Medienhaus Lensing
02.11.2012 10:22 Uhr
Schriftgröße: A A A

Mit dem Schraubenzieher gegen die Elektroschrott-Lawine

Berlin (dpa) Smartphones sind out, sobald das Nachfolgemodell auf dem Markt ist. Ein neuer Drucker kostet weniger als eine Reparatur. Die Digitalisierung stärkt den Trend zum Wegwerfen statt Reparieren.Von Sebastian Kunigkeit, dpa

«
1/1
»

Umweltbelastende «Neuheitsideologie»: Die Digitalisierung stärkt den Trend zum Wegwerfen. Foto: Wolfgang Kumm (Foto: dpa)

Wenn Apple eine neue Version seines iPhones auf den Markt bringt, stehen die treuen Fans der Marke Schlange - einige nächtelang. Für sie ist es keine Frage, dass sie das neueste Modell zur Hand haben möchten. Doch nicht nur Apple-Enthusiasten wechseln Handys, Laptops und andere Hardware des digitalen Lebens häufig aus. «Da werden Sachen weggeworfen, die eigentlich noch drei bis fünf Jahre genutzt werden könnten», sagt der Volkswirt und gelernte Elektriker Frank Becker von der Technischen Universität Berlin.

Er kritisiert das als «Neuheitsideologie». «Wir erleben eine Konsumkultur, die IT-Endgeräte zu Modeobjekten macht», sagt der Professor für Produktion und Umwelt an der Uni Oldenburg, Niko Paech. Psychologisch endet die Nutzungsdauer eines Handys mit dem Erscheinen seines Nachfolgemodells - wie bei einem Rock, der in der folgenden Saison aus der Mode ist. Die Folge sind Berge an Elektroschrott.

Dazu trägt auch das Angebot bei. Bei Druckern ist es keine Seltenheit, dass Reparaturkosten höher sind als der Preis eines neuen Geräts. Manche Hersteller verkleben ihre Smartphones, so dass Laien kaum den Akku wechseln können. Nutzer schimpfen zudem über Produkte, die kurz nach Ende der Gewährleistungsfrist kaputt gehen - in Deutschland sammelt die Initiative «Murks nein danke» solche Fälle.

Denn Kritiker vermuten dahinter ein abgekartetes Spiel der Hersteller. Ihr Vorwurf: Diese legen es bewusst darauf an, dass ihre Produkte sich schnell abnutzen und nur schwer repariert werden können - um so mehr zu verkaufen.

Neu wäre es nicht, dass Hersteller ihren Produkten «Sollbruchstellen» einbauen - Teile, die nach einer gewissen Zeit abgenutzt sind. In der Wirtschaftswissenschaft ist die sogenannte geplante Obsoleszenz ein fester Begriff. In der «Great Depression» zu Beginn der 1930er Jahre galt ein künstliches Verfallsdatum für Waren einigen sogar als patentes Mittel, um künstlich die Nachfrage zu erhöhen und so die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Zu den klassischen Beispielen zählt eine Absprache großer Glühbirnen-Hersteller in den 1920er Jahren. Sie vereinbarten, ihre Produkte nur noch für eine Leuchtzeit von 1000 Stunden auszugelegen. Paech sagt, ein solches Vorgehen sei bei digitalen Produkten einfacher denn je. «Produkte, die smart sind, kann man besser steuern. Da reicht ein kleiner Chip, den man so programmiert, dass das Produkt nach einer gewissen Leistung die Funktion einstellt.» Dies gab es beispielsweise bei einem Druckermodell, wie eine Arte-Reportage zeigte.

Ein willkürliche Begrenzung der Nutzungsdauer lasse sich aber nur selten nachweisen, sagt Paech. Zudem könnten die Anbieter immer damit argumentieren, dass sie bloß die Kosten senkten. «Die Nachfrageseite spielt mit. Menschen sind nicht daran interessiert, Produkte mit einer höheren Nutzungsdauer zu kaufen.»

«Sowohl Praktiker als auch Abfallexperten sind sich seit langem einig, dass in dem, was landläufig als Elektroschrott bezeichnet wird, in vielen Fällen durchaus gebrauchsfähige Objekte drinstecken», sagt Becker. Er half vor einigen Jahren, das Projekt «ReUse Computer» mit aus der Taufe zu heben - dieses Netzwerk von Unternehmen bereitet nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 300 000 gebrauchte IT-Produkte auf und vermarktet sie weiter.

Der Umweltökonom Niko Paech hält solche Initiativen für geeignet, einen Ausweg aus der Wegwerf-Spirale zu weisen. Als Beispiele nennt er Reparaturcafés oder die «I-fix-it-Bewegung», bei der Menschen sich über Internetplattformen darüber austauschen, wie Geräte repariert werden können - und dann mit dem Schraubenzieher gegen die Elektroschrott-Lawine kämpfen. Auf der Webseite ifixit.com wird beispielsweise detailliert in Text und Bild erläutert, wie ein iPhone-Akku ausgetauscht werden kann.

Paech spricht von einer «subversiven Bewegung des Reparierens, Instandhaltens und Rekombinierens». «Aus Konsumenten werden Prosumenten», sagt er. «Sie geben sich nicht damit zufrieden, aus verschiedenen Konsumangeboten zu wählen, sondern produzieren selbst und versuchen, aus den vorhandenen Endprodukten mehr herauszuholen.»

Das Immobilienportal für die Region

immo.RuhrNachrichten.de - Nicht suchen, finden!

Ob Wohnung oder Haus, zur Miete oder als Kaufobjekt: Auf immo.RuhrNachrichten.de finden Nutzer das richtige Heim. Hier gibt's das größte Immobilienangebot aus der Region. mehr...

Was tun, wenn...?

Was tun, wenn Silberfischchen umherkrabbeln?

Sie kriechen als ungebetene Gäste durch die Küche und sind einfach nur lästig: Silberfischchen und Kellerasseln will niemand gern in den eigenen vier Wänden wohnen haben. Mit ein paar Tricks machen Sie dem Ungeziefer ganz leicht den Garaus. mehr...

Clevere Tipps
Flecken entstehen schnell und sind schwer wieder herauszubekommen. Doch es gibt kleine Tricks wie man sein Hemd wieder sauber bekommt.

Hausmittel

Weg mit dem Fleck!

Fettspritzer auf dem T-Shirt, Rotwein auf dem Teppich: So wird's wieder sauber.  mehr...

Bei jedem Waschgang wird kostbares Trinkwasser verbraucht. Deshalb sollte man gut überlegen, wann sich eine Ladung lohnt.

Sauberkeit im Haushalt

Waschtipps für Teppich, Gardine und Co.

Wie oft müssen Handtücher, Teppiche und Tischdecken in die Maschine?  mehr...

Stürmische Aussichten... Wer vorsorgt, kann Schäden rechtzeitig verhindern.

Tipps für Hausbesitzer

Gerüstet gegen Sturm und Regen

Wie Sie Ihr Haus schützen und Schäden verhindern.  mehr...

Werfen Sie mal einen Blick in Ihre Werkzeugkiste! Wir erklären, was zur Grundausstattung dazu gehört.

Grundausstattung

Das gehört in die Werkzeugkiste

Was gehört alles zur Grundausstattung eines Heimwerkers? Eine Übersicht.  mehr...

Schimmel in der Kiefernstraße in Düsseldorf

Tipps

Weg mit dem Schimmel!

Er müffelt und ist ungesund: So entfernen Sie Schimmel aus der Wohnung.  mehr...

An manchen Tagen ist doch einfach der Wurm drin, da geht alles schief, man legt sich sogar mit dem Staubsauger an... Ganz ruhig bleiben, einmal durchatmen. Hier kommen viele schlaue Alltags-Tipps!

Kleine Tücken meistern

Schlaue Haushalts-Tipps

Wie geht der Fleck weg? Was tun, wenn das Marmeladenglas klemmt?  mehr...

Batterien gehören weder in die gelbe noch eine andere Wertstofftonne. Sie müssen getrennt vom Haus-, Plastik- und Elektromüll recycelt werden. (Bild: Warnecke/dpa/tmn)

Tonnen-Übersicht

Mülltrennen leicht gemacht

Verwirrung beim Mülltrennen: Was schmeißt man wo rein? Ein Überblick.  mehr...

Ein Blitz ist 30 000 Grad heiß, wenn er einschlägt.

Ratgeber

Schutz vor Blitz und Donner

Wie man sich schützt und was man tun kann, wenn der Blitz einschlägt.  mehr...

Meistgelesen | Haus & Garten

Ansturm auf Wohnungen

1

Was Mietinteressenten preisgeben müssen

Vor der Unterschrift unter den Mietvertrag müssen Interessenten viele Fragen beantworten - zumindest bei ihrem Einkommen sollten sie ehrlich sein. Foto: Kai Remmers

Berlin Lange Schlangen auf der Treppe, Gedränge in der leeren Wohnung: Bei Besichtigungen sind Mietinteressenten selten allein. Meist müssen sie dann noch umfangreiche Fragebögen ausfüllen. Was müssen sie angeben? Was dürfen sie verschweigen? mehr...

Vermieterwechsel

2

Das gilt bei den Betriebskosten

Wenn der Vermieter wechselt, ist der neue auch für die Betriebskostenabrechnung zuständig. Bei der Übergabe klappt aber nicht immer alles reibungslos.

Ein Vermieterwechsel ist für Mieter in der Regel unproblematisch. Eine Frage aber bleibt: Wer ist für die Betriebskostenabrechnung zuständig? Grundsätzlich sollten Mieter genau hinschauen, denn oft passieren Fehler. mehr...

Anleitung

3

Den Sandkasten selber bauen - So geht's

Viele Kinder lieben Sandkästen. Mit ein wenig handwerklichem Geschick lassen sie sich leicht selbst bauen. Foto: Kai Remmers

KÖLN Hier werden fantasievolle Sand-Kuchen gebacken, Türme und Burgen errichtet und manchmal sogar lebenslange Freundschaften geschlossen: Der Sandkasten ist das gute alte Spieleparadies für Kinder. Eltern können den Mini-Spielplatz für den Nachwuchs im eigenen Garten ganz leicht selbst anlegen. mehr...

Selbermachen

4

Sieht aus wie neu: Stühle polstern und beziehen

Genau arbeiten: Damit die Husse später akkurat sitzt, sollte man Maß am Stuhl nehmen.

BERLIN/WUPPERTAL Man sitzt jeden Tag darauf, und das sieht man ihnen an: Stuhlpolster und -bezüge nutzen sich schnell ab. Sie eigenhändig zu erneuern, ist nicht einfach. Aber ein passionierter Heimwerker kriegt das hin. mehr...

Mietminderung bei Lärm

5

Bauliche Mängel und feiernde Nachbarn: Diese Grenzen gelten

Ist der Lärm aus der Nachbarwohnung nur noch mit Kopfhörern zu ertragen, sollten sich Mieter an ihren Vermieter wenden.

BERLIN Manchmal ist es der Nachbar, manchmal die Baustelle vor der Tür - in Mietwohnungen kann es mitunter laut werden. Wenn die Lärmquelle nicht abgestellt werden kann, kann die Miete gemindert werden. Um wie viel, hängt dabei immer vom Einzelfall ab. mehr...

Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | HalternerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de | Immomia