Winterharte Kakteen brauchen kaum Pflege

Oettingen (dpa/tmn) Links liegen lassen und nicht darum kümmern: Winterharte Kakteen brauchen im Winter weder Gießwasser noch Pflege. Aber beachten sollte man sie dennoch: Denn es kann sein, dass die stacheligen Wüstenbewohner plötzlich im Schnee Blüten zeigen.

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  • Die Gattung der Opuntien lässt sich über Ableger vermehren. Foto: www.kakteengarten.de

    Die Gattung der Opuntien lässt sich über Ableger vermehren. Foto: www.kakteengarten.de Foto: dpa

  • Winterhart ist auch der Kaktus Cylindropuntia imbricata - er kann rund zwei Meter hoch werden. Foto: www.kakteengarten.de

    Winterhart ist auch der Kaktus Cylindropuntia imbricata - er kann rund zwei Meter hoch werden. Foto: www.kakteengarten.de Foto: dpa

  • Kakteen im Schnee - so ungewöhnlich ist das nicht. Es gibt Sorten, die den Winter überstehen. Foto: www.kakteengarten.de

    Kakteen im Schnee - so ungewöhnlich ist das nicht. Es gibt Sorten, die den Winter überstehen. Foto: www.kakteengarten.de Foto: dpa

  • Im Topf finden Kakteen optimale Bodenverhältnisse - doch sie brauchen viel Platz. Das Gefäß sollte mindestens vier Liter Substrat fassen. Foto: www.kakteengarten.de

    Im Topf finden Kakteen optimale Bodenverhältnisse - doch sie brauchen viel Platz. Das Gefäß sollte mindestens vier Liter Substrat fassen. Foto: www.kakteengarten.de Foto: dpa

  • Wahre Blühwunder unter den winterfesten Kakteen sind viele Echinocereen. Sie bilden schöne Polster. Foto: www.kakteengarten.de

    Wahre Blühwunder unter den winterfesten Kakteen sind viele Echinocereen. Sie bilden schöne Polster. Foto: www.kakteengarten.de Foto: dpa

Eine verschneite Wüstenlandschaft - das ist nicht das Bild, das man in Deutschland erwartet. Doch es mutet so an, wenn unter einer weißen Decke die bizarren Formen und Stacheln von Kakteen hervorspitzeln. Winter- und frostharte Exemplare machen sich dort breit, wo wenige andere Pflanzen zufrieden sind.

Dass sie im Winter draußen überleben, verdanken die Stachelwesen einem faszinierenden Mechanismus: «Er funktioniert im Prinzip wie der Frostschutz im Auto», erläutert der Fachbuchautor Hans Graf aus Oettingen (Bayern). Im Herbst konzentrieren die Kakteen ihren Zellsaft. Sie verdunsten so viel Wasser, dass nur noch stark zuckerhaltige Flüssigkeit übrig bleibt. Diese kann nicht gefrieren, und die Zellen werden folglich nicht zerstört. Diese Strategie haben die Exoten in ihrer Heimat, den Halbwüsten und den Extremgebieten Amerikas, entwickelt, wo es nachts sehr kalt werden kann. Überall, wo sie Lebensbedingungen finden, die denen in ihrer Heimat ähnlich sind, haben sie gute Chancen, prächtig im Freien zu gedeihen.

Je sonniger der Standort ist, umso besser - schließlich lieben die Exoten die Wärme. Bei ihrem Boden sind die Gewächse hingegen wenig anspruchsvoll. Nur eines mögen sie absolut nicht: stehende Feuchtigkeit. Der Gärtner sorgt daher am besten für eine gute Drainage. Durch ein Gemisch aus gleichen Teilen an Erde, Sand und grobem mineralischem Material kann das Wasser gut abfließen.

Dieses Substrat kann gut so aufgeschüttet werden, dass ein leichtes Gefälle entsteht. «Für ausgepflanzte, winterharte Kakteen eignen sich Hügelbeete oder nach Süden ausgerichtete Hanglagen besonders gut», erklärt Klaus Krätschmer, Spezialgärtner für winterharte Kakteen aus Odernheim (Rheinland-Pfalz).

Eine leichte Hanglage erwärmt sich außerdem bei Sonnenschein rascher als flacher Boden. Wer ohnehin das Erdreich am Pflanzort neu gestaltet, könne bei dieser Gelegenheit eine Unkrautfolie einarbeiten, sagt Graf. «Unkrautzupfen zwischen Dornen macht keinen Spaß.» In Gefäßen lässt sich das Substrat optimal an die Bedürfnisse der Kakteen anpassen. Gärtnermeister Krätschmer empfiehlt ein Mindestvolumen von vier Litern Inhalt.

Anfängern empfiehlt Norbert Sarnes, Geschäftsführer der Deutschen Kakteen-Gesellschaft in Adelsdorf (Bayern), die Gattungen der robusten Opuntien. «Viele lassen sich sogar über Ableger vermehren.» Wer genügend Platz zur Verfügung hat, dem empfiehlt Sarnes die buschförmige Cylindropuntia imbricata. Sie wächst jedes Jahr rund 20 Zentimeter in die Höhe und erreicht bis zu zwei Meter. Nach etwa fünf Jahren zeigen sich dunkelrosa- bis pinkfarbige Blüten - durchaus 300 Stück in der Saison. Ebenfalls wahre Blühwunder sind viele Echinocereen. «Sie bilden gerne schöne Polster.»

Pflege brauchen die Gewächse nur im Sommer. «Wenn es länger nicht geregnet hat, sollte man mal kräftig gießen. Aber man muss auf keinen Fall ständig mit dem Gartenschlauch danebenstehen», sagt Graf. Im Mai und Juni bekommen sie ein bis zwei Gaben Volldünger, von September bis Ende Februar wird weder gegossen noch gedüngt.

Winterharte Kakteen wollen in dieser Zeit einfach nur ihre Ruhe - schließlich müssen sie richtiges «Sauwetter» aushalten, wie Klaus Krätschmer sagt. Die Temperaturen sinken schon mal auf minus 15 Grad und anderntags steigen sie ins Plus. Hinzu kommen Regen und Nebel, was die Erde aufweicht, sowie Lichtmangel.

«Winterharte Pflanzen müssen ein ausreichend stabiles und reißfestes Wurzelsystem aufweisen, damit bei gefrierender nasser Erde die Wurzeln nicht zerreißen», erklärt Krätschmer. «Dadurch können Pilze in die Pflanzen eindringen und sie abtöten, oder die Pflanzen werden aus dem Boden herausgedrückt.» Nicht alle Kakteen, die niedrige Temperaturen aushalten, erfüllen diese Voraussetzung. Zusammen mit den besonders pilzanfälligen Exemplaren bilden sie die Gruppe der bedingt winterharten oder nur frostharten Kakteen.

Diese benötigen im Winter einen Schutz gegen Regen, etwa ein Gerüst mit einer Abdeckung aus lichtdurchlässigen Doppelstegplatten, ein Vordach oder Dachüberstand. Oder sie kommen in einen unbeheizten Wintergarten. Selbst ganz robuste Sorten wie die Kugelkakteen aus der Gattung Echinocerea fühlen sich unter einem Regenschutz wohl. «Mit einem Regenschutz werden sie dreimal so schön», sagt Graf.

Wird Schnee unter den Regenschutz geweht, muss dieser allerdings nicht geräumt werden. Im Gegenteil: Er schützt die Pflanzen zusätzlich. Gibt es diese Decke bei Minusgraden nicht, kann Frost in Bodennähe die oberen Erdschichten durchfrieren und die Pflanzen schädigen. Außerdem sind die Kakteen unter einer pudrigen Schneeschicht ein ungewöhnlicher Blickfang - und manchmal sogar für eine Überraschung gut, sagt Kakteenexperte Sarnes. «Unter einer weißen Haube können sich sogar Blüten bilden.»

Literatur:

Martin Haberer und Hans Graf: 500 winterharte Sukkulenten und Kakteen von A-Z, Verlag Eugen Ulmer, 190 S., 29,90 Euro, ISBN-13: 978-3800154876

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Autor
Eva Neumann, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    3. Januar 2013, 10:25 Uhr
    Aktualisiert:
    3. Januar 2013, 10:26 Uhr