Tierisches Verhalten
Wie Haustiere ihre Gefühle ausdrücken
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Diepholz/Darß (dpa) Die «Vögel des Glücks» verlassen den Norden: Sehnsüchtig verfolgen viele Menschen den Kranichzug in den Süden. Seit einigen Jahren gibt es einen regelrechten Kranichtourismus.
Kraniche am Himmel: Im Beobachtungsturm des Rehdener Geestmoores können Schaulustige den Kranichzug nach Süden beobachten. Foto: Friso Gentsch (Foto: dpa)
«Grrrus, Grrrus» klingt es aus dem Nebel, trompetenartige Rufe schallen aus der Moorniederung. Endlich schälen sich die Umrisse der Kraniche aus dem Dunst. Sie klappen ihre Beine aus wie das Fahrwerk eines Flugzeugs, landen ganz vorsichtig und staksen über ein stoppeliges Maisfeld. Im Beobachtungsturm des Rehdener Geestmoores bei der niedersächsischen Stadt Diepholz klicken die Kameras: Dort verfolgt ein Dutzend Schaulustiger gespannt die Szenerie. «Die Kraniche haben's gut, die fliegen jetzt ab in den Süden», seufzt Manfred Friedrich aus Paderborn. Die Reiselust hin zu wärmeren Regionen steckt auch die Kranichbeobachter an.
Mit dem Kälteeinbruch machen sich jetzt viele Zugvögel aus Nord- und Mitteleuropa auf den Weg nach Frankreich, Spanien und Nordafrika. Die durchreisenden Tiere und die steigende Zahl der lokalen Brutvögel haben in den vergangenen Jahren bei Naturfreunden einen regelrechten Kranichtourismus ausgelöst. Denn die Tiere gelten nicht nur in Asien als «Vögel des Glücks»: Die monogamen Tiere werden auch hierzulande als gutes Omen für eheliche Treue und langes Eheglück gesehen. Zudem faszinieren sie die Menschen seit Jahrtausenden durch majestätische Haltung und tänzerische Bewegungen.
Die größten Kranichsammelplätze in Norddeutschland locken inzwischen jährlich Tausende von Beobachtern an. Die Rügen-Bock-Region in Mecklenburg-Vorpommern zählt zum Mekka der Vogelfreunde, ebenso der kleine brandenburgische Ort Linum. Auch Niedersachsen wird zunehmend interessant: Dort war der Kranich als Brutvogel wie in vielen anderen Regionen in den 70er Jahren fast ausgestorben. Nun gibt es dort mittlerweile rund 700 Brutpaare.
Im vergangenen Herbst wurden allein im Raum Diepholz zwischen Oldenburg und Osnabrück fast 70 000 durchziehende Kraniche gezählt. Die nasse Moorniederung bietet dort ausgezeichnete Schlafplätze für die scheuen Tiere. Diese übernachten als Schutz vor Fressfeinden wie Füchsen gern im knietiefen Wasser.
Für Anette Lilje in der Biologischen Station Osterholz bei Bremen kann daher der Schutz der Moore für den Erhalt seltener Arten nicht hoch genug eingeschätzt werden: «Moore sind extrem wichtig für den Arten-, Wasser- und Klimaschutz. Sie binden etwa gigantische Mengen Kohlendioxid», sagt die Landschaftsökologin. Dennoch seien 90 Prozent der niedersächsischen Moore durch Entwässerung, Landwirtschaft und Torfabbau stark geschädigt. «Da muss dringend ein Umdenken der Politik erfolgen», fordern Lilje und andere Naturschützer.
Solche Hintergrundinformationen sind auch bei den geführten Kranichtouren zu hören, die Experten von Rügen bis zum Teufelsmoor bei Bremen anbieten. «Sehen und hören ohne zu stören, lautet das Motto», sagt Umweltwissenschaftler Gunnar Siedenschnur aus Osterholz. Gelenkte Besucherführungen sollen verhindern, dass Kranich-verrückte Touristen auf Foto-Pirsch wie wild über Feldwege preschen. «Bis zu 400 Meter Abstand halten und möglichst im Auto sitzenbleiben», rät Siedenschnur. Mit viel Ruhe ließen sich auch die berührenden Rufe der Tiere gut hören: «Das gibt Gänsehautfeeling und geht durch Mark und Bein.»

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