Johnny Logan: «Ich habe die Musikindustrie überlebt»

München (dpa/lby) Ruhig ist Johnny Logans Leben noch nicht. Er sei die vergangenen Wochen nur umhergereist, komme gerade aus Dänemark, weil er dort bald beim nationalen Song-Wettbewerb auftritt. Als Kandidat? «Nein», sagt «Mr. Eurovision» und schmunzelt, «ich nehme nicht mehr an Wettbewerben teil».

  • Der irische Sänger und Komponist Johnny Logan muss sich nichts mehr beweisen. Foto: dpa

    Der irische Sänger und Komponist Johnny Logan muss sich nichts mehr beweisen. Foto: dpa Foto: dpa

Muss er auch nicht: Als einziger Musiker in der Geschichte des Eurovision Song Contest hat Logan, der die bayerische Landeshauptstadt als seine «zweite Heimat» bezeichnet, dreimal für seine irische Heimat den Titel geholt, zweimal davon stand er selbst auf der Bühne. Als junger Mann überzeugte er das Publikum 1980 mit dem Titel «What's another year», 1987 mit seiner selbstkomponierten Ballade «Hold me now» und 1992 schrieb er das Lied «Why Me» für die Kandidatin Linda Martin - wieder erster Platz. Mit seinen Hits hat er 16 Millionen Platten verkauft, Logan ist längst eine Ikone der europäischen Schlagerlandschaft.

Auch Jahrzehnte später bangt der Sänger und Komponist nicht um seinen Titel als «Mr. Eurovision». «Das wird nie wieder passieren», sagt der 58-Jährige, «denn meine Lieder haben den Menschen etwas bedeutet». Der Wettbewerb habe sich über die Jahre verändert, sei heute schnelllebiger und «formalisierter». Die Lieder seien nach massentauglichem Erfolgsrezept geschrieben, die Kandidaten meist austauschbare Popstars, meint Logan. Es stünden keine etablierten Künstler wie Cliff Richard oder Umberto Tozzi mehr im Rampenlicht.

Nur ungern lässt er sich aber auf seine damaligen Erfolge reduzieren, schon gar nicht mag er, wenn er auf eine Stufe mit einem «One-Hit-Wonder» gestellt wird: «Ich musste dreimal gewinnen, bis ich dieses Etikett loswurde», erzählt Logan. Der groß gewachsene Ire sieht seine Grand-Prix-Erfolge nicht als Höhepunkte, sondern als Beginn seiner Karriere. «Ich habe die Musikindustrie überlebt, bin immer noch hier», sagt Logan, «das macht mich stolzer als der Titel Mr. Eurovision». Seit Jahren tritt er in Fernsehserien und Casting-Shows auf, sitzt in Talent-Jurys, hat Rollen in Musicals. An Sylvester war er Gast im Musikantenstadl.

Seine Schlagerhits von damals spielt der irische Musiker auf Konzerten auch heute noch rauf und runter. «Es sind Erinnerungen, nicht nur für mich, auch fürs Publikum», erklärt Logan. Vor allem die Deutschen mögen seine Evergreens. Deshalb arbeitet er auch hier, ist oft bei seiner Managerin und Freundin in München - seiner «zweiten Heimat», wie er sagt. Er mag viele Dinge an Deutschland, er mag Lena, den Eurovisions-Star, und er mag die Weihnachtsmärkte - auch wenn er nur Kinderpunsch trinkt: «Ich habe vor sieben Jahren aufgehört zu trinken.»

Im Januar bringt er mit seiner Platte «The Irish Connection» irische Folksongs und Kneipen-Klassiker in der Bundesrepublik auf den Markt. In Skandinavien hat das Album bereits Platin und Gold geholt. Von einem «Comeback» will der 58-Jährige aber nichts wissen: «Ich war doch nie weg.»

Autor
Nico Pointner, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    2. Januar 2013, 09:10 Uhr
    Aktualisiert:
    25. November 2013, 14:13 Uhr
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