Medienhaus Lensing
07.12.2012 10:26 Uhr
Schriftgröße: A A A

Schokolade, Plätzchen, Eis: Lust auf Süßes ist Gewohnheit

Mannheim (dpa/tmn) Besonders zur Weihnachtszeit lauert die Versuchung überall: Die Lust auf Süßigkeiten gleicht manchmal einer Sucht. Doch Mediziner sind sich einig: Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Oder an die unserer Eltern.Von Marina Leunig, dpa

Zum Frühstück süße Müsliflocken, als Snack ein Eis, zum Kaffee den obligatorischen Keks: Süße Snacks gehören für viele zum täglichen Speiseplan. Die Lust auf kalorienhaltige Naschereien erscheint manchem unstillbar. Ist das eine Sucht?

Der amerikanische Integrativmediziner Frank Lipman schrieb bereits vor zwei Jahren in der Onlinezeitung «Huffington Post» über seine angebliche Zuckersucht und den Weg aus der Abhängigkeit . Seitdem wird viel gerätselt über die mögliche Sucht nach dem weißen Stoff. Lipman behauptete, das Verlangen nach Zucker werde dem Mensch als Baby in die Wiege gelegt: zunächst durch Milchzucker, später, indem Eltern ihre Kinder mit Süßigkeiten zu trösten oder belohnen versuchten. Bei Erwachsenen soll Zucker die Stimmung heben und Energie spenden.

Französische Forscher wollen 2007 bei Versuchen mit Ratten - die Süßes genauso gerne essen wie Menschen - sogar herausgefunden haben, dass Zucker ähnlich abhängig macht wie Kokain, Nikotin oder Alkohol. Sie hatten den Nagern die Wahl zwischen mit Saccharin gesüßtem Wasser und Wasser mit Kokain gelassen - 94 Prozent entschieden sich für die gesüßte Flüssigkeit. Ein Test mit Zuckerwasser zeigte zudem, dass sich sogar die an Kokain gewöhnten Tiere für das süße Wasser entschieden, sobald sie die Wahl hatten.

«Eine Zuckersucht gibt es nicht», sagt hingegen Falk Kiefer, Professor für Suchtforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim . Man könne das Verlangen nach Essen nicht mit einer Heroinsucht gleichsetzen. Aber es sei in der Tat so, dass sowohl Zucker als auch Heroin auf den gleichen Bereich des Gehirns wirkten: auf das Belohnungssystem. Dieser Meinung ist auch der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Sven-David Müller: «Kokain, Psychopharmaka - so eine Sucht gibt es bei Schokolade nicht. Es gibt aber ein ausgeprägtes Verlangen.» Dieses erscheine manchen Menschen wie eine Sucht.

«Süß ist der Geschmack, den wir als erstes positiv wahrnehmen - das haben Tests an Säuglingen gezeigt», erklärt Müller. Denn Süßes sei für den Menschen im Allgemeinen gut verträglich und ungefährlich. Das Verlangen nach Zucker sei klassisch konditioniert, ergänzt Kiefer. «Kinder bekommen Geld, Süßes oder Lob, wenn sie etwas toll gemacht haben - unser Gehirn funktioniert so, dass Belohnung zu Motivation wird, das zu wiederholen, wofür wir belohnt werden.» Wenn man Zucker immer wieder mit etwas Positivem oder Tröstlichem verbinde, dann verlange das Gehirn in solchen Situationen automatisch danach.

Es gibt laut Müller keine Studie, die belegt, dass ein hoher Zuckerkonsum allein schädlich ist. «Von Zucker bekomme ich weder Diabetes Typ 2 noch Karies, wenn ich ansonsten nicht zu dick bin, mich ausreichend bewege und mir regelmäßig die Zähne putze», sagt auch Kiefer. Beide sind sich allerdings einig, dass mit einem übermäßigen Zuckerkonsum häufig andere Risikofaktoren einhergehen: Übergewicht durch zu kalorienreiches Essen, Bewegungsmangel oder chronischer Stress. Diese wiederum könnten zu Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz- oder Gelenkproblemen führen.

Es gebe zwar keine engere medizinische Grenze, wie viel Zucker der Mensch essen darf, sagen die Experten. Richtwerte liefert aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Sie empfiehlt, höchstens zehn Prozent der täglichen Energiemenge in Form von Zucker aufzunehmen. Bei einem durchschnittlichen Bedarf von etwa 2000 Kalorien einer erwachsenen Frau bedeutet das: 50 Gramm Zucker pro Tag, mehr nicht.

Literatur:

Müller, Sven-David: Mythos Süßstoff: Die ganze Wahrheit über künstlichen und natürlichen Zuckerersatz, Kneipp. 128 S., 17,95 Euro, ISBN-13: 978-3708804965

Zucker steckt in allem, was süß ist. Aber auch Zitroneneis und Käsekuchen enthalten den süßen Stoff. Nur weil etwas sauer schmecke, sei es längst nicht zuckerfrei, betont Ernährungswissenschaftler Sven-David Müller. Viele Leute wüssten nicht, dass auch in Senf oder Ketchup viel Zucker verarbeitet ist. Und Cappuccinopulver oder Bubble Tea seien absolute Zuckerbomben. Verbraucher sollten daher immer einen genauen Blick auf die Zutatenliste werfen: Begriffe, die auf -ose enden, weisen darauf hin, dass ein Zuckerstoff enthalten ist.

Wer seine Heißhungerattacken auf Süßes unter Kontrolle bekommen möchte, sollte vorbeugen. Denn Prävention ist laut Prof. Kiefer das A und O. Das Essen sollte gut über den Tag verteilt werden. Ansonsten hungere man sich regelrecht in Zustände hinein, in dem Essen ein großer Belohnungsfaktor sei. Dadurch werde die Fixierung aufs Essen immer schlimmer und dementsprechend das unerklärliche Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln.

Rezept der Woche

Wollwurstschnitzel «Wiener Art»

Kategorie: Hauptspeise Zubereitungszeit: ca. 50 Minuten + 30 Minuten zum Ziehen Zutaten für 4 Personen: Für den Kartoffelsalat: 1 kg festkochende Kartoffeln 6 EL Rapsöl mehr...

Clevere Küchen-Tipps
Fleisch und Gemüse werden möglichst auf unterschiedlichen Unterlagen und mit unterschiedlichen Messern zubereitet. (Foto: Franziska Koark)

Sauberkeit im Haushalt

Hygiene-Regeln für die Küche

Von der Wahl des Schneidebretts bis zur Kühlschrank-Pflege.  mehr...

Vorbildlich! So sieht ein gut sortierter Kühlschrank aus.

Lebensmittel lagern

Kühlschrank clever einsortiert

Welche Lebensmittel ins Kühlfach gehören, wie man sie clever lagert und frisch hält.  mehr...

Leckere Ideen
Jonagold ist ein besonders saftiger Apfel - bis in den Juni hinein ist er erhältlich, weil er sich besonders gut und lange lagern lässt.

Allround-Talent

Kleines Apfel-Lexikon

Welche Sorte schmeckt süß und welche sauer? Leckere Rezeptideen mit Äpfeln.  mehr...

Abkühlen lassen und dann abfüllen: In handliche Portionen aufgeteilt, werden die Reste vom Festessen für den Gefrierschrank vorbereitet.

Nicht wegwerfen!

Essens-Reste clever verwerten

Viel zu schade zum Wegwerfen! So verwerten Sie Reste weiter.  mehr...

Einfach nur lecker - ein Getränk für Genießer: Kaffee schmeckt in vielen Variationen richtig gut.

Koffein-Kick

Kaffee - ein echter Muntermacher

Wie kommt der Kaffee in die Tasse? Und wie kann man ihn noch besser genießen?  mehr...

Die Nudel hat einen eigenen Festtag. Der 25. Oktober widmet sich der Teigware.

Leckere Pasta-Ideen

Nudeln kochen leicht gemacht

Pasta-Fans aufgepasst: So zaubert man aus der Teigware leckere Köstlichkeiten.  mehr...

Meistgelesen | Essen & Trinken
1

Von Kalorienbombe bis Leichtgewicht - Tiramisu kennt viele Varianten

Eppelheim (dpa/tmn) Wetteifernde Konditoren oder ein ambitionierter Jungkoch - wer die italienische Süßspeise Tiramisu erfunden hat, ist umstritten. Klar ist nur, dass das Originalrezept sehr gehaltvoll ist. Es geht aber auch leichter. mehr...

Saison-Start

2

Alle Tipps zum perfekten Grill-Erlebnis

Im Grunde eignen sich alle Fleischsorten zum Grillen, sagen Experten. Besonders gut gelingen zarte Stücke vom Rücken, Nacken oder Keule.

NRW Die Temperaturen klettern und viele Grill-Fans rüsten sich schon für den Start in die Grill-Saison. Damit Fleisch, Würste und Fisch perfekt werden, sollten Grill-Chefs einige Tricks und Kniffe kennen. Wir zeigen, was auf den Grill gehört, was nicht und welche Todsünden man besser vermeiden sollte. mehr...

Rezept

3

Gourmet-Currywurst zum Nachkochen

Currywurst mit Pommes: Bei der Zubereitung kommt es auf die Gewürze an. (Bild: Marc Rehbeck/Collection Rolf Heyne)

Currywurst ist Kult. Sie gehört zu den Lieblingsgerichten der Deutschen. Die Zeiten, in denen sie nur an der Fast-Food-Bude gegessen wurde, sind vorbei. Mittlerweile hat sie auch Feinschmecker-Restaurants erobert. Ein Gourmet-Rezept gibt's hier zum Nachkochen. mehr...

4

Erdbeerernte beginnt nach kaltem Winter später

Berlin/Konstanz (dpa) Sie zählen zu den beliebtesten Früchten der Deutschen: die Erdbeeren. Viele können die Ernte kaum erwarten. Doch der lange und kalte Winter hat den Erdbeerbauern in Deutschland zu schaffen gemacht. Doch jetzt wird gepflückt. mehr...

Foodwatch-Auszeichnung

5

Capri-Sonne will den den "Goldenen Windbeutel" nicht

Annahme verweigert: Der Hersteller der Capri-Sonne will den Negativ-Preis «Goldener Windbeutel» nicht. Foodwatch wirft dem Unternehmen aggressives Marketing bei Kindern vor. Foto: Fredrik von Erichsen

Berlin/Eppelheim Annahme verweigert: Der Hersteller der Capri-Sonne will den Negativ-Preis "Goldener Windbeutel" nicht. Foodwatch wirft dem Unternehmen aggressives Marketing bei Kindern vor. mehr...

Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | HalternerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de | Immomia