Medienhaus Lensing
19.12.2012 17:24 Uhr
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Historische Geschenke: Für Puppenmamas und kleine Reitersoldaten

Nürnberg (dpa) Seit dem Biedermeier wird Heiligabend so wie heute gefeiert: im trauten Familienkreis unterm Baum mit vielen Geschenken für die Kinder. Die sollten früher nicht nur Spaß machen, sondern vor allem erziehen. Manche Klassiker gibt es heute noch.Von Elke Richter, dpa

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Zinnsoldaten unterm Weihnachtsbaum: ein typisches «Jungen-Geschenk» zum Fest im 19. Jahrhundert. Foto: Daniel Karmann (Foto: dpa)

Puppen, Tröten und ein Schaukelpferd: Dicht an dicht stehen in der knorrigen Christkindlesmarkt-Bude Spielsachen, die Kinder im 19. Jahrhundert an Heiligabend geschenkt bekommen haben. Das Nürnberger Spielzeugmuseum hat sie zusammen mit zahlreichen historischen Abbildungen der Weihnachtsbescherung aus seinem Depot hervorgeholt und für eine kleine Ausstellung (bis zum 4.Januar 2013) im Rathaus zusammengestellt. Das Verblüffende: Weihnachten, wie man es heute mit Geschenken unterm kerzengeschmückten Baum kennt, entstand Ende des 18. Jahrhunderts innerhalb weniger Jahrzehnte. Und seither hat sich eigentlich nicht sehr viel geändert - nur die pädagogische Ausrichtung der Geschenke für Kinder ist etwas in den Hintergrund getreten.

«Jungen und Mädchen haben natürlich unterschiedliche Spielsachen geschenkt bekommen, denn sie sollten ja auf ihre spätere Rolle im Leben vorbereitet werden», erzählt Ausstellungskuratorin Susanne von Goessel-Steinmann. Steckenpferde, Säbel und Zinnsoldaten für die Buben spiegelten die militärisch geprägte Gesellschaft wider. Dampfeisenbahnen vermittelten dem männlichen Nachwuchs die Faszination der Technik, die erste Taschenuhr erzog zur Disziplin.

Die Mädels hingegen erhielten zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe als Hausfrau und Mutter überwiegend Puppen sowie allerlei Zubehör. Einen kleinen Waschzuber aus Emaille etwa, tatsächlich heizende Spielzeugherde oder handbetriebene Mini-Nähmaschinen zum Flicken der Puppenkleider. Einige Spielsachen wie Hampelmänner, Kreisel und Teddys waren für beide Geschlechter gedacht und sollten in erster Linie Spaß machen.

Die Tradition des Schenkens am Jahresende geht bis auf die alten Römer zurück, die sich von gegenseitigen Gaben Glück für das neue Jahr erhofften. Diese Sitte fand später Eingang in das Fest zu Christi Geburt, das ursprünglich ebenfalls zum Jahreswechsel gefeiert wurde. Auch Martin Luther hatte bei der Entstehung des «Kindleinbescherens» an Heiligabend seine Hände im Spiel: Weil er die Heiligenverehrung der katholischen Kirche ablehnte, verlegte er kurzerhand die Tradition, Kindern am Tag des Heiligen Nikolaus Äpfel und Nüsse zu schenken, vom 6. auf den 24. Dezember und führte das Christkind ein.

Eng verbunden mit dem Aufstieg des Bürgertums und der Anerkennung der Kindheit als eigenem Lebensalter setzten sich im Biedermeier pädagogisch ausgerichtete Spielsachen als Geschenk durch. Denn die Kinder sollten so erzogen werden, dass ihnen ein sozialer Aufstieg möglich wurde, erläutert Prof. Christoph Wulf von der Freien Universität Berlin. Schließlich hatte das Bürgertum keine materiellen Güter, sondern nur seine Werte und eben Bildung zu vererben.

Laut Wulf entwickelte sich dadurch eine «Pädagogisierung des Schenkens». Er nennt ein Beispiel: «Bei den Weihnachtsgeschenken wurden die Kinder immer vom Weihnachtsmann gefragt, ob sie auch brav waren.» Und nur wer sich das ganze Jahr über halbwegs anständig benommen hatte, habe sich vor Knecht Ruprecht nicht fürchten müssen. Auch heute noch werde so manches Geschenk vorrangig aus pädagogischen Gründen ausgewählt, erläutert der Erziehungswissenschaftler.

Andere Traditionen aus dem Biedermeier haben sich ebenfalls erhalten. Noch immer wird der Baum mit Kugeln und Kerzen geschmückt, die Eltern drapieren die liebevoll eingepackten Geschenke unter den Ästen, und eine kleine Glocke ruft die wartenden Kinder in die gute Stube. «Bis heute hat sich eigentlich nichts geändert», betont von Goessel-Steinmann.

Das gilt letztlich auch für die Spielsachen, selbst wenn sie heute in einem anderen Gewand daherkommen: «Aufstellspielzeug - das zeigt sich heute bei Playmobil - ist nach wie vor beliebt, interessant und entwicklungsfördernd», schildert von Goessel-Steinmann. Und das Steckenpferd? Das sei durch das Bobby-Car ersetzt worden.

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