Texten und Links immer bewusst machen.

Ein Verkauf von Fotos sei aber tatsächlich nur erlaubt, wenn es in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich vorgesehen ist. Fraglich sei außerdem, ob eine solche Regelung hierzulande überhaupt möglich ist, sagt Kreutzer: «Das ist extrem unüblich und wahrscheinlich nach deutschem Recht nicht zulässig.» Das gegenüber einem internationalen Konzern durchzusetzen, könnte allerdings schwierig werden.

Der Experte empfiehlt Surfern aber ohnehin, sich eher um die Sichtbarkeit der eigenen Bilder zu sorgen: «Auf einer Plattform wie Instagram gibt es Millionen von Bildern, teilweise von erfahrenen Fotografen», sagt er. «Dass da ausgerechnet meins für eine Werbekampagne ausgewählt wird, ist sehr unwahrscheinlich.»

Deutlich wahrscheinlicher sei, dass jemand öffentlich eingestellte Bilder mit einer gezielten Suche nach dem Namen des Fotografen findet: «Jemand, bei dem ich mich bewerbe, sieht dann plötzlich irgendwelche Jugendsünden», warnt Kreutzer. Private Fotos sollten deshalb immer nur für den Nutzer selbst und einen ausgewählten Kreis an Kontakten sichtbar sein. Die meisten Fotoplattformen bieten dafür umfangreiche Einstellmöglichkeiten.

Mit dem Vormarsch der Smartphones ist es so einfach wie noch nie geworden, Fotos immer und von überall miteinander zu teilen. Dem Dienst Instagram gelang es in weniger als zwei Jahren, eine starke Position in diesem Markt zu erobern. Zu dem Erfolgsgeheimnissen gehören eine extrem einfache Bedienung und die Möglichkeit, Bilder mit Farbfiltern aufzupeppen. Im Gegensatz zu vielen anderen Foto-Plattformen war Instagram von Anfang auf die Nutzung mit mobilen Geräten ausgelegt.

Das Prinzip von Instagram erinnert an den Kurznachrichtendienst Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Man kann den Foto-Strom anderer Nutzer abonnieren und die eigenen Bilder entweder allen oder nur einem ausgewählten Bekanntenkreis zugänglich machen. Auf Wunsch können die Fotos mit Ortsmarkierungen und Schlagwörtern versehen werden. Als das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook im Frühjahr eine Milliarde Dollar für Instagram bot, hatte der Dienst rund 30 Millionen Nutzer. Nach jüngsten Angaben sind es inzwischen mehr als 100 Millionen.

Die beiden Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger tasteten sich allmählich zu dem heutigen Instagram-Konzept durch. Erst probierten sie ihr Glück mit einer App Namens Burbn, die das Hochladen von Bildern mit einer Check-In-Funktion kombinierte. Es zeigte sich jedoch, dass die Burbn-Nutzer vor allem auf das Teilen von Fotos aus waren. Deshalb wagten sie nach mehreren Monaten Entwicklung im September 2010 einen Neustart mit Instagram. Nach drei Monaten hatte der Dienst eine Million Nutzer, nach einem Jahr zehn Millionen.

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. Dezember 2012, 14:23 Uhr
    Aktualisiert:
    19. Dezember 2012, 14:24 Uhr
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