CD- und Plattenspieler: Schon retro oder noch veraltet?

Berlin (dpa/tmn) Musik kommt heute nur aus dem Computer? Nicht ganz: Schallplatten- und CD-Spieler sind zwar selten, aber noch nicht tot. Für den Kauf spricht vor allem der Klang. Denn der ist bei den Musikspezialisten oft besser als bei DVD- oder Blue-ray-Playern.

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  • Analog und lebendig: Der klassische Plattenspieler ist inzwischen erfolgreicher als der CD-Player. Foto: Andrea Warnecke

    Analog und lebendig: Der klassische Plattenspieler ist inzwischen erfolgreicher als der CD-Player. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

  • Zum Abspielen von Audio-CDs ist der CD-Player noch immer die beste Wahl. DVD- oder Blu-ray-Player liefern oft nur schlechten Klang. Foto: Franziska Koark

    Zum Abspielen von Audio-CDs ist der CD-Player noch immer die beste Wahl. DVD- oder Blu-ray-Player liefern oft nur schlechten Klang. Foto: Franziska Koark Foto: dpa

  • Einige Hersteller bringen noch immer neue Plattenspieler auf den Markt. Der TEAC LP-R500 (etwa 300 Euro) hat sogar noch ein Kassettendeck an Bord. Foto: Andrea Warnecke

    Einige Hersteller bringen noch immer neue Plattenspieler auf den Markt. Der TEAC LP-R500 (etwa 300 Euro) hat sogar noch ein Kassettendeck an Bord. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

Ein Fünftel der täglich gehörten Musik kommt in Deutschland noch von einem physischen Medium wie CD oder Langspielplatte - trotz allgegenwärtiger MP3-Player und Smartphones. Dies hat der Bundesverband Musikindustrie im April in einer Online-Befragung mit 6800 Teilnehmern herausgefunden. Wer mit Musiksammlungen auf dem PC oder in der Hosentasche aufgewachsen ist, mag da staunen: Flache Scheiben sind noch immer beliebt?

«Die Platte war nie weg und erlebt derzeit eine Renaissance», glaubt Axel Grüning vom Münchener Fachhändler Hifi Concept. Die eigentlich jüngere CD befinde sich dagegen auf dem absteigenden Ast: «CD-Player müssen sich inzwischen hinter Streaming-Clients und Plattenspielern einreihen», erklärt der Experte.

Das zeigen auch die Verkaufszahlen der Abspielgeräte: 118 000 Plattenspieler wurden 2011 nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) verkauft. Zum Vergleich: Im Jahr 1994 waren es noch 205 000, der Tiefpunkt lag zur Jahrtausendwende bei 100 000 Geräten. Die Anzahl der verkauften CD-Spieler ist dagegen geradezu abgestürzt: Während 1994 noch 1,7 Millionen Geräte an die Kunden gingen, waren es 2011 nur noch 87 000.

Kein Wunder, denn eigentlich kann heute jeder DVD- oder Blu-ray-Player auch Musik-CDs abspielen. Musikenthusiasten legen die CD aber noch immer am besten in ein spezialisiertes Abspielgerät, sagt Axel Grüning: «Die Abspielfähigkeit von Blu-ray- oder DVD-Spielern ist im direkten Vergleich oft ernüchternd schlecht». Denn die einzige Gemeinsamkeit zwischen den Medien ist Form und Größe des Tonträgers. «Das Abspielen einer CD und das Auslesen einer Blu-ray haben miteinander kaum etwas gemein.» Der Qualitätsverlust gegenüber einem guten CD-Player sei oft selbst für Laien ohrenscheinlich.

Der Audio-Experte empfiehlt Käufern eines CD-Players, vor allem bei hochpreisigen Geräten mit gutem Klang auf digitale Eingänge zu achten. Denn damit profitieren nicht nur CDs, sondern auch andere digitale Quellen wie Computer oder Sat-Receiver vom besseren Digital-Analog-Wandler im CD-Spieler. Allerdings machen sich solche Zusatzfunktionen in der Regel deutlich im Preis bemerkbar.

Echte Audiophile greifen dagegen zunehmend gar nicht mehr zur CD, sondern schwören auf den Klang von Vinylplatten. Sogenannte Halb- oder Vollautomaten gibt es heute nur noch selten - bei diesen Modellen setzt sich der Tonarm selbsttätig in die Rille und fährt nach der Wiedergabe in die Ausgangsposition zurück. Ebenfalls vorbei ist der Systemstreit zwischen den Antriebsarten Direkt- und Riementriebler. Letztere Variante habe sich im Hifi-Bereich als Standard durchgesetzt, sagt Grüning: «Riementriebler spielen konstant mit einer falschen Drehzahl, was minimal die Tonhöhe beeinflusst.» Das werde von den meisten Menschen im Klang als angenehmer empfunden.

Manche Plattenspieler sind heute mit sogenannten Phono-Vorverstärkern ausgestattet. Diese entzerren und verstärken das Signal, so dass es auch aktuelle Anlagen ohne separaten Phonoeingang verarbeiten können. Besitzer eines Plattenspielers ohne Vorverstärker können den Entzerrer auch als kleine separate Box kaufen. Der Preis dafür liegt in der Regel bei 20 Euro. Darüber hinaus haben einige neue Plattenspieler einen Analog-Digital-Wandler, der über ein USB-Kabel das Signal an einen Computer weiterleitet. Praktisch ist das zum Beispiel, um alte Schallplatten der Musiksammlung auf dem Computer hinzuzufügen.

Laut Grüning sind die meisten Einsteigermodelle für den normalen Hausgebrauch geeignet: «Plattenspieler in verschiedenen Preisklassen unterscheiden sich eigentlich überhaupt nicht in ihrer Funktionalität.» Der Audioexperte empfiehlt Vinyl-Neulingen daher den Griff zu günstigen Versionen klassischer Linien. Gute Modelle gebe es bereits ab 350 Euro. Die Mittelklasse beginnt bei 1000, Topmodelle kosten mindestens 2500 Euro.

Auch der beste und teuerste Plattenspieler liefert allerdings keinen tollen Klang, wenn er nicht vernünftig aufgestellt wird. Der Arbeitsplatz des Geräts sollte deshalb eben und wackelfrei sein, eine Wandhalterung verleiht zusätzliche Stabilität.

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Autor
Thomas Schörner, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    6. Dezember 2012, 10:21 Uhr
    Aktualisiert:
    25. November 2013, 11:11 Uhr
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