Ein kleiner Pieks mit großem Nutzen

Berlin (dpa) Dank moderner Impfstoffe können wir uns gegen viele ernste Krankheiten schützen. Doch welche Impfungen sind wirklich wichtig? Was die Deutschen übers Impfen wissen, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Ob Masern, Röteln, Grippe oder Tetanus: Ein kleiner Pieks schützt vor schlimmen Folgen. Foto: Julian Stratenschulte

    Ob Masern, Röteln, Grippe oder Tetanus: Ein kleiner Pieks schützt vor schlimmen Folgen. Foto: Julian Stratenschulte Foto: dpa

Masern, Mumps, Röteln - Impfungen gegen die typischen Kinderkrankheiten sind unerlässlich. Das meint nicht nur die Ständige Impfkommission sondern auch ein Großteil der Eltern. Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa finden es 97 Prozent der Befragten generell wichtig, dass ihre Kinder empfohlene Impfungen erhalten. Bei der Umsetzung sieht es im Einzelnen etwas anders aus.

Am wichtigsten waren den 520 Befragten neben Masern, Mumps und Röteln die Impfungen gegen Tetanus und Kinderlähmung. Frauen nehmen das regelmäßige Impfen ihrer Kinder sogar ein bisschen ernster als Männer.

Der Immunschutz gegen Windpocken, Rotaviren, die für schwere Durchfallerkrankungen verantwortlich sind, und gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, haben für viele dagegen keine Priorität. «Dies hängt wohl hauptsächlich mit falschen Informationen über die Gefährlichkeit der Erkrankungen zusammen», meint der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts, Jan Leidel. Diese Impfungen seien zudem noch nicht so in der Gesellschaft verankert.

Die Stiko empfiehlt für Kinder zur Zeit zwölf Grundimpfungen, für Mädchen und junge Frauen zudem noch zusätzlich die Impfung gegen HPV. Für Schwangere, Menschen ab 60 oder chronisch Kranke ist eine zusätzliche Impfung gegen Grippe sinnvoll. Alle zehn Jahre sollten Erwachsene außerdem ihre Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Keuchhusten) auffrischen lassen.

In Deutschland existiert bisher kein einheitliches umfassendes System zur Erhebung von Impfdaten. Regelmäßig überprüft wird nur der Impfstatus von Erstklässlern bei der Schuleingangsuntersuchung. Die aktuellsten verfügbaren Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von 2010 zeigen, dass die Impfquote in dieser Altersgruppe kontinuierlich steigt. Deutlich wird das bei Keuchhusten, wo die Impfquote von 78,1 Prozent (2000) auf 94,7 Prozent (2010) kletterte. Besonders drastisch ist die Quote zur zweiten Masernimpfung: 2000 hatten diese nur 19,4 Prozent der Erstklässler erhalten, 2010 hingegen 91,5 Prozent.

Der Impfschutz gegen die Leberentzündung Hepatitis B - eine effektive Maßnahme zur Verhinderung von Leberkrebs - ist nach RKI-Ansicht mit 86,8 Prozent aber immer noch bundesweit unzureichend. Bei der zweiten Impfung der Kinder gegen Masern (91,5 Prozent), Mumps und Röteln (91,2 Prozent) zeigte die Statistik ebenfalls unzureichende Impfquoten. In der Umfrage schätzten jeweils rund 93 Prozent der Eltern diese Impfungen als unerlässlich ein, auch wenn offensichtlich nicht alle von ihnen ihre Kinder impfen ließen.

Weiterhin auffällig: Wie in den Vorjahren hatten Kinder aus den neuen Bundesländern einen um zwei bis drei Prozent besseren Impfschutz als in den alten. Dieser Unterschied rühre noch aus der Zeit der DDR, meint Leidel. «Dort gab es eine Impfpflicht und es war einfach völlig normal und gesellschaftlich akzeptiert, dass man Schutzimpfungen in Anspruch nahm.»

Bei Erwachsenen werden die Impfquoten nur bei zwei Krankheiten erhoben. Nach jüngsten Zahlen sind 72 Prozent von ihnen gegen Tetanus und 30 Prozent gegen Grippe geimpft. Jährlich erkranken bundesweit bis zu 15 überwiegend ältere Menschen an Tetanus, die Sterberate liegt bei 10 bis 70 Prozent.

Seit Sommer 2012 empfiehlt die Stiko eine Impfung gegen Mumps für Jugendliche und junge Erwachsene, da die Krankheit sich nach der Einführung der Impfung in höhere Altersklassen verschoben hat. Eine einmalige Masernimpfung für Erwachsene mit mangelndem Impfschutz wird seit 2010 empfohlen. Die Masernimpfung findet auch Leidel am wichtigsten, damit es endlich gelinge, die Krankheit zu eliminieren. Außerdem spricht Leidel sich deutlich dafür aus, die HPV-Impfung ernster zu nehmen. «Durch diese Impfung könnte sehr viel Leid verhindert werden.»

Autor
Janina Treude, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. November 2012, 14:25 Uhr
    Aktualisiert:
    22. November 2012, 14:27 Uhr
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