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Berlin (dpa) Smartphones sind out, sobald das Nachfolgemodell auf dem Markt ist. Ein neuer Drucker kostet weniger als eine Reparatur. Die Digitalisierung stärkt den Trend zum Wegwerfen statt Reparieren.
Umweltbelastende «Neuheitsideologie»: Die Digitalisierung stärkt den Trend zum Wegwerfen. Foto: Wolfgang Kumm (Foto: dpa)
Wenn Apple eine neue Version seines iPhones auf den Markt bringt, stehen die treuen Fans der Marke Schlange - einige nächtelang. Für sie ist es keine Frage, dass sie das neueste Modell zur Hand haben möchten. Doch nicht nur Apple-Enthusiasten wechseln Handys, Laptops und andere Hardware des digitalen Lebens häufig aus. «Da werden Sachen weggeworfen, die eigentlich noch drei bis fünf Jahre genutzt werden könnten», sagt der Volkswirt und gelernte Elektriker Frank Becker von der Technischen Universität Berlin.
Er kritisiert das als «Neuheitsideologie». «Wir erleben eine Konsumkultur, die IT-Endgeräte zu Modeobjekten macht», sagt der Professor für Produktion und Umwelt an der Uni Oldenburg, Niko Paech. Psychologisch endet die Nutzungsdauer eines Handys mit dem Erscheinen seines Nachfolgemodells - wie bei einem Rock, der in der folgenden Saison aus der Mode ist. Die Folge sind Berge an Elektroschrott.
Dazu trägt auch das Angebot bei. Bei Druckern ist es keine Seltenheit, dass Reparaturkosten höher sind als der Preis eines neuen Geräts. Manche Hersteller verkleben ihre Smartphones, so dass Laien kaum den Akku wechseln können. Nutzer schimpfen zudem über Produkte, die kurz nach Ende der Gewährleistungsfrist kaputt gehen - in Deutschland sammelt die Initiative «Murks nein danke» solche Fälle.
Denn Kritiker vermuten dahinter ein abgekartetes Spiel der Hersteller. Ihr Vorwurf: Diese legen es bewusst darauf an, dass ihre Produkte sich schnell abnutzen und nur schwer repariert werden können - um so mehr zu verkaufen.
Neu wäre es nicht, dass Hersteller ihren Produkten «Sollbruchstellen» einbauen - Teile, die nach einer gewissen Zeit abgenutzt sind. In der Wirtschaftswissenschaft ist die sogenannte geplante Obsoleszenz ein fester Begriff. In der «Great Depression» zu Beginn der 1930er Jahre galt ein künstliches Verfallsdatum für Waren einigen sogar als patentes Mittel, um künstlich die Nachfrage zu erhöhen und so die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen.
Zu den klassischen Beispielen zählt eine Absprache großer Glühbirnen-Hersteller in den 1920er Jahren. Sie vereinbarten, ihre Produkte nur noch für eine Leuchtzeit von 1000 Stunden auszugelegen. Paech sagt, ein solches Vorgehen sei bei digitalen Produkten einfacher denn je. «Produkte, die smart sind, kann man besser steuern. Da reicht ein kleiner Chip, den man so programmiert, dass das Produkt nach einer gewissen Leistung die Funktion einstellt.» Dies gab es beispielsweise bei einem Druckermodell, wie eine Arte-Reportage zeigte.
Ein willkürliche Begrenzung der Nutzungsdauer lasse sich aber nur selten nachweisen, sagt Paech. Zudem könnten die Anbieter immer damit argumentieren, dass sie bloß die Kosten senkten. «Die Nachfrageseite spielt mit. Menschen sind nicht daran interessiert, Produkte mit einer höheren Nutzungsdauer zu kaufen.»
«Sowohl Praktiker als auch Abfallexperten sind sich seit langem einig, dass in dem, was landläufig als Elektroschrott bezeichnet wird, in vielen Fällen durchaus gebrauchsfähige Objekte drinstecken», sagt Becker. Er half vor einigen Jahren, das Projekt «ReUse Computer» mit aus der Taufe zu heben - dieses Netzwerk von Unternehmen bereitet nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 300 000 gebrauchte IT-Produkte auf und vermarktet sie weiter.
Der Umweltökonom Niko Paech hält solche Initiativen für geeignet, einen Ausweg aus der Wegwerf-Spirale zu weisen. Als Beispiele nennt er Reparaturcafés oder die «I-fix-it-Bewegung», bei der Menschen sich über Internetplattformen darüber austauschen, wie Geräte repariert werden können - und dann mit dem Schraubenzieher gegen die Elektroschrott-Lawine kämpfen. Auf der Webseite ifixit.com wird beispielsweise detailliert in Text und Bild erläutert, wie ein iPhone-Akku ausgetauscht werden kann.
Paech spricht von einer «subversiven Bewegung des Reparierens, Instandhaltens und Rekombinierens». «Aus Konsumenten werden Prosumenten», sagt er. «Sie geben sich nicht damit zufrieden, aus verschiedenen Konsumangeboten zu wählen, sondern produzieren selbst und versuchen, aus den vorhandenen Endprodukten mehr herauszuholen.»

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