Meckern und Männchen machen: Ziegen sind lustige Haustiere

Münster (dpa/tmn) Hellbraune Kulleraugen, und unterm Kinn lassen sie sich kraulen: Ziegen gelten inzwischen als ideale Haustiere. Sie brauchen aber genügend Auslauf. Und Halter tolerante Nachbarn.

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  • Auf die Hinterbeine und hopp: Für eine Handvoll Gerste als Leckerli ist Ziege Flöckchen zu Kunststücken bereit. Foto: Andrea Warnecke

    Auf die Hinterbeine und hopp: Für eine Handvoll Gerste als Leckerli ist Ziege Flöckchen zu Kunststücken bereit. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

  • Ziegen holen sich gerne eine Portion Streicheleinheiten ab. Deshalb kommen sie gerade bei Kindern gut an. Foto: Andrea Warnecke

    Ziegen holen sich gerne eine Portion Streicheleinheiten ab. Deshalb kommen sie gerade bei Kindern gut an. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

  • Heu als Grundfutter: Davon sollten Ziegen immer genügend zum Fressen haben. Foto: Andrea Warnecke

    Heu als Grundfutter: Davon sollten Ziegen immer genügend zum Fressen haben. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

«Komm, Flöckchen, mach hopp.» Und tatsächlich. Die weiße Hausziege nimmt Anlauf, stellt sich auf die Hinterbeine und zieht die Vorderhufe gleichzeitig an die Brust. In Sachen Männchen machen ist die Ziege auf dem Moritzhof in Berlin-Prenzlauer Berg ein routinierter Profi. Tatsächlich sind Ziegen sehr intelligente Tiere, lernfähig und anhänglich. Schnell werden sie zahm und suchen sich menschliche Bezugspersonen. Kein Wunder, dass Ziegen heute nicht nur auf Bauernhöfen als Nutztiere, sondern auch am Stadtrand von immer mehr Menschen als Hobby gehalten werden.

Ziegen halten, auch wenn man nicht auf dem Land wohnt. Was wie eine Schnapsidee klingt, hält Johann-Georg Wenzler für durchaus plausibel: «Viele Menschen arbeiten heute acht Stunden im Sitzen. Die Beschäftigung mit den Ziegen bildet hier einen Gegenpol», erklärt der Zuchtleiter des Schafzuchtverbands Baden-Württemberg, der mit Kollegen ein Buch über Ziegenhaltung geschrieben hat. Die Tiere würden einen natürlichen Rhythmus vorgeben, bei dem der Mensch zur Ruhe komme.

Zweimal am Tag verlangt dieser Rhythmus, die Tiere zu füttern. Faserreiche Nahrung wie Heu ist für die Wiederkäuer dabei besonders wichtig, pro Ziege etwa drei Kilogramm täglich. Werden die Tiere draußen gehalten, fressen sie zusätzlich Gras, im Winter wird es ersetzt durch Silage oder Rüben.

Die Tiere fressen aber auch Getreide wie Hafer, Gerste oder Mais. Dies sollte aber nicht mehr als ein knappes Kilo pro Tag ausmachen: «Bei zu viel Kraftfutter kriegen die Tiere Durchfall», sagt Hedwig Eusterwiemann, die selbst fast 100 Ziegen hält.

Angefangen hat Eusterwiemann einmal mit zwei Ziegen. Grundsätzlich sind die Paarhufer nicht gerne alleine. Haben sie genügend Auslauf, können sie auch am Stadtrand leben. Ein Offenstall ist zwar die beste Lösung, die Ziegen lassen sich aber auch in Einzelboxen halten. Ausgewachsene Tiere brauchen zwischen 3 und 3,5 Quadratmeter Boxenfläche.

Ideal ist für die Tiere eine kleine Rasenfläche zum Grasen. Wichtig ist dabei eine Einzäunung in etwa 1,20 Meter Höhe, da die Ziegen sonst gerne mal ihre Nachbarschaft erkunden. Kompromisslos gehen sie mit Bäumen oder Sträuchern um: «Das wird alles niedergemacht, die Rinde abgeknabbert», sagt Prof. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK) und mit einem Bock und vier Mutterziegen selbst erfahrener Halter.

Können Hobbyziegenhalter den Tieren genug Platz bieten, sind noch nicht alle Probleme aus dem Weg geräumt: «Die Nachbarn finden das vielleicht nicht so toll. Die Tiere äußern sich ja ganz gerne mal, zum Beispiel wenn sie jemanden sehen oder gefüttert werden wollen», sagt Eusterwiemann. Eine starke Geruchsbelästigung gebe es in der Regel nur, wenn man sich einen Bock hält. In jedem Fall sollte es mit den Nachbarn abgesprochen werden, bevor es vor ihrem Küchenfenster meckert.

Wer Ziegen halten will, sollte nicht völlig unbedarft an die Sache herangehen: «Gut ist es zum Beispiel, erst einmal mit anderen Haltern zu sprechen», rät Mantel. Informationen gibt es auch bei Ziegenzuchtverbänden, die regional organisiert sind. Was die Kosten anbelangt, müssen Halter je nach Rasse zwischen 80 und 300 Euro für ein Tier einkalkulieren.

Und wem die reine Haltung irgendwann zu langweilig wird, kann die nächste Stufe in Angriff nehmen: die Ziegen selbst melken, um die Milch entweder zu trinken, zu Butter oder Käse zu verarbeiten oder zu verkaufen. Anfänger nehmen sich vielleicht aber lieber Ziege Flöckchen zum Vorbild. Ein paar Kunststücke beibringen reicht fürs Erste.

Literatur:

- Hans Späth/Otto Thume/Johann-Georg Wenzler: Ziegen halten, Ulmer, 200 S., 32,90 Euro, ISBN-13: 978-3800177271

- Annette Arnold/René Reibetanz: Alles für die Ziege. Handbuch für die artgerechte Haltung, Pala, 160 S., 16,00 Euro, ISBN-13: 978-3895662355

- Ann-Marie Hagenkötter: Ziegen: Treue Freunde mit Köpfchen, Cadmos, 79 S., 10,95 Euro, ISBN-13: 978-3861276784

Autor
Julia Kirchner, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. November 2012, 10:27 Uhr
    Aktualisiert:
    15. November 2012, 10:29 Uhr
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