Brust-OP: PIP-Implantate bedrohten Miriams Gesundheit
BOCHUM/ESSEN Vor etwa drei Wochen bekam Miriam Kassner Post von der Essener Uni-Klinik. Die 32-Jährige wurde zu einer außerplanmäßigen Untersuchung gebeten. Im Körper der Bochumerin lauerte eine Bedrohung für ihre Gesundheit: PIP-Implantate.
Ein solches Implantat hätte für Miriam Kassner zur Bedrohung werden können. (Foto: dpa)
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Erst zwei Jahre alt
Vor gut drei Wochen bekam sie einen Brief vom Universitätsklinikum Essen. Der Inhalt machte ihr Sorgen. Ihre erst vor gut zwei Jahren eingesetzten Brustimplantate – kurz nach ihrer Geschlechtsumwandlung – müssten dringend überprüft werden. Der Stoff in den Kissen könne gefährlich sein. Statt des üblichen medizinischen Silikons solle ein industrielles Äquivalent verwendet werden, berichtet Miriam.
Im Krankenhaus habe ihr das Personal die Kissen als das Zeug beschrieben, was andere Menschen zum Abdichten der Badezimmerfugen nutzen. „Bei den Implantaten gibt es eine erhöhte Rupturgefahr“, sagt UKM-Oberarzt Dr. Oliver Hoffmann. Das bedeutet, die Kissen können schneller reißen. „In 20 bis 25 Prozent der Fälle stellen wir einen Defekt fest.“
Schmutziges Geschäft
Als Sauerei empfindet Miriam das schmutzige Geschäft mit den Implantaten. „Als ich das gelesen habe, bin ich richtig sauer geworden.“ Auf eine Schmerzensgeldzahlung werden sie und die weltweit rund 500 000 Betroffenen aber wohl verzichten müssen. „Soweit ich weiß, gibt’s da nichts zu holen“, sagt Miriam. Ihre alten Implantate werden dennoch im Klinikum aufbewahrt, im Falle von doch noch möglichen Regressansprüchen.
Miriam kam als Junge zur Welt. Früh merkte sie, dass sie sich in ihrem Körper nicht wohl fühlte. „In meiner Jugend habe ich nach Frauenkleidung geschaut.“ Lange hat sie gegen die aufkeimende Weiblichkeit angekämpft. Mit Anfang 20 ging sie ins Fitnessstudio, baute zwölf Kilogramm Muskelmasse auf. Es war der letzte Versuch, die Männlichkeit in sich zu wecken. Er scheiterte. Sie entschloss sich zum Outing und zur Geschlechtsumwandlung, inklusive Brustvergrößerung: Körbchengröße B.
Extra-Seiten im Buch
Was sie in den vergangenen Wochen durchgemacht hat, will die junge Buchautorin in den kommenden Tagen auf ein paar Extra-Seiten niederschreiben. Mitten im Endspurt ihres Erstlingswerks „Option B, bitte“ bekam Miriam zittrige Hände, verkrampfte beim Schreiben. „Ich hatte Angst.“ Von schweren Gesundheitsrisiken bis zur Krebserkrankung war die Rede. „Ich konnte nicht mehr schlafen“, erinnert sie sich.
In ihrer Sorge schickte sie dem Krankenhaus eine Mail, erklärte sich und ihre Notlage. So wurde ihre Erstuntersuchung um einige Tage vorgezogen, das Ergebnis: Keine Risse erkennbar. Miriam atmete durch, schrieb ihr Buch zu Ende. Zwei Wochen später, am 31. Januar, ließ sie sich operieren und die Implantate austauschen. „Aufgrund unserer Expertise war das ein Routineeingriff“, bestätigt Dr. Oliver Hoffmann.
Besseres Gefühl
Miriam geht es gut mit ihren neuen Brüsten. „Sie fühlen sich so viel natürlicher an, als die alten Implantate.“ Sie ist froh, alles so glimpflich überstanden zu haben. Aber, so gesteht sie, „wären mir die Brüste nicht ersetzt worden, ich hätte mit dem Risiko weitergelebt.“ Das Frau-Sein will sie sich nicht mehr nehmen lassen. Dafür hat sie zu lange gekämpft.


























