Serie: Keine Spuren vom Denkmal an der Goetheschule
BOCHUM Eines der aufwendigsten und pompösesten Denkmäler Bochums war das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Platz vor der Goetheschule und der Villa Marckhoff. Zu seiner Zeit ein beliebtes Ansichtskarten-Motiv, geriet es seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit.
Die heutige Perspektive der Karte von 1927 ohne das Denkmal: links die Goetheschule, rechts die Villa Marckhoff. (Foto: Frank Dengler)
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Erst die 2010 veröffentlichten Forschungen von Dr. Enno Neumann haben die langwierige Entstehungsgeschichte dieses Denkmals wieder ans Licht gebracht. Demnach fasste die Stadtverordnetenversammlung anlässlich des 100. Geburtstages von Wilhelm I. (1797-1888) 1897 den Beschluss, dem "Gründungskaiser" des Reiches von 1871 ein würdiges Denkmal zu errichten.
Spenden gesammelt
Die Stadtverordneten zogen von Haus zu Haus, um Spenden zu sammeln. Dabei kamen 52.000 Mark zusammen, wobei die Einzelbeträge von 30 Pfennigen bis zu 10.000 Mark reichten. 1898 standen dem Denkmalausschuss 75 000 Mark zur Verfügung, und auch der Standort des Denkmals wurde bereits festgelegt: der dreieckige Platz an der Kaiser-Wilhelm-Straße zwischen der Innenstadt und dem Stadtpark. Hier hatte die Bebauung gerade begonnen, so waren die Oberrealschule (Goetheschule, Folge Nr. 22 unserer Serie) und die Villa Köhler (Nora) in der Entstehung, wenig später folgte die Doppelvilla Marckhoff-Rosenstein (Nr. 65).
1899 wurde mit dem Düsseldorfer Bildhauer Clemens Buscher ein Vertrag geschlossen, nach dem das Denkmal bis 1901 vollendet sein sollte, doch es folgte eine Phase mehrjähriger Verzögerungen. Die Ursache lag hauptsächlich bei Kaiser Wilhelm II., dem Enkel des zu Ehrenden, denn eine Genehmigung des Hauses Hohenzollern war unerlässlich. Buschers Entwurf sah neben einem Standbild Wilhelms I. zwei Assistenzfiguren vor, eine Walküre und Kaiser Barbarossa. Diese erregten das Missfallen des Kaisers. Nach mehreren Überarbeitungen des Denkmals erreichte man 1902 endlich die Zustimmung.
Feierliche Einweihung
1903 kam die offizielle Genehmigung, aber es dauerte ein Jahr, bis alle Arbeiten abgeschlossen waren, so dass eine Einweihung des Denkmals für Mai 1904 geplant werden konnte. Jedoch erfolgte eine weitere Enttäuschung der Stadtoberen und des Künstlers durch den Kaiser. Selbstverständlich lud man Wilhelm II., der Bochum noch nie besucht hatte, zur Enthüllung ein. Monatelang blieb die Stadt ohne Antwort, bis bekannt wurde, dass Ihre Majestät nicht erscheinen, sondern einen Repräsentanten (Generaloberst von Hahnke) schicken werde. So schritt man am 2. Oktober 1904 notgedrungen ohne Wilhelm II. zur feierlichen Einweihung.
Mit einer Höhe von ca. 7,5 Metern (Kaiserfigur mit Sockel) war das Denkmal aus Bronze, Marmor und Granit ziemlich imposant. Es wurde von einem mosaik-verzierten Rondell mit 13 Metern Durchmesser umgeben und rückwärtig von einer hohen Thronbank abgeschlossen. Dort stand die geflügelte Walküre mit Helm, Schuppenpanzer, Schild und Speer, welche mit pathetischer Geste den alten Kaiser Barbarossa aufweckt. Dieser, mit langem Bart und auf sein Schwert gestützt, schaut bewundernd zum neuen Kaiser und Reichsgründer empor.
Blick Richtung Innenstadt
"Wilhelm der Grosse", mit typischem Backenbart, Krönungsmantel und Federbuschhelm in der rechten Hand, blickt in Richtung Innenstadt. Nach der Einweihung kam es zu kleineren Veränderungen. So zeigte sich, dass Besucher die Stufen der Thronbank als Rastplatz nutzten. Dieser "Respektlosigkeit" begegnete die Stadt durch eine Umzäunung mit eisernen Ketten.
Dem vielleicht stattlichsten unter den Bochumer Denkmälern der Kaiserzeit war eine Existenzdauer von weniger als 40 Jahren beschieden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die drei Bronzefiguren abmontiert und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen, später sind der verbliebene Sockel und die Thronbank durch Bombeneinwirkungen zerstört worden. Nach 1950 wurden die Reste endgültig abgetragen. Frank Dengler


























