Medienhaus Lensing
16.10.2012 09:27 Uhr
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Märchen aus 1001 Nacht: Kunsthandwerk an der Seidenstraße

Samarkand (dpa/tmn) Seide, Wolle, Keramik: Entlang der Seidenstraße in Usbekistan besinnen sich viele in Armut lebende Menschen wieder auf alte Handwerkstraditionen. Meisterwerke aus Seide, Wolle oder Keramik sind auf den Basaren zu erstehen.Von Ulf Mauder, dpa

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Das Herz von Samarkand: Der Registan. Foto: Ulf Mauder (Foto: dpa)

Die Manufaktur Yodgorlik hält eine jahrtausendealte Tradition am Leben. Die kleine baufällige Halle der Fabrik steht direkt an der staubigen Straße in der usbekischen Stadt Margilan. Zwei Frauen sitzen im Innern der Halle wie in einer Waschküche an einem Metallbottich. Darin kochen die Kokons der Seidenspinnerraupen im Wasser. Unmengen von Blättern der Maulbeerbäume haben die Raupen im Frühjahr gefressen und dann die weißen Puppenhüllen gesponnen. Wie von selbst löst sich der spinnwebenfeine Faden von den Kügelchen. Geschickt führt eine Arbeiterin die haarigen Stränge der einzelnen Kokons zu einem einzigen Faden zusammen. Ihre Kollegin rollt ihn auf ein großes Holzrad.

Noch hunderte Kilometer sind es vom fruchtbaren Ferganatal in Usbekistan bis zu den echten Perlen der Seidenstraße wie Buchara und Samarkand. Doch nicht in jenen märchenhaften Wüstenoasen mit dem orientalischen Klang aus 1001 Nacht und den Basaren voller Teppiche, Goldstickerei, Holzschnittkunst und Schmiedearbeiten hat die Seidenproduktion ihr Zuhause. Als ihr Zentrum gilt Margilan im Osten des zentralasiatischen Landes an der Grenze zu Kirgistan. Rund 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchen in dem armen wirtschaftlich isolierten Land immer mehr Menschen, mit Handwerksarbeit und alter Volkskunst über die Runden zu kommen.

Seit mehr als 20 Jahren führt der inzwischen 74-jährige Islam Karimow das muslimische Land mit harter Hand. Traurige Berühmtheit erlangte das Ferganatal durch das Massaker von Andischan. 2005 schlug das Militär einen Aufstand von Islamisten gegen die Staatsführung nieder. Mehrere hundert Menschen wurden dabei getötet.

Richtung Taschkent geht es vorbei an Obstplantagen und Baumwollfeldern, später durch das Hochland zu einem Kontrollpunkt mit Uniformierten. Aus Angst vor Terroranschlägen ist das Ferganatal durch diese Sicherheitskontrollen wie eine Sonderzone vom übrigen Teil des Landes getrennt.

Stolz ist das 2200 Jahre alte Taschkent auf seine Pilgerstätte Hasti Iman und eine Bibliothek mit dem ältesten Koran. Er stammt aus dem 7. Jahrhundert. Von der postsowjetischen Millionenstadt mit kastenförmigen Wohnsilos sind es rund 300 Kilometer bis nach Samarkand. Die Reise führt durch karges Land.

In Samarkand erinnert nur noch wenig daran, dass hier einst der Knotenpunkt von Karawanen lag. Zentraler Platz ist der Registan mit alten Koranschulen (Medresen), prächtigen Portalen und der Moschee. Bläulich schimmern Majolikafassaden und Kuppeln. Der grausame Herrscher Timur führte Samarkand im 14. und 15. Jahrhundert zur Blüte. Die Stadt sollte ein «Mittelpunkt des Weltalls» werden.

Immer wieder halten vor der schillernden Gräberstadt Schachi-Sinda Reisebusse mit Touristen aus Frankreich, Deutschland, Italien, aber auch aus den USA. Individualtouristen kommen vor allem aus Russland.

In westlicher Richtung aus der Stadt Samarkand geht es in wenigen Autostunden vorbei an Baumwollfeldern zu den letzten großen Perlen an der Seidenstraße - erst nach Buchara und dann durch die Wüste Kysylkum (Roter Sand) in die Oase Chiwa.

Die sonnenverwöhnte Stadt Buchara gilt heute als das am besten erhaltene Ensemble einer zentralasiatischen Metropole des Mittelalters. Zwischen Medresen, Minaretten und Moscheen der märchenhaften Stadt reiht sich ein Handwerksbetrieb an den nächsten.

In Werkstätten zeigen Handwerksmeister alte Waffenschmiedekunst, Ziselierarbeiten und Goldstickerei. Teppichhändler fordern zum Feilschen heraus. Meisterwerke aus Seide, Wolle oder Keramik bestimmen das Bild auf den Basaren.

Ganze Geschäfte sind gefüllt mit Wandbehängen samt aufwendiger Baumwoll- und Seidenstickereien - Suzani oder Sjusane genannt. Einst schmückten Usbekinnen mit den gestickten Granatapfel- und Pflanzenmotiven nach ihrer Hochzeit die eheliche Wohnung. Heute schätzen sie Souvenirjäger als Tisch- oder Überdecken - Handwerkskunst aus einem Märchen aus 1001 Nacht.

Einreise: Für die Einreise nach Usbekistan ist ein Visum notwendig, das direkt bei der Botschaft beantragt oder über ein Reisebüro organisiert werden kann. Infos gibt die Botschaft auf ihrer Website.

Anreise: Ein Direktflug von Frankfurt am Main in die usbekische Hauptstadt Taschkent dauert rund sechs Stunden. Längere Flugreisen mit Umsteigen sind meist günstiger. Rundreisen auf Deutsch lassen sich auch im Land buchen.

Unterkünfte: Die Usbeken bieten Übernachtungen für jeden Geldbeutel - vom Hotel bis zur Jurte der Nomaden. Hotels übernehmen die lästige Registrierungspflicht bei den Behörden.

Währung: Der Sum wird international nicht gehandelt. Offiziell gibt es für einen Euro bei einer Bank nur etwa 2300 Sum. Es ist verbreitet, wenn auch nicht legal, das Geld etwa von Hotelangestellten zu einem besseren Kurs auf dem Schwarzmarkt umtauschen zu lassen.

Reisezeit: Die Usbeken empfehlen wegen der nahezu unerträglichen Sommerhitze nur Reisen im Frühjahr oder Herbst. Im September und Oktober bietet die Baumwollernte spektakuläre Eindrücke.

Informationen: Botschaft der Republik Usbekistan, Perleberger Straße 63, 10559 Berlin; Telefon: 030/394 09 80, E-Mail: botschaft@uzbekistan.de.

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