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Mainz/Eltville (dpa) Weihnachten ist kein islamischer Feiertag. Was machen dann die vier Millionen Muslime in Deutschland? Ihre Kinder freuen sich ebenfalls über Geschenke. Kulturell leben viele Muslime die Adventszeit mit.
Weihnachten auch bei Familie Coban: Mit Baum und Geschenken feiern die muslimischen Türken das christlich geprägte Fest mit. Foto: Arne Dedert (Foto: dpa)
Ilkim freut sich auf Weihnachten. «Mama kauft einen Tannenbaum, wir schmücken ihn, und dann liegen Geschenke drunter», sagt das achtjährige Mädchen im hessischen Eltville. Ilkim ist muslimische Türkin. Ihre Mutter Kader Coban erklärt: «Wir feiern Weihnachten nicht richtig. Aber ich will meine Kinder auch nicht ausgrenzen. Sie sind hier geboren. Sie sollen nicht traurig sein, dass sie nichts geschenkt bekommen.» Ihr elfjähriger Sohn Kaan erzählt: «Bei uns in der Klasse tauschen wir Geschenke aus.» Das geht nur auf, wenn jeder mitmacht.
Viele der vier Millionen Muslime in Deutschland stellen sich auf das große Fest der Christen ein. «Wir erleben die Weihnachtszeit nicht religiös, aber kulturell», sagt der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland (KRM), Erol Pürlü, in Köln. «Unsere Kinder freuen sich über Geschenke in Kitas und Schulen. Von den Feiertagen profitieren wir auch. Dann machen wir Besuche oder Urlaub und ruhen uns aus.» Im Islam ist Jesus ein Prophet und nicht Gottes Sohn.
Kader Coban sagt: «Heiligabend gefällt mir. Da sitzen hier alle Familien zusammen und reden. Das ist eine schöne Tradition. Richtig feiern wir aber nur die muslimischen Festtage. Die bringe ich auch meinen Kindern bei.»
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, hat Nachbarn in der Weihnachtszeit schon orientalisches Gebäck geschenkt. «Die winterliche und weihnachtliche Stimmung gefällt auch Muslimen. Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum ist eine Augenweide - wer könnte sich dem entziehen?»
Viele Muslime wünschten Christen ein frohes Fest und hätten oft ein kleines Geschenk für sie, sagt der Deutsch-Syrer Mazyek in Köln. «Wir gratulieren auch offiziell vom Zentralrat den großen christlichen Kirchen.» Umgekehrt erzählten Muslime ihren Nachbarn von Ramadan und Opferfest. «Dann beglückwünschen die uns.»
Der Mainzer Bauingenieur Neset Hizir, ein muslimischer Türke, freut sich zu Weihnachten «über diese Stimmung der Nächstenliebe und Toleranz». Bei ihm zu Hause steht dann oft ein Adventskranz. «An den Feiertagen besuche ich gerne Freunde», erzählt er.
Den Kommerz und Konsum rund um Weihnachten sehen auch viele Muslime kritisch. «Wir haben immer das Problem, dass die Feierlichkeiten kommerzialisiert werden. Da dürfen wir uns nicht unter Druck setzen», sagt KRM-Sprecher Pürlü. Der ZMD-Vorsitzende Mazyek beobachtet inzwischen auch weniger Bezüge zur Bibel bei den Weihnachtsfeiern seiner Kinder. «Die Gesellschaft ist weniger religiös geworden.»
Nahe beieinander sind Weihnachten, Opferfest und Ramadan in binationalen Familien. «Wenn ich jetzt hier meine christlichen Verwandten besuche, mache ich das nicht ohne Geschenke», sagt Mazyek. Er ist als Sohn eines syrischen Vaters und einer deutschen Mutter muslimisch aufgewachsen, hat aber auch christliche Verwandtschaft. «Da habe ich als Kind bei muslimischen Festen und an Weihnachten doppelt Geschenke bekommen.»
Egal ob Christ oder Atheist, Muslim oder Jude - der Weihnachtsbaum spricht alle an. Auch Muslime stellen beispielsweise oft einen Baum auf. «Der Weihnachtsbaum ist als Symbol unkompliziert, weil er kein genuin christliches Symbol ist. Er wurde weder von der Kirche initiiert noch spielt er im Gottesdienst eine entscheidende Rolle», erklärt die Volkskundlerin Oliwia Murawska von der Universität Münster. Der Baum sei auch in die Gotteshäuser erst sehr spät gekommen, und dann auch eher als Schmuck.
Auch hat der Baum in den vergangenen Jahrhunderten nicht stets dieselbe Funktion übernommen. Wofür er steht, wechselt laut Murawska «je nach Zeit und gesellschaftlichem Kontext.» So symbolisierte er im 19. Jahrhundert die bürgerliche Familienidylle. Heute seien es auch Medien und Werbung, die das Bild vom Weihnachtsbaum mitprägen. «Für dieses Bild sind in unserer heutigen globalisierten Welt viele empfänglich, unabhängig von der Religion.»
Trotzdem sei der Weihnachtsbaum nicht in erster Linie ein Symbol für Kommerz und Konsum: Er erfülle schließlich viele unterschiedliche Bedürfnisse, zum Beispiel nach Licht in der dunklen und kalten Jahreszeit. Oder nach Atmosphäre mit seinem speziellen Zauber. Und auch nach Natur, erklärt die Volkskundlerin: «Gerade im städtischen Milieu, aus dem der Weihnachtsbaum stammt, erfüllt er ein Bedürfnis nach ländlicher Idylle. Und er ist auch nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Familienfestes.»

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