Ob Sprengstoff oder Bargeld: Zollhunde erschnüffeln alles

Münster (dpa/tmn) Sie stecken ihre Schnauze überall rein: Zollhunde finden selbst kleine Mengen an Drogen oder Bargeld. Bis sie zum Beispiel an Flughäfen losschnüffeln dürfen, müssen sie aber mindestens ein Jahr trainieren. Dieses Pensum schafft nicht jede Rasse.

  • Ist in der Tasche etwas Verdächtiges drin? Mindestens ein Jahr müssen Zollhunde ausgebildet werden, bevor sie eingesetzt werden können. Foto: Hendrik Schmidt

    Ist in der Tasche etwas Verdächtiges drin? Mindestens ein Jahr müssen Zollhunde ausgebildet werden, bevor sie eingesetzt werden können. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa

Ihren Nasen entgeht nichts: Zollhunde können schon kleinste Mengen Rauschgift oder Sprengstoff aufspüren. Dass die Tiere im Dienst so zielstrebig und sicher Täter stellen können, ist aber nicht nur ihrem hervorragenden Geruchssinn zu verdanken. Ein ausgeprägter Spiel- und Beutetrieb ist für diese Aufgabe mindestens ebenso wichtig.

Die Hunde stammen von unterschiedlichen Anbietern. «Hin und wieder kommen die Tiere von Privatleuten, manchmal werden welche aus dem Tierheim geholt», sagt der Zollhundelehrwart Manfred Dertmann in Münster. Meist kauft der Bund die Hunde jedoch im Alter von etwa einem Jahr bei erfahrenen Diensthundehändlern und gelegentlich bei Züchtern. «Die wissen schon, was für Hunde wir brauchen, und es besteht in der Regel auch kein Problem damit, dass wir sie erst einmal nur für eine vier- bis sechswöchige Probezeit nehmen.»

In dieser Zeit werden die Tiere intensiv auf ihre Tauglichkeit getestet. Mit Beute- und Suchspielen prüfe man beispielsweise, ob die Tiere die richtige Veranlagung mitbringen. Beute- und Suchspieltrieb müssen stark ausgeprägt sein. «Der Hund sollte einen hohen Besitzanspruch zeigen und die Beute unbedingt fordern und haben wollen», sagt Dertmann.

Für die Ausbildung der Hunde gibt es zwei Möglichkeiten. «Entweder werden sie nur als Spürhunde oder für einen dualen Einsatz als Schutz- und Spürhunde ausgebildet», erklärt Bernd Wallner, Sprecher des Bildungs- und Wissenschaftszentrums der Bundesfinanzverwaltung in Münster. Zu dem Zentrum gehören auch die deutschen Zollhundeschulen. «Die Schutzhunde begleiten den Zöllner beispielsweise zum Schutz bei mobilen Kontrollen auf der Autobahn. Die reinen Spürhunde hingegen kommen unter anderem auf Flughäfen zum Einsatz.» Je nach Konditionierung sollen die Hunde Bargeld, Rauschgift, Sprengstoff oder artengeschützte Tiere aufspüren.

Hunde sind aus unterschiedlichen Gründen so gut für den Zolldienst geeignet. «Anders als die meisten anderen Tiere, die nicht so kooperationsbereit sind, handelt es sich bei Hunden um soziale Wesen, die gern mit dem Menschen zusammenarbeiten und ihn als Sozialpartner anerkennen», erklärt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund.

Hat der Hund die Probezeit bestanden, dauert es ein bis anderthalb Jahre, bis er ausgebildet ist. «Die Spürhunde werden unter anderem mit Spielzeugen wie kleinen Rollen oder Päckchen konditioniert, in denen Proben der zu suchenden Stoffe sind», sagt Wallner. «Schlägt der Hund später beim Einsatz an, denkt er, er hätte sein Spielzeug gefunden.» Das Training ist mit Abschluss der Ausbildung allerdings nicht vorbei - regelmäßig wird weitertrainiert, und es gibt jedes Jahr weitere Lehrgänge.

Als Schutzhunde werden größere Rassen ausgewählt. «Dabei handelt es sich um Hunde wie den Deutschen Schäferhund, Riesenschnauzer, Rottweiler oder belgischen Schäferhund, den sogenannten Malinois», sagt Dertmann. Kleinere Hunde könnten vor allem Spürhunde werden. «Jack Russell- oder Foxterrier haben beispielsweise Vorteile bei Einsätzen auf Schiffen oder in engen Zügen.» Man könne sie schnell mal in ein Gepäcknetz heben oder bei engen Schiffluken einsetzen.

Haben Hunde etwas erspürt, machen sie sich auf verschiedene Weise bemerkbar. «Das aktive Anzeigen erfolgt durch Kratzen, wodurch aber schon mal kleinere Schäden entstehen können», sagt Dertmann. Beim sogenannten Einfrieren verhält sich der Hund hingegen unauffällig und setzt sich zum Beispiel vor den gefundenen Gegenstand hin. Mit dem Fund selbst kommt er dann nicht in Berührung.

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Autor
Sascha Rettig, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. November 2012, 10:24 Uhr
    Aktualisiert:
    22. November 2012, 10:25 Uhr
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