Experten: Wahrsager griffen auch 2012 wieder daneben

Roßdorf (dpa) Wahrsager sagten Naturkatastrophen voraus, Anschläge auf US-Präsidenten und immer wieder den Total-Zusammenbruch der Wirtschaft. Auch 2012 lagen sie daneben. Kurz vor Jahresende steht aber noch ein Esoteriker-Highlight aus: der Weltuntergang.

  • Ob nach dem 21. Dezember wohl noch ein Zettel für den 22. abgerissen wird? Der Kalender der Maya endet - der totale Weltuntergang ist allerdings unwahrscheinlich. Foto: Franziska Kraufmann

    Ob nach dem 21. Dezember wohl noch ein Zettel für den 22. abgerissen wird? Der Kalender der Maya endet - der totale Weltuntergang ist allerdings unwahrscheinlich. Foto: Franziska Kraufmann Foto: dpa

In wenigen Tagen ist es soweit: Drei Tage vor Heiligabend wird die Welt untergehen - heißt es bei Propheten und Apokalyptikern. Sie stützen ihre Warnungen auf den alten Kalender der Maya, den sie falsch deuten. Manche wollen die Weltuntergangs-Theorie nun auch mit Astronomie belegen: am 21.12.2012 sollen alle Planeten unseres Sonnensystems in Konjunktion stehen, also aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, meinen sie. Doch nicht nur vom Weltuntergang ist bei vielen Verschwörungstheoretikern die Rede, auch sollen in Südfrankreich angeblich Außerirdische landen und einige Menschen retten. Ein kleines Dorf nahe den Pyrenäen bereitet sich schon auf einen Menschenansturm vor.

Astronomen schütteln angesichts der Endzeit-Theorien nur den Kopf. «Der Sternenhimmel sieht an diesem Tag völlig normal aus», sagt Carolin Liefke vom Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg. «Es gibt keine besonderen Sternenkonstellationen. Auch in unserer Milchstraße bleibt alles wie immer», sagt die Wissenschaftlerin. Auch Physiker Florian Freistetter bleibt entspannt. «Wenn es tatsächlich an einem Tag eine derartige Planetenkonstellation geben würde, dann wüssten das die Wissenschaftler bereits seit Jahrhunderten im Voraus», betont der Astronom und Autor. «Nehmen Sie den Venus-Transit im Juni, der war in allen Medien. Und da waren es lediglich drei Himmelskörper, die sich in eine Reihe bewegt haben.» Selbst wenn der äußerst unwahrscheinliche Fall einer derartigen Konjunktion aller Planeten der Milchstraße eintreten würde, hätte dies auf der Erde keine Auswirkungen, sagt Freistetter.

Für die Astronomen ist der 21. Dezember schlicht der Tag der Wintersonnenwende - der Tag mit der längsten Nacht des Jahres. Für Anhänger von Apokalypse-Theorien sieht das ganz anders aus - zumal der 21. Dezember gewissermaßen der letzte Tag des Jahres ist, an dem überhaupt noch eine der vielen Prophezeiungen für 2012 in Erfüllung gehen könnte. Andere Untergangsszenarien sind nicht eingetroffen: Naturkatastrophen, Bombenattentate, Terroranschläge und Flugzeugunfälle - das und noch mehr wurde von Wahrsagern angekündigt. «Traditionell werden für die Zukunft immer Katastrophen aller Art vorausgesagt», sagt Mathematiker Michael Kunkel. Er nahm für die die kritische Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften ( GWUP ) mit anderen Experten 140 Prognosetexte und Websites von über 70 namentlich bekannten Auguren unter die Lupe.

Demnach ist der angekündigte Weltuntergang bisher ausgefallen und abgehakt. «Vorausgesagt wird, was man sich auch vorstellen kann», sagt der 52-Jährige. Und schon kennt. «Prognosen sind eine Reaktion auf die Realität. Anschläge auf US-Präsidenten sind immer beliebt.» Produziert würden Prophezeiungen mitunter wie am Fließband. Die absurdesten Prognosen 2012 werden der Kanadierin Nikki Pezaro bescheinigt: angreifende Vögel, auftauchende Tiefseemonster, der Fund des heiligen Grals - wie von einem Hollywood-Drehbuch abgekupfert. Naturkatastrophen habe der Astrologe Kurt Allgeier für die Zeit zwischen Ende Juni und Mitte Juli erwartet, Ereignisse, «die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben» - so gibt die GWUP die Ankündigung wieder. Ergänzt wurden die Prophezeiungen laut Kunkel in den letzten Jahren um dramatische Schilderungen der Folgen wirtschaftlicher Krisen. Als Reaktion auf die Euro-Krise schiebe sich die Ankündigung des Zusammenbruchs des Wirtschafts- und Finanzsystems in den Vordergrund. Die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller habe für 2012 das Ende von EU und Euro vorausgesagt, andere das Zerbrechen der Euro-Zone und den «kompletten Zusammenbruch».

Auch in Russland glauben manche Menschen an den Weltuntergang und wollen sich in Bunkern verkriechen und Vorräte horten. Hier meldete sich kurz vor Schluss noch ein weiterer Experte für Mythen rund um den Jahreswechsel zu Wort: Väterchen Frost, der russische Weihnachtsmann, sagte der Agentur Interfax, er sei sicher, dass das neue Jahr kommen werde. Ded Moros («Großvater Frost»), dessen wahre Identität wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird, kann von Weltuntergangs-Theorien sowieso nicht viel halten: Anders als Wahrsager und selbsternannte Propheten profitiert er nicht vom Schauer des Endzeit-Szenarios. Sein großer Auftritt steht erst in der Neujahrsnacht an, wenn er den Kindern Geschenke bringt.

Bleibt also der Blick auf 2013. Manche Auguren sind trotz Weltuntergang am 21. Dezember gerüstet. Was sagen sie voraus? «Die üblichen Naturkatastrophen», sagt Mathematiker Michael Kunkel. Der Rest komme schon noch, ganz sicher.

Autor
Joachim Baier, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    18. Dezember 2012, 10:28 Uhr
    Aktualisiert:
    21. November 2013, 15:42 Uhr
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