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Um das Lanstroper Ei ranken viele Legenden. Es wurde sogar gemunkelt, dass Wilhelm II dort gesessen habe. (Foto: Oliver Schaper)
Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Schwierige Frage, beim Lanstroper Ei jedoch einfach zu beantworten: Die Stadt Unna war zuerst da, und die Firma August Klönne baute im Auftrag der Gas- und Wasserwerke zwischen 1904 und 1905 das Ei auf Unnaer Stadtgebiet. Erst 1928 ist das Gebiet samt Wasserturm eingemeindet worden.
Stahlgerüst mit Ei - so könnte man den Wasserturm ganz einfach bezeichnen. Eine Konstruktion, an der der Stilwandel in der Jahrhundertwende deutlich wird: Vom architektonischen Historismus der Gründerzeit zur neuen funktionalen Architektur der Moderne.
Doch das berühmteste Ei hat es in sich: Um das drehen sich Geschichten und Legenden, die fast genauso spannend sind, wie die Eingangsfrage.
Unterschiedliche Höhen
Ein Konstrukt ist nach Ansicht des Heimatforschers Dr. Reinhold Lob auch die Bezeichnung des Wassersturmes: „Die Bezeichnung Lanstroper Ei ist falsch. Denn der Wasserturm steht auf der Gemarkung Grevel“.
Man nenne den Wasserturm deshalb auch Lanstroper Ei auf Greveler Gemarkung, erklärt Heinz Pasterny.
Die Angaben zur Bauzeit pendeln zwischen 1904, 1905 und 1906. Die Höhe wird mal mit 34 Metern oder auch 43 Metern angegeben. Bei Wikipedia ist das Lanstroper 57 Meter hoch.
"Wilhelm zwei auf dem Ei"
Als konstruierte Geschichte sieht Hobby-Historiker Oscar Jünger auch die Legende „Der Kaiser auf dem Wasserturm" oder "Wilhelm zwei auf dem Ei“ an, die der Verfasser „Pit“ mal in einem österlichen Bericht kolportierte.
„Pit“ habe als Vorlage eine Broschüre des Architekturbüros Will Schwarz benutzt, in der steht, „dass Kaiser Wilhelm II. bei einem Manöver im Jahre 1913 auf dem Lanstroper Ei gesessen hat“.
Geschichte nicht erwiesen
Jünger schüttelt schmunzelnd den Kopf: „Davon habe ich bisher nirgendwo die leiseste Andeutung eines Hinweises finden können“.
Bevor der Architekturführer Dortmund, so Jünger, im Jahre 1982 von den Architekten Magoley und Wörner herausgegeben wurde, habe von diesem Kaiserbesuch vermutlich nur der verstorbene Architekt Will Schwarz etwas gewusst.
Schwarz habe auf Nachfrage Jüngers nach dem hohen Kaiser-Besuch verschmitzt erklärt, dass ihm sein Vater damals so etwas angedeutet habe, er aber auch nicht genau wisse, ob das alles so stimme. „Es ist ein Verdienst von Schwarz, dass der Wasserturm fortan als Feldherrenhügel des Kaisers genannt wurde“.
In die Welt getragen worden sei die Geschichte bei den Exkursionen in die Geschichte des Bergbaus anlässlich der Bundesgartenschau 1991, erinnert sich Jünger.
Aussichtsturm der Römer
Beim Förderverein „Lanstroper Ei“ reagiert man verwundert auf die Kaiser-Auf Dem-Ei-Geschichte. „Das höre ich zum ersten Mal. Das muss aber eine Legende sein“, so Bruno Schreurs schmunzelnd.
Nicht der Kaiser, sondern die Römer hätten dort auf der Höhe, nach Meinung des Heimatforschers Dr. Beisenherz einen Aussichtsturm gehabt.
Und Horst Roloff, ehemaliger Polizeibezirksbeamter hat eher die Fische im Auge, und nicht sitzend auf dem Ei, sondern schwimmend mittendrin: „Die haben damals das Wasser getestet“.