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MÜNCHEN Wehe, wenn der Schuh drückt! Etliche Freizeitskifahrer quälen sich mit schlecht sitzenden Skistiefeln über die Pisten. Dabei bieten viele Firmen mittlerweile individuell angepasste Skischuhe an.
Modernste Technik: Für einen maßgefertigten Skischuh werden als erstes die Füße und Beine mit einem Scanner millimetergenau vermessen. (Foto: dpa/Ertl-Renz)
Eiskalte Zehen, brennende Fußsohlen und wund gescheuerte Knöchel: Schlecht sitzende Skistiefel können den schönsten Skitag zur Tortur werden lassen. «Eine unnötige Qual», sagt Sven Renz. «Ein gut passender Skischuh drückt nicht und garantiert mehr Spaß», betont der Ehemann der früheren Ski-Weltmeisterin Martina Ertl. In ihrer gemeinsamen Firma in München schaffen sie für Skifahrer maßgefertigte Skischuhe als Alternative zu Serienmodellen.
Luftkammersysteme für eine bessere Tragbarkeit
«Maßschuhe sind natürlich das Optimum, aber auch die Serienhersteller bemühen sich um immer bessere Anpassungen an die individuelle Fußform», sagt Andreas König, Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbands (DSV). So setzt Blizzard/Tecnica zum Beispiel auf Luftkammersysteme, mit denen über Pumpen bestimmte Regionen im Knöchelbereich der Fußform angepasst werden können. Head hat in seine «Edge»-Modelle Stellschrauben eingebaut, mit denen man die Breite der Schale anpassen kann.
Flex-Zone soll das Fahrgefühl optimieren
Atomic hat eine Flex-Zone im vorderen Schuh eingeführt, die ein besseres Fahrgefühl verspricht. Salomon baut seit Jahren auf Innenschuhe, die beim Händler durch Erhitzen an die Fußform des Käufers angepasst werden. Die Firma Fischer bietet «Vacuum Fit»-Modelle an. Hier wird im Sportgeschäft die Kunststoff-Außenschale des Schuhs erhitzt und dann unter Druck der Fußform angepasst.
«Wie mehr Komfort erreicht wird, ist letztlich egal. Wichtig ist, dass daran gearbeitet wird und dass der Kunde im Geschäft gut beraten wird. Denn jeder Fuß ist anders», sagt DSV-Experte König. Für ambitionierte Skifahrer gehe es dabei nicht nur um Komfort, sondern um eine bessere Leistung. «Viele gute Skifahrer unterschätzen das total. Der Schuh ist das wichtigste Element der Ski-Ausrüstung», betont König. Mit zu locker sitzenden Schuhen kann man seine Ski nicht optimal steuern.
Immer mehr Angebote für Amateur-Skifahrer
«Rennschuhe werden deshalb bis ins kleinste Detail auf die Athleten angepasst», erzählt die 14-fache Weltcupsiegerin Ertl. Auch für Amateur-Skifahrer gibt es mittlerweile gute Angebote. Neben Ertl/Renz bieten zum Beispiel die österreichische Skischuhfirma Strolz oder die nordamerikanische Kette Surefoot individuell angepasste Skischuhe.
Wer sich bei Ertl/Renz für eine Maßanfertigung entscheidet, kommt sich vor wie James Bond im Labor des Geheimdienst-Tüftlers «Q». Mit einer Kombination aus elektronischem Hightech und traditionellem orthopädischen Schuhmacher-Handwerk geht die Firma ans Werk.
Füße und Beine werden genau vermessen
«Erst werden die Füße und Beine mit einem Scanner millimetergenau vermessen», erklärt Sven Renz. Dafür müssen die Kunden nicht extra nach München fahren. In ganz Deutschland und vielen Ländern weltweit gibt es das Angebot mittlerweile in Sportgeschäften. Das geht in einem Sportgeschäft in Köln genauso wie in Kitzbühel, auch wenn der Blick dabei auf den Rhein und nicht auf die Alpen geht.
Kaum sind die Füße gescannt, erscheinen sie auf einem großen Bildschirm im Kölner Laden und im Stammhaus der Firma in München. Die Experten kennen die Füße des Kunden jetzt besser als diese selbst. Jedes Knöchelchen, jedes Überbein und jede Wölbung der Fußsohle ist auf dem Monitor zu sehen. Mit Hilfe eines Computerprogramms werden dann verschiedene Skischuhe unterschiedlicher Hersteller über die Fußgrafik geblendet: bequeme, harte Rennschuhe, Modelle für eher schmalere oder breitere Füße.
So findet man den passenden Skistiefel
Nachdem das passende Modell gefunden ist, gehen die Fachleute in München an die Feinabstimmung. Erst erstellen sie einen Holzleisten des Fußes, dann passen sie die erhitzte Kunststoff-Außenhaut des Schuhs durch Ausbeulen oder Eindrücken an den Fuß an. In einem speziellen Leder-Innenschuh werden Problemstellen des Fußes in Handarbeit ausgepolstert und die Einlegesohle dem Fußscann gemäß geformt.
Zwei Wochen später steht der Maß-Schuh im Laden. Bei der Auslieferung nimmt der Fachmann in Köln noch letzte Feinabstimmungen vor. «Jetzt müsste er perfekt passen», sagt er und verabschiedet den Kunden zum Testfahren.Ein maßgefertigter Schuh lohnt sich laut König für ambitionierte Skifahrer und alle, die wegen besonders geformter Füße sonst nur mit Schmerzen fahren könnten. Aber er hat seinen Preis. Mit rund 850 Euro ist er rund doppelt so teuer wie ein gutes Serienmodell. Ein innen individuell ausgeschäumter Schuh, wie ihn auch Strolz anbietet, kostet noch etwas mehr.

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