Kopfhörer als coole Modeartikel - Design von Hip-Hop-Stars

New York (dpa) Früher waren große, teure Kopfhörer etwas für Hifi-Enthusiasten, die im Wohnzimmer das Beste aus ihren Scheiben herausholen wollten. Heute sind Kopfhörer zum coolen Modeartikel geworden. Eine Clique von Hip-Hop-Stars hat die Branche aus dem Schlaf gerissen.

  • Amerikanische Hip-Hop-Stars wie 50 Cent haben hochwertige Kopfhörer zum Modeartikel gemacht. Foto: Robert Schlesinger

    Amerikanische Hip-Hop-Stars wie 50 Cent haben hochwertige Kopfhörer zum Modeartikel gemacht. Foto: Robert Schlesinger Foto: dpa

Wer cool sein will, ist leise. Während in den 1980er Jahren die Ghettoblaster der Inbegriff von Jugendkultur waren, sind es heute stylische Kopfhörer. Die Marken heißen Beats by Dr. Dre oder Skullcandy, sie fallen durch schrille Farben und frische Formen auf und haben rein äußerlich nur noch wenig gemein mit ihren langweilig-schwarzen Verwandten, die über Jahrzehnte zur Grundausstattung eines jeden Hifi-Enthusiasten gehörten.

Amerikanische Hip-Hop-Stars haben hochwertige Kopfhörer zum Modeartikel gemacht. Rapper 50 Cent tauchte dieses Jahr persönlich auf der IFA in Berlin auf, um Werbung für seine Marke SMS Audio zu machen. Nein, sie seien für alle Arten von Musik und nicht nur für Rap und Hip-Hop gedacht, erklärte er geduldig. In Deutschland wurde auch schon Soulsänger Xavier Naidoo angeboten, Ohrhörer mit seinem Namen auf den Markt zu bringen, er machte jedoch nicht mit.

«Die Verbraucher nutzen verstärkt mobile Geräte», erläutert Ben Arnold von der US-Marktforschungsfirma NPD. «Qualitativ gute Kopfhörer sind die logische Ergänzung.» Die Verkäufe von Premium-Kopfhörern hätten sich binnen zwölf Monaten beinahe verdoppelt. Für die Kollegen von der deutschen Marktforschungsfirma GfK gehören Kopfhörer zu den Unterhaltungselektronik-Artikeln, die sich im Schuldenkrisen-geplagten Westeuropa gut verkaufen. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr fast fünf Millionen Kopfhörer und Stereo-Headsets verkauft, gut 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Da die Verbraucher verstärkt zu teurerem Zubehör griffen, stieg der Umsatz sogar um über 30 Prozent auf 130 Millionen Euro.

«Kopfhörer sind heute genauso ein Ausdruck des eigenen Modegeschmacks wie sie ein Audio-Zubehörteil sind», sagt NPD-Analyst Arnold. Besonders häufig sieht man in den Metropolen von Berlin bis New York die Modelle von Beats by Dr. Dre. Gefühlt gibt es etwa in der New Yorker U-Bahn pro Waggon mindestens drei junge Leute, die die geradlinig gezeichneten, oft bunten und mit einem charakteristischen roten Kabel versehenen Kopfhörer tragen. Dabei kostet schon die Einstiegsvariante «Solo» etwa 150 Euro. Das Spitzenmodell «Pro», das die Ohren komplett umschließt, liegt bei um die 400 Euro.

Der amerikanische Hip-Hop-Star Andre «Dr. Dre» Young hatte sich 2006 mit dem Musikproduzenten Jimmy Iovine zusammengetan, um seine eigenen, coolen Kopfhörer herauszubringen. Die Idee machte ihn reich. Dr. Dre führt die diesjährige Liste der Hip-Hop-Spitzenverdiener des US-Magazins «Forbes» mit weitem Abstand an. Er sackte demnach vor Steuern 110 Millionen Dollar ein - mehr als doppelt so viel wie der Zweitplatzierte Sean «Diddy» Combs (45 Millionen) und fast dreimal so viel wie Shawn «Jay-Z» Carter (38 Millionen).

Für die Musiker werden Zusatzeinkünfte in Zeiten sinkender Einnahmen aus CD-Verkäufen immer wichtiger. «Man muss heutzutage auch Geschäftsmann sein», stellt 50 Cent nüchtern fest. «Und es ist mir viel lieber, Ohrhörer zu verkaufen, als meinen Namen für irgendwelche Turnschuhe herzugeben.» Weiteres Audiozubehör könnte folgen, er habe auch schon überlegt, seine Musik damit zu bündeln, sagt der 37-Jährige, der in Wirklichkeit Curtis James Jackson III heißt.

Zu denen, die von der Lust auf stylische Kopfhörer profitieren, gehört auch der US-Hersteller Skullcandy. Das börsennotierte Unternehmen mit dem Totenkopf als Markenzeichen legt ein rasantes Wachstumstempo an den Tag. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg um 42 Prozent auf 126 Millionen Dollar, der Gewinn verbesserte sich um 49 Prozent auf unterm Strich knapp 8 Millionen Dollar. Auch in Europa konnte Skullcandy zuletzt viele neue Fans gewinnen.

Mittlerweile versucht sogar der weltgrößte Computerhersteller Hewlett-Packard mit speziellen Beats-Notebooks Kasse zu machen. Die Flachrechner sollen eine besonders gute Soundkarte besitzen. Der taiwanische Elektronikkonzern HTC peppt manche Smartphones mit Beats by Dr. Dre auf, und die Limousine Chrysler 300 S lässt sich mit einer Musikanlage des Kopfhörer-Spezialisten ordern. Ein groß angelegter Einstieg von HTC bei Beats wurde aber weitgehend zurückgeschraubt.

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Autor
Daniel Schnettler und Andrej Sokolow, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. November 2012, 10:24 Uhr
    Aktualisiert:
    22. November 2012, 10:25 Uhr
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