So viel Nippes wie möglich: Heimzimmer persönlich einrichten

Köln (dpa/tmn) Ein Bett, ein Schrank, ein Tisch: Viele Altenheime bieten eine Standardeinrichtung. Auf eigene Möbel oder liebgewonnene Gegenstände sollten Senioren aber nicht verzichten. Denn der abgewetzte Lesesessel kann genauso wichtig sein wie eine gute Betreuung.

  • So war das früher: Fotoalben können Senioren dabei helfen, sich im Heim schneller wie zu Hause zu fühlen. Foto: Kai Remmers/Archiv

    So war das früher: Fotoalben können Senioren dabei helfen, sich im Heim schneller wie zu Hause zu fühlen. Foto: Kai Remmers/Archiv Foto: dpa

Dem Einzug ins Heim sehen viele Ältere mit gemischten Gefühlen entgegen. War ihnen im bisherigen Zuhause alles vertraut, beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Der ist häufig mit Einschränkungen verbunden. Schließlich bietet ein Zimmer im Heim weniger Freiräume als eine Wohnung oder gar ein ganzes Haus. Gerade deswegen sollten Bewohner darauf achten, dem Heimzimmer einen persönlichen Anstrich zu geben.

«Es ist sehr wichtig, sich sein Zimmer mit möglichst vielen privaten Gegenständen einzurichten», sagt Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe in Köln. «Das stärkt die persönliche Identität und hat sofort Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit.»

So logisch das klingt: Viele Menschen verzichten beim Einzug ins Heim auf Persönliches. «Es ist meist ein Schock, wenn man das bisherige Zuhause verlassen muss», sagt Michell-Auli. In solch einer Situation denken nur wenige daran, eigene Dinge mitzunehmen.

Dabei ist Privatheit für jeden Menschen entscheidend, sagt Silke Haase, Diplom-Psychologin in Berlin. «Das wird auch im Alter nicht weniger.» Gerade bei Pflegefällen sei das jedoch ein Problem, wenn Pflegepersonal ohne anzuklopfen ins Zimmer kommt oder die Menschen ungefragt gewaschen werden.

Möbel, Bilder und andere Einrichtungsgegenstände allein könnten zwar keine Privatheit schaffen. «Sie können aber helfen, eine eigene Privatsphäre und so ein Gefühl von Vertrautheit zu kreieren», sagt Haase.

Wie das jeweilige Heim mit dem Thema Privatsphäre umgeht, sollten Senioren und Angehörige am besten vorab herausfinden. «Bei der Erstbesichtigung sollte ich darauf achten, ob die Bewohnertüren geschlossen sind», sagt Cathrin Redlin, Sozialarbeiterin der Caritas Altenhilfe in Berlin. Wenn einem bewohnte Zimmer gezeigt werden: Wird angeklopft und werden die Bewohner gefragt, ob es ihnen recht ist, wenn Fremde ihr Zimmer besichtigen?

«Die Gestaltung des Zimmers liegt in den Händen der Bewohner und deren Angehöriger», findet Redlin. «Zum Wohlfühlen gehören eigene Möbel, Fotos oder Gegenstände, die dem Bewohner besonders wichtig sind, aber auch Haustiere sind erlaubt, sofern sich deren artgerechte Versorgung regeln lässt.»

Möglicherweise ist das manchmal aber leichter gesagt als getan. «Offiziell erklären die meisten Heime, dass es möglich ist, eigene Möbel mitzubringen - in der Realität sieht das aber oft anders aus», berichtet Michell-Auli aus seiner Erfahrung. Häufig werde man erstaunt angeschaut, wenn man solche Wünsche äußere.

Michell-Auli rät daher, auf seinem Recht zur eigenen Zimmergestaltung zu bestehen. «Das ist keine Sonderbehandlung, sondern hilft sehr, sich in der neuen Umgebung schnell wohlzufühlen.» Am besten sei es, das Ganze wie einen Umzug in eine kleine Wohnung anzugehen - und möglichst viel mitzubringen.

Sei das - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich, sollten Ältere überlegen, was ihnen wichtig ist. «Das kann ein Schrank aus der Kindheit oder das Lieblingssofa sein», sagt Michell-Auli. Unentbehrlich seien meist Bilder von Familienmitgliedern oder früheren Reisen.

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Autor
Aliki Nassoufis, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. November 2012, 10:22 Uhr
    Aktualisiert:
    28. November 2012, 10:24 Uhr