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Seligenstadt (dpa) Obstkuchen mit Sahne und dazu ein frisches Pils - das klingt vielleicht ein wenig exotisch. Aber für Biersommeliers ist der Gerstensaft viel mehr als ein Getränk am Tresen.
Vor dem Essen empfiehlt Robert Glaab ein Pils. «Es ist das am stärksten gehopfte Bier, und Hopfen regt die Magensäure an», erklärt der Chef der Privatbrauerei Glaab im hessischen Seligenstadt. Vor vier Jahren hat sich der 47-Jährige zum Biersommelier ausbilden lassen. «Sommeliers» sind eigentlich als Weinkenner und -berater bekannt, aber es gibt sie auch für Bier. Bei Veranstaltungen in Restaurants sucht Glaab die passenden Getränke zum Essen aus und plaudert über die verschiedenen Biersorten mit ihren vielen Geschmacksnuancen.
Im Gasthaus «Römischer Kaiser» auf dem Gelände seiner Brauerei wird auch mit Bier gekocht. «Generell passt helles Bier zu hellem Fleisch und dunkles Bier zu dunklem Fleisch», fasst der schlanke Mann beim Mittagessen zusammen und hält prüfend ein gefülltes Weizenbier-Glas ins Licht. «Es hat eine kräftige, goldgelbe Farbe mit einer feinen Hefetrübung», beschreibt Glaab das helle Hefeweizen, das er zum Hauptgericht - Forellenfilet auf Weizenbier-Kardamom-Schaum - servieren lässt.
Glaab riecht an dem Weizenbier und nimmt einen kleinen Schluck. Ähnlich wie ein Weinkenner beurteilt Glaab das gekostete Getränk blumig: «Fruchtige Aromen wie Banane und reife Aprikose, durchsetzt mit einem leichten Gewürznelkenton, sehr spritzig und erfrischend, weicher und runder Körper, dezente bittere Note im Hintergrund, weich und harmonisch ausklingend, charaktervoll.»
Gelernt hat er solche Beschreibungen bei der Doemens Akademie in München, wo seit 2004 eine Ausbildung zum Diplom-Biersommelier angeboten wird. Fast 3000 Euro kostet der Kurs, die Teilnehmer kommen aus aller Welt. Mittlerweile haben etwa 500 Menschen an den jeweils zweiwöchigen Lehrgängen mitgemacht. «Die meisten Teilnehmer haben schon vor der Ausbildung mit Bier zu tun gehabt und möchten tiefer einsteigen», erklärt Sandra Strobel vom Verband der Diplom Biersommeliers mit Sitz in Österreich. Etwa 90 Prozent seien Männer.
Auf ihrem Stundenplan stehen neben der Verkostung auch Themen wie «Das passende Bier zur richtigen Speise», «Bier & Gesundheit» und sogar «Bier & Käse/Schokolade». Glaab hat von Natur aus wenig Hemmungen vor scheinbar unpassenden Kreationen mit dem Gerstensaft.
«Ich habe schon als Student Erdbeerkuchen mit Sahne gegessen und dazu ein Pils getrunken», berichtet der zweifache Vater, der nach seinem BWL-Studium zunächst im Marketing großer Firmen gearbeitet hat. Vor 14 Jahren wurde er schließlich geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei Glaab, seitdem bleibt ihm noch weniger Zeit für seine Hobbys. Er war mal Mitglied der Nationalmannschaft im Bogenschießen, heute liebt er Marathon-Läufe.
Auf den Bier-Geschmack ist Glaab trotz seiner Herkunft - seine fast 270 Jahre alte Brauerei ist seit neun Generationen im Familienbesitz - relativ spät gekommen, nämlich erst bei der Bundeswehr. Heute möchte er jedoch nicht mehr auf das «wunderbare Genussmittel» verzichten, wie er sagt: «Ich mag einfach die Frische und den malzigen Geschmack.»
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