Medienhaus Lensing
01.11.2012 10:24 Uhr
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Schlabbern im Goldfischglas: Katzen trinken ungewöhnlich

Berlin (dpa/tmn) Die Wasserschale wird nie leer: Mancher Besitzer fragt sich, ob seine Katze überhaupt etwas trinkt. Tatsächlich stillen die Tiere ihren Durst oft an unerwarteten Stellen. Deshalb ist Kreativität gefragt.Von Leonie Schwarzer, dpa

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Durst stillen bei den Fischen: Viele Katzen trinken dort, wo es die Besitzer nicht vermuten. Am besten ist deshalb, verschiedene Trinkplätze in der Wohnung einzurichten. Foto: epa/Jorge Ferrari 

Das frisch servierte Wasser im Napf wird oft nicht angerührt. Lieber mögen Katzen altes, abgestandenes Wasser aus dem Aquarium oder der Toilette. Oder sie springen plötzlich auf den Küchentisch und trinken aus der Blumenvase. Über die Trinkgewohnheiten ihrer Katze wundern sich viele Besitzer.

«Katzen trinken aus allen Gefäßen, die ihnen gefallen. Das ist sehr individuell», erklärt Thomas Steidl, Mitglied im Ausschuss Kleintiere der Bundestierärztekammer. Als Tierarzt sind ihm schon einige wilde Fälle begegnet: «Manche Katzen mögen ihr Wasser nur aus dem Goldfischglas, dem Klo, dem Zahnputzbecher oder aus der Gießkanne.» Außerdem gibt es Katzen, die Wasser nur abgestanden oder nur fließend trinken.

Genau wie Menschen sind auch Katzen in ihren Gewohnheiten verschieden. Am besten richtet ihnen der Besitzer mehrere Trinkplätze in der Wohnung ein, rät Tierärztin Tina Hölscher. «Dann wird die Katze animiert, häufig zu trinken.»

Selbst wenn die Katze am liebsten drei Tage altes Wasser mag, sollte sie immer frisches Wasser zur Verfügung haben. Denn abgestandenes Wasser kann schnell zum Bakterienfänger werden. «Vor dem Trinken hat die Katze an der Leberwurst geschleckt, und dann scheint auch noch die Sonne auf das Wasser», sagt Hölscher, die für Aktion Tier arbeitet. «Da können schnell Keime entstehen.

Generell ist es für Besitzer schwierig zu beobachten, ob die Katze genug trinkt. Viele sehen den vollen Wassernapf und geraten in Panik: Trinkt meine Katze gar nichts? «Die Katzen trinken einfach an unterschiedlichen Stellen, wo man es nicht vermutet», erklärt Astrid Behr vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt).

Um wirklich zu wissen, wie viel die Katze trinkt, müsste der Besitzer sie den ganzen Tag verfolgen und beobachten. Völlig unmöglich. «Es gibt aber einen kurzen Test: Wenn ich die Hautfalte aus dem Nackenbereich meiner Katze hochziehe, muss die sofort weggehen», erklärt Hölscher. Bilde sie sich hingegen nur langsam zurück, trinkt das Tier definitiv zu wenig.

Wie viel Wasser die Katze braucht, hängt zudem von der Nahrungsart ab. «Feuchtfutter besteht zu 80 Prozent aus Wasser, dadurch haben Katzen schon einen Großteil ihres Bedarfs gedeckt», sagt Hölscher. Wenn die Katze dagegen Trockenfutter bekommt, braucht sie mehr Flüssigkeit. Viele Besitzer meinen es nur gut mit ihrer Katze, wenn sie das Trockenfutter einweichen. «Die Katze nimmt dann mehr Flüssigkeit zu sich», sagt Hölscher, «aber Trockenfutter soll gerade wegen seiner Konsistenz die Zahnsteinbildung verhindern. Das ist dann eher kontraproduktiv.» Hölscher empfiehlt, der Katze sowohl Trocken- als auch Feuchtfutter zu geben.

Ungeeignet ist für Katzen in jedem Fall Milch: «Milch ist Nahrung. Und da wir so viel mit übergewichtigen Katzen zu tun haben, hilft es, Kalorien einzusparen», sagt Steidl. Zudem vertragen viele Tiere keinen Milchzucker.

Die Hauskatze stammt aus dem nordafrikanischen und kleinasiatischen Raum. «Sie ist ursprünglich ein Wüstentier und kommt daher sehr lange ohne Wasser aus», erläutert Thomas Steidl. Trotzdem müssen Besitzer darauf achten, dass die Katze ausreichend trinkt.

Haben sie den Eindruck, dass ihr Tier den Trinknapf nie anrührt, hilft ein Besuch beim Tierarzt weiter. Dieser untersucht, ob das Tier unter Flüssigkeitsmangel leidet - denn dieser kann gefährlich sein: «Es können sich Kristalle im Urin bilden, die die Schleimhäute verletzen», erläutert Tierärztin Behr. Die Folge sind schmerzhafte Blasenentzündungen.

Trinkt die Katze dagegen plötzlich sehr viel und hastig, ist das möglicherweise ein Warnsignal. «Der einfachste Grund kann sein, dass es sehr warm ist und die Katze sich viel geputzt hat», erläutert Behr. Im schlimmsten Fall steckt Diabetes oder eine Nierenerkrankung dahinter.

Außer der Trinkmenge sollten Besitzer auch das sonstige Verhalten ihrer Katze beobachten. Handwerker im Haus, ein neuer Mieter in der Wohnung gegenüber oder eine andere Katze auf dem angrenzenden Balkon: Das bedeutet Stress für die Vierbeiner. «Und besonders in Stresssituationen trinken Katzen weniger», erklärt Steidl. In diesem Fall könnten Besitzer ihrer Katze zusätzliches Wasser einflößen. «Der Besitzer kann sich dann einfach eine Spritze vom Tierarzt besorgen, die mit Wasser befüllen und der Katze in den Mund geben.»

Um ihre Katze zum Trinken zu bringen, müssen Besitzer also kreativ sein. Jedes Tier habe seine eigenen Vorlieben, da helfe nur ausprobieren. «Und wenn das Goldfischglas unbedingt oben auf dem Regal stehen muss oder ein Wasserbrunnen nötig ist. Die Katze trinkt, wenn sie Spaß daran hat», sagt Steidl.

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