Der Klang des Gartens: Klappern, knacken, rascheln

Wuppertal (dpa/tmn) Der Wind raschelt in der Baumkrone, ein Apfel schlägt dumpf auf dem Boden auf. Und wenn die Früchte des Blauregens aufbrechen, knallt es schon mal laut. Den Garten kann man nicht nur sehen und riechen, man kann ihm auch zuhören.

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  • Schon ihr Name verrät, dass er Geräusche macht: Die Samen des Klappertopfs (Rhinanthus minor) hört man, wenn sie sich bewegen. Foto: Marion Nickig

    Schon ihr Name verrät, dass er Geräusche macht: Die Samen des Klappertopfs (Rhinanthus minor) hört man, wenn sie sich bewegen. Foto: Marion Nickig Foto: dpa

  • Es rauscht, wenn der Wind sie erfasst: Am meisten bestimmen Gräser wie das Chinaschilf (Miscanthus sinensis 'Silberfeder') die Geräuschkulisse im Garten. Foto: Jens Schierenbeck

    Es rauscht, wenn der Wind sie erfasst: Am meisten bestimmen Gräser wie das Chinaschilf (Miscanthus sinensis 'Silberfeder') die Geräuschkulisse im Garten. Foto: Jens Schierenbeck Foto: dpa

  • Der Bambus gibt wie Bewegung des Windes wieder - daher spielt er eine wichtige Rolle in der asiatischen Gartentradition. Foto: Jens Schierenbeck

    Der Bambus gibt wie Bewegung des Windes wieder - daher spielt er eine wichtige Rolle in der asiatischen Gartentradition. Foto: Jens Schierenbeck Foto: dpa

Wer im Garten sitzt und die Augen schließt, erfährt das grüne Paradies mal mit anderen Sinnen: Es gibt viel zu hören. Zunächst nimmt man die Umgebung wahr: das Rauschen einer Straße, die Gespräche der schnatternden Nachbarn oder Stille. Verweilt man ein bisschen, rückt diese Geräuschkulisse in den Hintergrund. Der Zuhörer wird sensibel für das Rascheln der Blätter, das Knacken aufspringender Knospen und den Aufprall einer reifen Kastanie auf dem harten Boden. Der Garten komponiert Musik.

«Jede Jahreszeit hat im Garten ihren eigenen Klang», sagt Anja Maubach, Buchautorin und Gartengestalterin aus Wuppertal. Sie schwärmt: «Im Frühling hört man, wie die Pflanzen wachsen. Im Herbst übernimmt das Grasorchester die Klanggestaltung.»

Auch die Tageszeiten haben ihre eigene Melodie: Die Morgenstunden eines Frühsommertages gehören den Singvögeln. In der gleißenden Mittagssonne eines Sommertages herrscht fast gespenstische Ruhe - wenn die Umgebung es zulässt.

Der Gärtner kann die Geräuschkulisse auf seinem Grundstück beeinflussen: Es gibt einige Pflanzen, deren Namen bereits darauf hinweisen, dass sie Geräusche produzieren. Die Blüten der Rasselblume (Catananche) stoßen im Wind aneinander. Der Klappertopf (Rhinanthus) und die Klappernuss (Staphylea) verdanken ihren Namen dem Geräusch der reifen Samen in den Früchten, wenn sich diese bewegen.

Am meisten bestimmen Gräser die Geräuschkulisse. «In der asiatischen Gartentradition spielt der Bambus eine große Rolle, weil er die Bewegung des Windes wiedergibt», sagt der Buchautor und Gartenbaumeister Peter Berg aus Sinzig in Rheinland-Pfalz. Maubach empfiehlt das Chinaschilf (Miscanthus). Wenn die Halme im Herbst höher als ein oder eineinhalb Meter sind, erzeugt der Wind mit ihnen akustische Schwingungen.

Wichtig sei allerdings, dass die Gräser an einem Platz wachsen, an dem der Wind die Halme erfassen kann. Hecken und Mauern schützen sie zu sehr, so dass ihnen kein Rascheln und Rauschen zu entlocken ist. «Bewegung ist die vierte Dimension im Garten», sagt Berg. Hier spielt auch der Mensch mit: Er erzeugt beim Laufen über Kies oder Splitt Geräusche.

Abwechslungsreich sind die Lieder der Singvögel. «Man muss die Vögel allerdings locken», sagt Gartenbaumeister Peter Berg. Er hat in seinem eigenen Garten fünf Futterstellen aufgestellt. «Ich bestücke die verschiedenen Orte im Wechsel, damit die Nahrungsaufnahme mit der Suche verknüpft ist.» So erhöhe er nicht nur die Zahl der gefiederten Gartenbesucher, sondern auch die Artenvielfalt - und es erklingt ein mehrstimmiges Pfeifkonzert.

Besonders wichtig ist die Fütterung der Vögel natürlich in den Wintermonaten, erläutert Maubau. Außerdem benötigen die Tiere Nistplätze im Frühjahr. Berg füttert auch während der Aufzucht der Jungen, um das Nahrungsangebot zu verbessern. Im Spätsommer werden die Singvögel mit Frucht bildenden Sträuchern im Garten gehalten.

Es dürfen aber nicht zu viele akustische Reize im Garten sein. «Ein Klangspiel darf nicht zur permanenten Beschallung werden, weil es sonst leicht stört», sagt Maubach. Es gehe vielmehr darum, den Ton aus der Stille heraus zu entdecken.

So sollten sich relative Ruhe und Geräusche abwechseln, die vom Wind mit den Pflanzen oder vom Mensch auf den Wegen erzeugt werden. So könne einerseits der Mensch die Akustik bewusster wahrnehmen als in Dauerbeschallung, erläutert Berg. Andererseits lasse sich so beim Lauschen besser entspannen.

Verkehr oder Maschinen stören hier. Aber auch das kann der Gärtner beeinflussen: «Wenn ich etwas nicht mehr hören will, hilft das Geräusch von Wasser, das beispielsweise aus einem Wandbrunnen herunterfällt», sagt die Gartengestalterin Maubach.

Mit Wasserwänden lassen sich ganze Bereiche akustisch voneinander trennen, erläutert Gartenbaumeister Berg. «Auch ein Bachlauf im Garten hilft bei der Gestaltung einer angenehmen Geräuschkulisse.» Dieser sollte allerdings so angelegt sein, dass nicht nur monotones Plätschern erklingt. Die Fließgeschwindigkeit sollte so variieren, dass die Musik an einen munteren kleinen Gebirgsbach erinnert.

Oder man verzichtet mal ganz bewusst auf Lärm: «Als Lösung gegen störende Geräusche kann man sich auch ein Glashaus mitten in den Garten stellen», sagt Maubach. Die Pause in wohltuender Stille kann einzig vom Prasseln des Regens auf dem Glas unterbrochen werden - aber auch das kann eine beruhigende Wirkung haben.

Literatur:

- Peter Berg: Moderne Gartenarchitektur - Minimalistisch, formal, puristisch, Becker Joest Volk Verlag, 176 S., 49,90 Euro, ISBN-13: 978-3938100288

- Anja Maubach und Ferdinand von Luckner: Garten ist Leidenschaft, Blv Buchverlag, 229 S., 14,95 Euro, ISBN-13: 978-3835410220

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Autor
Dorothée Waechter, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. November 2012, 10:27 Uhr
    Aktualisiert:
    15. November 2012, 10:29 Uhr