Mauerfall: 9. November weckt Erinnerungen an die Flucht aus der DDR
EMSDETTEN Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, saßen etliche Emsdettener vor dem Fernseher und verfolgten das Geschehen an der Grenze. Einer war besonders gebannt: Bruno Jendraszyk. Er ist selbst aus der DDR geflüchtet – 1953, mit seinen Eltern, als Fünfjähriger.
Diesen kleinen Koffer hatte Bruno Jendraszyk dabei, als er 1953 mit seinen Eltern aus der DDR nach Emsdetten kam. (Foto: Heidrun Riese)
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"Was hier passiert ist Geschichte"
Schon in den Wochen zuvor hatte Jendraszyk immer wieder Nachrichten geguckt und auch seine beiden Töchter, damals im frühen Teenager-Alter, dazu angehalten. „Ich habe ihnen gesagt: Ihr müsst Fernsehen gucken. Was hier passiert, ist Geschichte“, berichtet er. Es war auch seine ganz persönliche Geschichte.
Jendraszyk, im 18 Kilometer nördlich von Dresden gelegenen Schönfeld geboren, kam 1953 mit seinen Eltern in den Westen – wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR. „Meine Mutter war die treibende Kraft“, erinnert sich der 61-Jährige. Die Silberhochzeit eines Onkels in Emsdetten bot die Gelegenheit zur Flucht.
Zufuß durch das Brandenburger Tor in den Westen
Die lief so ab: Von Schönfeld ging´s zunächst mit dem Zug nach Schneeberg, zu Verwandten. „Das war eine Abschiedstour, aber das wusste ich damals nicht“, berichtet Jendraszyk. Von dort aus fuhr die dreiköpfige Familie weiter nach Ost-Berlin – um dort, zusammen mit vielen anderen Menschen, zu Fuß durch das Brandenburger Tor in den westlichen Teil der Stadt zu gelangen.
„Ich musste in den Kinderwagen, das hat mir gar nicht gefallen, weil ich dafür schon zu alt war, aber es sollte nunmal wie ein Tagesausflug aussehen“, erzählt der 61-Jährige. Deshalb hatten Jendraszyk auch nicht viel dabei. Der kleine Bruno hatte ein kleines Köfferchen bei sich, mit ein bisschen Spielzeug drin. Und das Geld, das seine Mutter ihm in der Nacht in den Saum seiner Jacke genäht hatte.
Mit dem Interzonenzug Richtung Emsdetten
„Dann waren wir in West-Berlin!“ Von dort aus ging´s mit dem Interzonenzug Richtung Emsdetten. Hier lebt Bruno Jendraszyk seit 1953. Zuerst bei den Verwandten, 1954 zog die Familie nach Hollingen um. „Die Nachbarn haben uns damals bestens aufgenommen“, erinnert er sich an die freundliche Begrüßung.
Jendraszyks wohnten nun also im Westen. Der Kontakt in den Osten riss aber nie ab, schließlich hatte die Familie noch Verwandtschaft dort. Die hat Bruno Jendraszyk regelmäßig besucht, auch kurz vor dem historischen Tag.
"Man konnte sich nicht vorstellen, dass sich die DDR auflösen würde"
„Da gab´s schon die Ungarn-Flüchtlinge“, erinnert sich der 61-Jährige. „Aber man konnte sich nicht vorstellen, dass sich die DDR auflösen würde.“ Doch die Mauer fiel und im Erzgebirge, wo die Verwandten wohnen, ging ein aufgeregter Anruf aus Emsdetten ein. Jendraszyk: „Meine Frau hat nur gesagt: ‚Mensch, Siggi, die Grenze ist offen!‘ Mein Cousin konnte das gar nicht fassen. Er hatte geschlafen, als die Mauer gefallen ist.“
Jetzt, zum Jahrestag dieses historischen Ereignisses, erinnert sich Bruno Jendraszyk besonders gerne an die aufregenden Tage, als die Menschen aus dem Osten endlich in den Westen kommen durften. „Das war eine schöne Zeit, eine geschichtsträchtige Zeit!“

















