Blau oder rot oder gelb: Gärtnern nach Farben

Berlin (dpa/tmn) Die rote Hose passt nicht zur grünen Bluse, das orangene Kleid sticht sich mit der blauen Weste: Nicht jede Farbe kann mit jeder anderen. Wie in der Mode gilt dies im Garten. Manchmal ist Monotonie das Beste - denn einfarbige Beete beruhigen.

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  • Lila ist nicht gleich lila: Lavendel gibt in verschiedenen Farbabstufungen. Foto: GPP/Downderry

    Lila ist nicht gleich lila: Lavendel gibt in verschiedenen Farbabstufungen. Foto: GPP/Downderry Foto: dpa

  • Zwischen dem Grün der Blätter und Stängel kommen Blüten besonders gut zur Geltung, wenn sie aus einer Farbfamilie stammen. Foto: BGL

    Zwischen dem Grün der Blätter und Stängel kommen Blüten besonders gut zur Geltung, wenn sie aus einer Farbfamilie stammen. Foto: BGL Foto: dpa

  • Maximal zwei Blütenfarben werden für ein Beet ausgesucht: Die pinkfarbene Rose 'Cristata' wird etwa kombiniert mit der weißen Sorte 'Penelope'. Foto: Marion Nickig

    Maximal zwei Blütenfarben werden für ein Beet ausgesucht: Die pinkfarbene Rose 'Cristata' wird etwa kombiniert mit der weißen Sorte 'Penelope'. Foto: Marion Nickig Foto: dpa

Ein belebendes Orange oder ein kühles Blau: Die psychologische Wirkung von Farben auf unser Gemüt ist längst bekannt. Wohnungen und Häuser werden oft nach Farbthemen eingerichtet, auch Farbgärten gibt es. Die Aufteilung und Gestaltung der Gärten nach Farbe wurde lange nur in England und in den Niederlanden gepflegt, doch auch in Deutschland ist das inzwischen ein Trend.

Die Gestaltung ist sehr einfach: Bei der Planung werden nur Pflanzen ausgesucht, deren Blüten die gleichen ein bis zwei Hauptfarben haben. Sie schmücken ein Beet oder einen ganzen Gartenteil.

«Je konsequenter man beim Einsatz von Farben ist, desto beeindruckender ist das Ergebnis, denn man bringt dadurch eine optische Ruhe in den Garten», erläutert Isabelle Van Groeningen, Leiterin der Gartenschule an der Königlichen Gartenakademie Berlin-Dahlem. Ein weiß-blauer Garten beispielsweise wirke viel eleganter als ein buntes Gewirr aus Violett, Orange, Gelb und Blau. Wer auf andersfarbige Lieblingspflanzen nicht verzichten will, kann statt eines kompletten Gartens auch nur Beete oder Teile des Grundstücks einfarbig gestalten, sagt Van Groeningen.

Blau habe eine kühle, elegante und sehr beruhigende Wirkung, sagt Melanie Wiethölter, Gärtnerin im Botanischen Garten in Münster. Außerdem vergrößerten helle Blautöne den Garten optisch. Beispiele für die Bepflanzung sind der Eisenhut, Storchschnabel, Glockenblumen, Lupinen oder Kornblumen. «Der Rittersporn 'Elmfreude' ist dunkelblau und hat ein weißes Zentrum. Er passt hervorragend in blau-weiße Kombinationen», so Wiethölter.

Gelb-, Orange- und Rottöne werden als belebend, fröhlich und warm empfunden. Gerade ein leuchtendes Gelb mag die Gartenhistorikerin: «Es kann ein wenig Sonne in eintönige und triste Kombinationen bringen.» Allerdings können die kräftigen Farben sehr raumergreifend sein - und daher zu üppig in sehr kleinen Gärten wirken. Intensive Rottöne geben etwa Rosen, Taglilien oder der Kalifornische Goldmohn. Van Groeningen empfiehlt den Nelkenwurz 'Prinses Juliana' oder die blutroten Blüten der Mohnsorte 'Beauty of Livermere'.

Rosa- und Pinktöne haben eine fröhliche und erfrischende Wirkung. «Diese Farbtöne lassen sich auch sehr gut mit Blau oder Weiß kombinieren, denn sie sind wahre Alleskönner», findet Wiethölter. Beispiele sind Kapmargerite, Wicken, Schleierkraut, Geranien und Cosmeen. Van Groeningen rät zur Aster 'Andenken an Alma Pötschke'.

Weiße Rabatte wirken wie blaue kühl und elegant. Das Besondere jedoch ist, dass eine Vielzahl weißer Blüten in den Abendstunden den ganzen Garten erleuchten kann, erläutert Wiethölter. Van Groeningen empfiehlt dafür die Clematis 'Madame Le Coultre'. Schneeglöckchen, Magnolien, Salbei oder der Entenschnabel-Felberich ergänzen die weiße Pracht.

Damit das Konzept vom Gärtnern nach Farbe auch aufgeht, ist eine gute Planung wichtig. Idealerweise werden Gehölze, Stauden, Einjährige und Zwiebelpflanzen höhengestaffelt kombiniert und die Blühzeiten der Pflanzen berücksichtigt. «Es sollten keine großen, leeren Löcher entstehen, sondern es sollte möglichst zu jeder Zeit etwas blühen», erklärt Wiethölter.

Doch auch die Blätter sind wichtig: Deren Grüntöne werden in ein- oder zweifarbigen Gärten stärker wahrgenommen. «Damit die Pflanzung nicht zu langweilig wird, kann man beispielsweise mit hellgrünen oder silbrigen Blättern sowie besonderen Blattformen einen willkommenen Kontrast schaffen», sagt Isabelle Van Groeningen. Der Anteil der auffälligen Blätter sollte aber 15 bis 20 Prozent der Gesamtbepflanzung nicht übersteigen. Sonst wird die Wirkung der Farbgestaltung wieder aufgehoben - und der Anblick ist unruhig.

Autor
Simone Augustin, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. August 2012, 09:25 Uhr
    Aktualisiert:
    30. August 2012, 09:27 Uhr
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