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Bochum (dpa) Am Ende des alten Jahres stehen die guten Vorsätze für das neue: Obwohl im Grunde jeder weiß, dass er sie doch nicht einhalten wird. Was also soll das Spielchen? Psychologen geben überraschende Antworten.
Ein gutes neues Jahr mit vielen guten Vorsätzen: Der Mensch ist Optimist und glaubt daran, dass vieles - sogar er selbst - noch viel besser werden kann. Foto: Franziska Kraufmann (Foto: dpa)
Ein Jahr geht zu Ende, und schon sind sie wieder da, die guten Vorsätze: gesünder essen, weniger trinken, mehr joggen, nicht mehr rauchen. Hatten wir das nicht schon mal? Im Zweifelsfall ja. Denn nahezu ebenso sicher wie der gute Vorsatz zum Jahreswechsel ist sein Scheitern. Eine englische Studie mit 3000 Teilnehmern hat ergeben, dass 88 Prozent ihre guten Vorsätze nicht einhalten.
Doch am nächsten Silvesterabend sind die schlechten Erfahrungen mit den guten Vorsätzen wieder vergessen. Seit Jahrtausenden geht das offenbar schon so, denn die wackeren Versuche zur Selbstverbesserung lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Im neuen Jahr sollte schon immer alles anders werden. Und vor allem: besser.
Warum ist das so? Zum einen hat es mit dem Wunsch zu tun, das eigene Leben zu kontrollieren, sagt der Bochumer Professor Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. «Wenn wir das Gefühl haben, wir hätten Kontrolle, dann geht's uns gut, und dann können wir auch sehr viel Stress wegstecken. Wichtig ist, dass es nur um das Gefühl geht! Ob man sein Leben tatsächlich unter Kontrolle hat, spielt keine Rolle - man muss es nur glauben, und schon geht's einem besser.» Der gute Vorsatz, im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, gibt einem auf jeden Fall das Gefühl, dass man aufhören könnte. Man müsste es nur wollen.
Zweiter Punkt: Der Mensch ist ein geborener Optimist. «Wir sind nicht nur optimistisch», sagt Margraf, «wir sind sogar unrealistisch optimistisch.» In der Evolution hat sich das offenbar als Vorteil herausgestellt. «Es hilft Ihnen durch den Tag, es macht Sie auch aktiver, weil Sie ja das Gefühl haben, dass es sich lohnt.» Studien haben ergeben, dass Menschen außerdem die Neigung haben, Erfolge auf ihr eigenes Können zurückzuführen - und Misserfolge auf alle möglichen anderen Ursachen.
Schließlich, so glaubt Margraf, haben die guten Vorsätze auch noch etwas mit Aberglaube zu tun. «Es ist so eine Art magische Qualität, die der Neuanfang hat.» Der erste Erste ist eben was anderes als der 23. Februar.
Die Psychologie hält jedoch nicht nur Erklärungsansätze bereit, sondern auch Tipps, wie es vielleicht doch klappen könnte, den einen oder anderen Vorsatz einzuhalten. Professor Gerhard Stemmler, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, empfiehlt: «Die Ziele ein bisschen reduzieren und sich nicht zu viel vornehmen.» Das gelte im übrigen nicht nur für Neujahrsvorsätze, sondern ganz allgemein: «Wenn ich die Ziele dem Erreichbaren ein wenig anpasse, dann läuft man eigentlich viel besser durchs Leben.»
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