Blauer Dunst in gelben Räumen - Die Raucherwohnung reinigen

Berlin (dpa/tmn) Raucher mögen den Winter nicht. Auf dem Balkon zittern sie sich durch die Zigarettenlänge. Wer aber drinnen raucht, hat den Dunst ständig um sich herum. Und er bleibt als gelber Belag an Wänden und Böden zurück. Die Reinigung ist äußerst kompliziert.

  • Wer drinnen raucht, verpestet die Luft im Zimmer - langfristig. Denn der Dunst dringt in Tapeten, Teppiche und Beläge ein. Foto: Franziska Koark

    Wer drinnen raucht, verpestet die Luft im Zimmer - langfristig. Denn der Dunst dringt in Tapeten, Teppiche und Beläge ein. Foto: Franziska Koark Foto: dpa

Blauer Dunst liegt im Raum. Er setzt sich in den Klamotten, Haaren, Vorhängen und Kissen ab. Das ist nicht alles: Zigarettenqualm dringt auch in die Tapete, Wandfarbe und ins Gemäuer und bleibt als gelber Belag zurück. Der Geruch und die Ablagerungen gehen nur schwer wieder weg - manchmal braucht es dafür Profi-Maschinen oder eine Generalsanierung.

Mit etwas Glück sind die Oberflächen im Raum glatt. «Kunststoff, Fliesen oder Glas kann man mit normalen Haushaltsreinigern einfach säubern», erläutert Peter Waßmann vom Bundesverband der Immobilienverwalter in Berlin. Doch bei Laminat oder Linoleum gelinge das nicht: Sie lassen sich zwar nebelfeucht wischen, doch der Rauch samt seinem Geruch dringt in die Fugen ein und setzt sich häufig auch unter dem Wand- oder Bodenbelag fest. Da helfe häufig nur Rausreißen.

«In offenporige Materialien wie Wandfarbe, Putz, Mauerwerk, Holz oder Teppiche ziehen diese Beläge samt der enthaltenen Schadstoffe ein», sagt Jörg Thumulla vom Berufsverband Deutscher Baubiologen in Jesteburg in Niedersachsen. Mancher Teppich könne mit einem sogenannten Sprühextraktionsgerät gründlich gereinigt werden. Es sprüht eine Reinigungslösung tief in die Fasern und nimmt das Schmutzwasser wieder auf.

Verputzte oder tapezierte Wände lassen sich aber nicht reinigen - und auch mit Überstreichen ist es nicht getan. «Die Ablagerungen auf und in der Wand sind wasserlöslich. Sie werden - samt dem unangenehmen Geruch - durch wasserbasierte Farben aktiviert und wieder an die Oberfläche gebracht», erläutert Andreas Wachlinger, Malermeister und Sachverständiger der Handwerkskammer München. Das habe zur Folge, dass eine frisch gestrichene Wand rasch von allein wieder gelb wird.

Auch lösemittelhaltige Wandfarben sind keine wirkliche Lösung. «Sie verzögern das Durchschlagen der Rauchspuren nur», sagt Wachlinger. Ebenso wenig bringt es, neu zu tapezieren. Denn der Tapetenkleister hat dieselbe Wirkung wie Wandfarbe. Das Überstreichen oder Überkleben hat sogar noch einen gefährlichen Nebeneffekt, den Laien nicht erkennen können: «Mit dem Rauch wurde krebserregendes Blei in die Wände getragen», erläutert der Sachverständige. «Auch dieses kommt durch Kontakt mit Wasser wieder an die Oberfläche und damit zurück in den Raum.»

Erfolgreicher sind sogenannte überstreichbare Sperrgrundierung sowie spezielle Anti-Nikotin-Farben, im Handel auch als «Nikotinsperre» zu finden. Diese dickflüssige Kunstharzfarbe schließt die Rückstände des Zigarettenqualms ein. Sie muss sehr gleichmäßig aufgetragen werden. Darüber kommt ein zweiter Anstrich. Eine alte Tapete, die besonders viele Rückstände speichert, muss zuvor entfernt werden. «Der große Nachteil dieser Methode ist: Ich zerstöre damit die bauphysikalischen Eigenschaften der Wand, nämlich ihre Fähigkeit, den Feuchtehaushalt im Raum zu regulieren und damit auch der Schimmelpilzbildung vorzubeugen», erläutert Baubiologe Thumulla.

Nach einem Brand setzen Reinigungsfirmen in Wohnungen Ozongeräte ein. Diese spalten den Sauerstoff in der Luft in Ozon auf, welches Geruchspartikel binden kann. Die Prozedur kann Unternehmensangaben zufolge bis zu 48 Stunden dauern. Das ist auch in einer Raucherwohnung möglich - und sei einen Versuch wert, findet Thumulla.

Die einzig andere Methode, kalten Rauch und Beläge loszuwerden, ist die umfangreiche Sanierung einer stark verrauchten Wohnung: Der Wandputz muss abgeschlagen und Holz abgeschliffen werden. Verkleidungen und Türen werden ausgetauscht. Das ist aufwendig, macht Arbeit und Dreck und kostet einiges.

Wer eine neue Wohnung mietet oder ein Haus kauft, sollte genau hinschauen - und schnüffeln. Denn den kalten Rauch riecht man nur schwer bei einer kurzen Besichtigung. «Je wärmer und je feuchter es im Raum ist, umso mehr nimmt man den Geruch wahr. Sehr häufig wird im Sommer bei offenen Fenstern eine Wohnung besichtigt und gemietet», erläutert Thumulla. «Und im Winter erkennt der neue Bewohner, dass in den Räumen geraucht wurde.»

Raucher, die nicht auf den Balkon gehen wollen, um ihrem Laster zu frönen, können etwas gegen sehr starke Geruchsbelastung tun. Es helfe schon, nur in einem Raum der Wohnung zu rauchen, sagt der Immobilienexperte Waßmann. Bleibt dessen Tür weitgehend geschlossen, verteilt sich der Rauch im Rest der Wohnung nur begrenzt.

Ist der Raucherraum gefliest und wird er regelmäßig gereinigt - umso besser. «Und wer Gardinen aufhängt, sorgt dafür, dass in diesen ein Teil der Rückstände hängen bleibt und ausgewaschen werden kann», rät der Baubiologe Thumulla. Am meisten jedoch - da sind sich die Experten einig - bewirkt Lüften beim oder nach dem Rauchen etwas. Dann haben Rückstände erst gar keine Chance, sich abzusetzen.

KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 40 : 10?   
Autor
Eva Neumann, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    17. Dezember 2012, 10:24 Uhr
    Aktualisiert:
    17. Dezember 2012, 10:27 Uhr
THEMEN