Farbgeber und Vogelfutter: Beerensträucher im Winter

Berlin (dpa/tmn) Das Büfett ist eröffnet: An vielen Stauden hängen jetzt schöne bunte Früchte. Die Vögel machen sich gerne darüber her - und der Hobbygärtner hat im winterlich tristen Garten viele bunte Tupfer.

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  • Auf die Beeren des Schwarzen Holunders fliegen rund 40 verschiedene Vogelarten. Foto: Andrea Warnecke

    Auf die Beeren des Schwarzen Holunders fliegen rund 40 verschiedene Vogelarten. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

  • Im Winter kommen viele Vögel wie diese Amsel in den Garten, wenn ihnen Beeren serviert werden. Foto: Ronald Wittek

    Im Winter kommen viele Vögel wie diese Amsel in den Garten, wenn ihnen Beeren serviert werden. Foto: Ronald Wittek Foto: dpa

  • Zufüttern erlaubt: Gerade Kohlmeisen kommen gern zu den Futterstellen. Foto: Andrea Warnecke

    Zufüttern erlaubt: Gerade Kohlmeisen kommen gern zu den Futterstellen. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

Im Winter haben Amsel, Drossel, Rotkehlchen und Star einen Beerenhunger. Sie nehmen alles, was noch an den Sträuchern und Bäumen hängt. Hobbygärtner können ihnen ein reichhaltiges Büfett auftischen - wenn sie die richtigen Pflanzen setzen.

«Man unterscheidet bei den im Winter bei uns vorkommenden Singvögeln nach den Nahrungsgewohnheiten zwischen Weichfutter- und Körnerfressern», erläutert Lars Lachmann, Referent für Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin. Die erste Gruppe ernährt sich zum einen von Früchten der heimischen Pflanzen und zum anderen von Insekten, Würmern und Spinnen. Zu ihnen zählen Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönig, Star und Heckenbraunelle.

Körnerfresser wie Grünfink, Distelfink, Meisen und Sperlinge bevorzugen Samen. «Das Rotkehlchen macht sich in diesen Wochen über die Früchte des Pfaffenhütchens her», sagt Reinhard Witt, Vorstand des Vereins Naturgarten in Heilbronn. Der Dompfaff mag die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) - aber nicht nur er: «Dieses Gehölz dient über 60 Vogelarten als Nahrungsquelle», so Witt.

Ähnlich beliebt ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra). Rund 40 verschiedene Vogelarten stillen daran ihren Hunger. Schlehe (Prunus spinosa), Wildrosen (Rosa) und der Weißdorn (Crataegus monogyna) ergänzen das Angebot. Wildfrüchte sind auch farblich eine Attraktion im Garten. Idealerweise werden sie mit einer Hecke ergänzt. Aber nicht jeder hat den Platz und kann ein vielfältiges Angebot für Vögel unterbringen. «Ein oder zwei Pflanzen, je nach Größe des Gartens, sind ein guter Anfang und besser als nichts», sagt Lachmann.

Aber man müsse die richtigen Pflanzen auswählen, sagt Witt. Er erläutert das Beispiel am Hartriegel: «Kauft man im Gartencenter einen Hartriegel, bekommt man in der Regel den Gelbholzigen Hartriegel, der botanisch Cornus stolonifera heißt.» Von den Beeren dieses Strauchs ernähren sich aber maximal 2 verschiedene Singvögel. «Will man über 20 verschiedene Vogelarten anlocken, braucht man den heimischen Roten Hartriegel, Cornus sanguinea.»

Doch die Früchte reichen nicht für den ganzen harten Winter. «Haben sich die Beerenvorräte erschöpft, machen sich Rotkehlchen, Kleiber und Zaunkönig auch auf die Suche nach ein paar Raupen oder Puppen», sagt der Ornithologe Lachmann. Wenn Gartenbesitzer im Herbst ihr Grundstück nicht ganz so sauber rausputzen, können Insekten die Haufen aus Ästen und Laub als Schutzräume zum Überwintern nutzen. «Für Körnerfresser wie Meisen und Finken ist es ganz wichtig, dass man die Pflanzen im Herbst nicht zurückschneidet», rät Witt.

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum), eine heimische Distelart, ernährt den Distelfink. Auch Königskerzen werden bis in den Winter von Vögeln auf Nahrungssuche angeflogen. Kohlmeisen mögen Rohrkolben (Typha). Diese können den Kolben aufblättern und die Leckereien herausholen, berichtet Witt. «Gerade an den Blütenständen nisten sich auch Insekten ein, die bei den Weichfutterfressern beliebt sind.»

Erst im Frühjahr, wenn die Pflanzen neu austreiben, beginnt man mit dem Rückschnitt von krautigen Pflanzen. Macht man dies vor dem Winterende, nimmt man mit den Pflanzen den Vögeln auch einen Schutzraum für den Winter weg. «Der Zaunkönig hält sich das ganze Jahr über in der Krautschicht auf», berichtet Witt. Ist diese Schicht aus Pflanzen mit einer Höhe von bis zu 1,5 Meter weg, hat der Zwerg unter den Singvögeln keinen Lebensraum mehr und wandert ab.

Auch im immergrünen Dickicht von Efeu (Hedera helix) finden viele Singvögel Platz, wenn es kalt wird. Gleichzeitig können früh brütende Arten im Schutz des dunkelgrünen Blattwerks ihre Nester bauen - selbst wenn der neue Laubaustrieb noch auf sich warten lässt.

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Autor
Dorothée Waechter, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    29. November 2012, 09:26 Uhr
    Aktualisiert:
    29. November 2012, 09:27 Uhr