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Düsseldorf (dpa) Auf Friedhöfen wird der Toten gedacht. Die Menschen entdecken den Gottesacker aber auch als Erholungsraum. Selbst Konzerte gibt es dort. Es darf nur nicht pietätlos werden.
Führung auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf: Erkundungstouren zu Vogelstimmen, Pilzen oder historischen Gräbern werden beliebter. Foto: Gartenamt Düsseldorf (Foto: dpa)
Friedhöfe sind Orte der Trauer, in diesen Wochen brennen Kerzen für die Toten. Aber es muss nicht immer November sein für einen Besuch auf dem Gottesacker, und viele führt nicht das Gedenken an die Verstorbenen dorthin. «Es gehen Menschen auf Friedhöfe, um bewusst Natur zu erleben», sagt Thomas Eberhardt-Köster vom Gartenamt der Stadt Düsseldorf.
Mehrfach im Jahr bieten Fachleute Erkundungen an. Vogelstimmen, Pilze oder historische Gräber sind das Thema. In den großen Städten, bestätigt der Verband der Friedhofsverwalter, sind naturkundliche Spaziergänge keine Seltenheit.
Da stapft in Düsseldorf eine Gruppe morgens an den Grabsteinen vorbei und spitzt die Ohren. Ein Zaunkönig singt hier, dort ein Rotkehlchen, da hinten ganz leise ein Wintergoldhähnchen. Weiter geht's, die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Es ist sechs Uhr in der Frühe und stockdunkel zwischen den Gräbern, aber es geht nicht um Tod und Trauer.
Der Sprecher der Friedhofsverwalter, Michael Albrecht, meint - so paradox es klingt - der Erholungswert mancher Friedhöfe sei beträchtlich. Der Friedhof Ohlsdorf in Hamburg ist mit 400 Hektar der größte in Europa. Der Großteil des Geländes sind Grünflächen. Viele Begräbnisstätten sind außerdem zentral gelegen und regelrechte grüne Oasen - etwa der Alte Friedhof in Bonn.
«Die erste Begegnung im Leben mit einem Friedhof ist oft sehr spät», berichtet Albrecht. Die Friedhofsverwalter wollen den Ort, wo die Toten ruhen, aus der Tabuzone holen und Hemmschwellen aus dem Weg räumen. «Viele Leute machen vor dem Eingangstor Halt, weil sie denken, dass da eine andere Welt beginnt. Und das ist einfach nicht so», sagt Albrecht. Aktionen mit Kindergärten oder Schulklassen, Konzerte, das alles ist vorstellbar. «Aber die Trauerarbeit soll nicht gestört werden.»
Die Filmvorführung auf einem Friedhof in Nürnberg war für manche zu pietätlos. Die Stadt hatte in diesem Sommer auf dem Westfriedhof zwei Spielfilme gezeigt, die Tod und Bestattungskultur behandeln. Es gab weder Alkohol noch Werbung, aber im Internet hagelte es Proteste. Die Stadt machte einen Rückzieher und entschuldigte sich bei denen, deren Gefühle verletzt wurden.
Als Kulturraum ist dieser Friedhof nun tabu. Konzerte oder auch eine Ballettperformance, die es auch schon gab, sind gestrichen. In Osnabrück lief in diesem Sommer der Filmklassiker «Vampyr» in der Kapelle auf dem parkähnlichen, historischen Hasefriedhof: Es gab gar nicht genug Stühle für alle Besucher.
In Düsseldorf kann sogar das städtische Krematorium besichtigt werden. «Die Leute interessieren sich immer mehr dafür», sagt Axel Zschuckelt, der dort mehrmals im Jahr Führungen macht. Anlass ist oft, dass Angehörige gestorben sind, eingeäschert wurden und die Besucher das aufarbeiten wollen. Mit der Zeit löse sich erfahrungsgemäß die anfangs gedrückte Stimmung, berichtet der Leiter des Krematoriums. «Ich gehe so richtig beruhigt hier raus», hat er von einer Besucherin gehört, die nach Tod und Einäscherung eines Angehörigen gekommen war.

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